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16:27 07.10.2018
In windiger Höhe: Jürgen Vielhauer kann zu jeder Himmelsrichtung etwas erzählen. Quelle: Enrico Berg
Spandau

252 Stufen sind es bis zum Spandauer Himmel. Zumindest wenn man den 75,5 Meter hohen, monumentale Turm der St. Nikolai-Kirche von Spandau erklimmen will. „252 und eine halbe Stufe um genau zu sein”, sagt Jürgen Vielhauer lachend. Und er ist diese Stufen oft gegangen.

Der Kirchturm der Spandauer Nikolaikirche bietet Einblicke und Ausblicke. Auf Führungen lässt sich das besondere Bauwerk und seine Geschichte erkunden.

Der 83-jährige Ruheständler zog 1963 nach Spandau und ist seit 25 Jahren Turmführer in St. Nikolai. Neben ihm sind weitere fünf Kollegen, darunter auch eine Dame, im Einsatz. Die Turmguides arbeiten alle als Ehrenamtler, um den interessierten Besuchern die Geschichte des Kirchturms zu erzählen. Und es gibt viel zu erzählen. Nicht für diejenigen, die Interesse an sakralen Bauwerken und deren Kunst haben, auch darüber hinaus gibt es viel über Spandau zu berichten.

Anfang der Reformation in Brandenburg

In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Kirche begonnen, die Fertigstellung war gegen Ende des selbigen Jahrhunderts. Der massive spätgotische Westturm entstand in den Jahren 1467 bis 1468. Zu Beginn war sie eine katholische Kirche, bis im Jahr 1539 Brandenburgs Kurfürst Joachim II. zum evangelischen Bekenntnis übertrat. St. Nikolai ist bis heute eine evangelische Kirche.

Informationen in Blindenschrift

Besonders erwähnenswert seien die Informationsbroschüren über St. Nikolai, sagt Pfarrer Björn Borrmann. Diese liegen in 45 Sprache, auch in Blindenschrift, aus. Ehrenamtliche Muttersprachler haben diese übersetzt.

Vieles über die Geschichte der Kirche können die Besucher bei den Turmführungen erfahren. Der Aufstieg ist nicht sehr beschwerlich – bis man die Laterne, also die Aussichtsplattform des Turmes, erreicht hat. Kurz vor dem Ausstieg befindet sich eine Wendeltreppe, die sich um 360 Grad windet, die letzten Stufen müssen über einer etwas steileren Stiege genommen werden.

Auch Fontane war oben

Oben angekommen, wird man mit einem weiten Blick über Spandau bedankt. Selbst Theodor Fontane bestieg einst den Kirchturm und genoss an einem klaren Dezembertag die Aussicht über das Havelland und das damals noch ferne Berlin.

Bei gutem Wetter kann man sogar das Kreuz der St. Nikolai Kirche in Potsdam sehen, heißt es. Das Dach des Olympiastadions, der Teufelsberg mit Abhörstation, der Fernsehturm, der Grunewaldturm und natürlich das Herlitz-Logistikzentrum in Falkensee sind heute zu sehen.

Imposante Gemäldereihe

Schon beim Aufstieg bekommen die Besucher viel zu sehen und zu hören. So kann man imposante Gemälde anschauen, auf denen ehemaliger Pfarrer abgebildet sind. Das Kreuz, das bis zum Brand im Jahr 1944 auf dem Glockenturm angebracht war, befindet sich nun im Inneren. Eine Etage ist mit Namensfahnen ausgestattet, die an Naziopfer erinnern, auf einem anderen Plateau befinden sich Tafeln mit Namen gefallener Soldaten aus diversen Kriegen, allesamt waren in Spandau stationiert.

Auf der zweiten Etage kann man das Kirchengewölbe mal von oben bestaunen. Das Gebälk sei aus dem 14. Jahrhundert und noch voll intakt. Stockwerk drei zeigt eine Fotoserie vom zerbombten Spandau nach dem Zweiten Weltkrieg, sowie auch damalige Lebensmittelmarken. Die erste Zeitung nach dem Krieg, war die „Tägliche Rundschau” ein Exemplar ist ebenfalls dort ausgestellt.

Platz für Turmfalken

Ein Schaukasten mit Anschauungsmaterial über Turmfalken findet man auf der vierten Etage vor. Die gefiederten Bewohner des Turmes nisten in einem Kasten unterhalb vom Turmaufsatz, doch dieses Jahr hat sich hier leider kein Pärchen niedergelassen um ihren Nachwuchs aufzuziehen, bedauert Jürgen Vielhauer.

Apropos Bewohner, in früheren Zeiten war der Glockenturm bewohnt. Der sogenannte Türmer lebte in eben diesem Turm und seine Aufgabe bestand darin die Stadt im Auge zu halten. Bei Gefahr gab er ein Signal um die Bewohner von Spandow, wie Spandau früher hieß, zu warnen. Denn Gefahr drohte oft. So ist der Kirchturm bei einem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1740 niedergebrannt. 200 Jahre später fiel er erneut einer Feuersbrunst zum Opfer, ausgelöst durch einen Bombenangriff am 6. Oktober 1944. An einem unverputztem Stück Mauerwerk wird anschaulich demonstriert, welche Hitze sich bei diesem Brand entwickelt haben muss. Eingelagerte Asche- und Rußpartikel sind mit den Backsteinen quasi verschmolzen.

Notdach bis 1989

Nach diesem Desaster erhielt der Turm ein pyramidenförmiges Notdach. 1989 wurde das Gotteshauses saniert und der Turm erhielt eine rekonstruierte barocke Haube.

Anno 1965 erhielt die Kirche zwei neue Glocken, eine dritte folgte dann 1990, die am Tag der Deutschen Einheit, dem 3. Oktober 1990, zum ersten Mal geläutet wurde. Die Kirchenglocken schlagen tagsüber auch zu jeder viertel und vollen Stunde die Uhrzeit. Eine vierte, kleinere Glocke befindet sich ganz oben im Dachreiter und ist eine sogenannte Signierglocke, die beim Beten des Vaterunser geläutet wird.

Von Hannelore Berg

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