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Falkensee Der Meister der extremen Dimensionen
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05:05 30.10.2018
Geduld ist wichtig bei der Druckvorbereitung. Thomas van der Linde an seiner Druckerpresse. Quelle: Hans-Peter Theurich
Falkensee

In seinem Falkenseer Haus arbeitet der Künstler Thomas van der Linde. Ganz oben unterm Dach liegt das Atelier mit Ausblick über weite Wiesen und Felder. Der Raum ist vollgestopft mit Büchern, Bildern und Postern. Auf einem Tisch findet eine Druckerpresse Platz. An dünnen Drahtseilen hängen frische Drucke wie Wäsche auf der Leine. Es riecht nach Leinöl.

Der gebürtige Rheinländer Thomas van der Linde ist Jahrgang 1959 und studierte in Bonn Kunst und Geschichte. Seit 2002 lebt er mit seiner Familie in Falkensee und arbeitet in Spandau als Lehrer.In Zukunft will er sich wieder mehr der Aquarell- und Ölmalerei widmen.

In langen Reihen stehen schwarze Skizzenbücher, klein wie Vokabelhefte, so hat der Künstler sie unterwegs immer zur Hand. Etwa neulich auf der Reise in Bayern. „Ich zeichne gern meine Umgebung, auch Menschen. Am Besten aus den Augenwinkeln, damit sie sich nicht beobachtet fühlen und sich ungezwungen bewegen“, sagt er. Die skizzierten Figuren werden zum Fundus, aus dem der Künstler die Ideen für größere Werke schöpft.

Voraussetzung für solch schnelle Skizzen von Personen ist ein unermüdliches Studium der menschlichen Gestalt. „Alle meine Aktskizzenbücher aufeinander gestapelt, würden meine Körpergröße erreichen.“ Thomas van der Linde ist nicht gerade klein.

Modelle zum Aktzeichnen engagiert

Im Falkenseer Haus am Anger engagiert er monatlich ein Modell zum Aktzeichen für interessierte Künstler und Amateure. Aktuell arbeitet er an der Radierung einer Szene im Berliner Monbijou-Park. Dort finden im Sommer regelmäßig Tango-Tanzabende statt. So eine Partystimmung hat Thomas van der Linde auf eine Zinnplatte geritzt, radiert wie der Fachmann sagt. Mit einem Stichel wird direkt auf die Platte gezeichnet, dazu ist erhebliche Muskelkraft nötig, verbunden mit ruhiger Hand und zeichnerischer Präzision.

Extra für die Reporter der MAZ führt Thomas van der Linde vor, wie ein Handdruck entsteht. Er bindet sich eine blaue Schürze um, walzt die schwarze Farbe auf einer Glasplatte aus, dann auf dem Druckstock. Damit sich die Farbe gut verteilt, wird die Platte erhitzt. In den Vertiefungen auf der Metallplatte bleibt die Farbe haften. Andere Stellen auf der Platte werden solange mit dem Handballen abgerieben, bis das Schwarz so gut wie vollständig verschwunden ist. Es entsteht ein so genannter Tiefdruck.

Spannung vor dem Öffnen der Druckerpresse

Die Spannung steigt, wenn der Künstler die Platte vorsichtig auf die Druckerpresse legt, langsam an der Kurbel dreht, der Schlitten sich mit der Radierung in Bewegung setzt. Dann der große Moment, wie ist der Druck gelungen? Wunderschön strahlen die kleinen Glühbirnen zwischen Bäumen und über den Tänzern – anmutig und pittoresk ist das Mezzotinto geworden, übersetzt: Halbdunkel. Die Abendszene entsteht durch unermüdliches Aufrauhen des Zinkblechs und wiederholtes Glätten für die helleren Partien. An so einem Bild in Postkarten-Größe arbeitet man gut und gern acht Stunden.

Thomas van der Linde ist ein Meister extremer Dimensionen. Seine kleinsten Drucke haben Briefmarkengröße, zwei mal drei Zentimeter. Für solche Präzisionsarbeit braucht man technische Hilfsmittel. Der Künstler nutzt eine Lupenlampe wie in einem Nagelstudio.

Reise nach Venedig zum Zeichnen

Eine Radierung, die in eine Handfläche passt, bietet eine Stadtansicht von Venedig. In stimmungsvollem Braun zeigt die kleine Vedute „Venezia – Rio dell´ Arsenale“ von 2016 mehrere Paläste, einen Kanal mit Gondel vor einer Brücke und im Vordergrund ein paar pickende Tauben. Mindestens eine Woche pro Jahr verbringt Thomas van der Linde in der Stadt an der Lagune – um zu zeichnen.

Ins Riesenhafte tendieren die farbigen Druckstöcke. Ursprünglich für Holzschnitte entstanden, bemalte Thomas van der Linde die mannshohen geschnitzten Bretter, so dass sie selbst zu Kunstwerken geworden sind. Zu sehen waren sie vor einigen Monaten im Spandauer Kulturhaus in der Ausstellung „Pentalog“. Mindestens so wichtig wie die Alltagsszenen sind dem Künstler surrealistische Wesen aus Träumen.

Traumtagebücher halten Gedanken fest

Seit 26 Jahren führt Thomas van der Linde Traumtagebücher der besonderen Art, nämlich mit Zeichnungen. In jenen bizarren Welten erscheinen halbierte Elefanten, denen Treppen aus dem Leib wachsen. Es gibt laufende Fische und andere, mit einem Blätterwald statt Flossen. Immer schwingt der hintergründige Humor des Künstlers mit.

„Früher nannte man die Radierung Schabkunst“, erzählt Thomas van der Linde. Im März 2018 erklärte die Unesco künstlerische Drucktechniken zum immateriellen Kulturerbe. Es gehört zum Selbstverständnis des Künstlers, dass er das Drucken als lebendige Technik erhalten will.

Thomas van der Linde stammt aus dem Rheinland

Der gebürtige Rheinländer, Jahrgang 1959, studierte in Bonn Kunst und Geschichte. Seit 2002 lebt er mit seiner Familie in Falkensee und arbeitet in Spandau als Lehrer.

In Zukunft will er sich wieder mehr der Aquarell- und Ölmalerei widmen. „Sehr gern möchte ich auch kleine Plastiken herstellen aus Wachsmodellen, die dann in Bronze gegossen werden“, sagt er.

Seine nächste Ausstellung findet ab 27. Oktober in der Pariser Bibliothèque Colette Vivier statt. Mit zwei Französinnen zeigt Thomas van der Linde Druckgrafik aus Reims, Berlin und Paris. Die Wanderausstellung wird im Frühjahr 2019 in der Falkenseer Galerie Schneeweiß zu sehen sein.

Von Judith Meisner

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