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Falkensee Verschieden sein normaler machen
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00:24 30.09.2018
Justus (12) mit seiner Mutter Christine Plörer und dem neuen Familienzuwachs, Hündin Mina. Quelle: Tanja M. Marotzke
Falkensee

Hinter Christine Plörer und ihrer Familie liegt ein wahrer Spießrutenlauf. Lange vor ihrem Umzug nach Falkensee vor zwei Jahren machte sich die dreifache Mutter auf die Suche nach einer geeigneten Schule für ihre beiden Jüngsten. „Es folgten ernüchternde Gespräche, zahlreiche Anträge und das ewige Hin und Her zwischen Ämtern und Institutionen. Kurz vor Schulanfang stand dann trotzdem alles auf der Kippe“, so die Falkenseerin. Ihr Sohn Justus (12) hat das Asperger-Syndrom, eine Form von Autismus. Er ist hochbegabt, wird im Alltag jedoch leicht von Reizen überflutet und braucht eine spezielle Betreuung. „Ohne Einzelhelfer hätte Justus keine Schule besuchen dürfen, einen zu finden war jedoch eine Herausforderung. Hinzu kommt das ewige Suchen nach Ansprechpartnern und Zuständigen – das zu durchblicken hat gedauert“, sagt Christine Plörer.

Beirat neu benannt

Als Mitglied des Beirats zur Teilhabe von Menschen mit Behinderung, der am Mittwochabend in der Stadtverordnetenversammlung benannt wurde, hat sie sich viel vorgenommen, ebenso wie ihre sieben Mitstreiterinnen. Sie will für mehr Klarheit sorgen und ihre Erfahrungen weitergeben. „Zunächst soll eine Erhebung zeigen, wie viele Kinder mit einer Behinderung tatsächlich in Falkensee leben. Zudem wollen wir eine Initiative für Eltern sowie für Geschwisterkinder ins Leben rufen, die gibt es bislang nicht in Falkensee“, sagt Plörer. Ein Leitfaden für Eltern hat sich die Falkenseerin ebenfalls auf die Fahne geschrieben. „Eine Übersicht über Möglichkeiten, Beratungsangebote und Institutionen hätte uns damals sehr weitergeholfen. In Deutschland ist es viel komplizierter als beispielsweise in England oder Kanada – dort ist alles direkt in der Schule angesiedelt“, so Christine Plörer.

Unverständnis entgegenwirken

Dort habe es Rückzugsräume gegeben, hier würde ihr Sohn einfach auf den Flur gesetzt, sollte ihn das Klassengeschehen überfordern. Und dabei wäre es so wichtig, dass noch viel mehr Kinder mit einer Beeinträchtigung auf ganz normale Schule gingen. „Uns schlägt oft Unverständnis entgegen, die Menschen wissen nicht, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Lernen Kinder früh Behinderungen kennen, ist das eine Bereicherung für ihr späteres Leben.“

Beirat für Teilhabe von Menschen mit Behinderung neu bestätigt Quelle: Marlies Schnaibel

Die Belange, Bedürfnisse und Wünsche von Menschen mit Behinderung vertritt in Falkensee seit 2014 der Falkenseer Beirat für Teilhabe. In den vergangenen vier Jahren ist viel passiert: Die Stadtverordnetenversammlung zog in einen rollstuhlgerechten Raum um, viele Veranstaltungen werden mittlerweile von Gebärdensprachdolmetschern übersetzt, Stadtverordnete und Verwaltung sind für das Thema sensibilisiert. „Viele bauliche Barrieren wurden beseitigt, was nicht nur Menschen mit Behinderung zugute kommt. Auch ältere Leute mit Hackenporsche und die Mutter mit Kinderwagen profitieren davon“, sagt Angelika Falkner-Musial vom Beirat. „Wir bekommen Tipps oder machen eigene Erfahrungen wenn wir in Falkensee unterwegs sind. So kontrolliere ich zum Beispiel immer die Infotafel, wenn ich am Bahnhof bin“, sagt die seheingeschränkte 62-Jährige.

„Es ist normal verschieden zu sein“

„Wir wollen mehr Bewusstsein dafür schaffen, dass es normal ist verschieden zu sein. Ein großes Anliegen ist neben der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum außerdem die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs“, so Angelika Falkner-Musial weiter. Ein Bürgerbuskonzept für Falkensee, ähnlich dem in Brieselang oder Dallgow-Döberitz, wäre ein Schritt in die richtige Richtung. „Der ASB bietet zwar einen Fahrdienst an, hat aber keine Kapazitäten für Rollstuhlfahrer. Die haben aber schon Probleme in normalen Linienbussen, weil die neuen E-Rollis einfach zu groß sind.“

Neben Angelika Falkner-Musial und Christine Plörer gehören auch Silke Boll, Martina Dahms, Karin Klemme, Carola Szymanowicz, Kirstin Winkler und Constanze Schwede zum neu gewählten Beirat für die Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Von Laura Sander

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