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Falkensee Viel Arbeit, kaum Nachwuchs
Lokales Havelland Falkensee Viel Arbeit, kaum Nachwuchs
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02:23 19.05.2018
Thom Kalesse (17) aus Falkensee absolviert gerade ein Praktikum in der Möbelwerkstatt Kuhl. Quelle: Tanja M. Marotzke
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Nauen

Wer wissen will, wie es an der Basis aussieht, fährt am besten raus und macht sich selbst ein Bild. Genau so verfährt die Handwerkskammer Potsdam (HWK) seit vielen Jahren und besucht regelmäßig Mitgliedsbetriebe. Jetzt führte die Reise durchs Havelland. Und was die Kommission im abschließenden Gespräch in der Kreishandwerkerschaft in Nauen zu erzählen hatten , war fast durchweg positiv: „Bei allen Betrieben war eine gute Grundstimmung zu spüren“, sagte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der HWK.

Positive Grundstimmung bei den meisten Betrieben

Zunächst stand der Besuch beim Bestatter Nico Bierschenk aus Ketzin auf dem Programm. Der gelernte Tischler hat die Firma vor 15 Jahren gegründet und geht in seinem Beruf auch ungewöhnlichere Wege. So sind die Bestatterfahrzeuge nicht klassisch schwarz, sondern kommen auch schon mal in weinroter oder weißer Lackierung mit Airbrush-Schrift daher. Nach schwierigen Anfangsjahren ist die Firma in der Stadt mittlerweile fest verankert. Als gravierendes Problem sieht Bierschenk allerdings, dass er kaum Auszubildende findet.

Nachwuchs zu finden ist schwierig

Damit haben fast alle Handwerksbetriebe zu kämpfen, auch Fleischermeister Sven Gädecke aus Falkensee. Die Fleischerei in 3. Generation hat 30 Mitarbeiter, derzeit aber nur einen Fleischergesellen in Ausbildung. Gädecke könnte auch Veranstaltungskaufleute für den Catering-Bereich und Verkäufer ausbilden, allein es fehlt an (geeigneten) Bewerbern. Um das Unternehmen für Azubis noch attraktiver zu machen, hat er sogar ein paar möblierte Zimmer auf dem Betriebsgelände einrichten lassen.

Ein „Schnagelfest“ soll Kunden anlocken

Auch Gädecke gehört zu den innovativen Handwerkern: Er lockt die Kunden mit verschiedenen saisonalen Festen – unter anderem einem „Schnagelfest“, bei dem es Schnitzel und Spargel gibt – und mit moderner Technik: Mit dem neuen Kassensystem können können die Kunden ähnlich wie beim Parkautomaten im Parkhaus ihre Einkäufe selbst bezahlen.

Die Tischler aus Schönwalde-Glien sind Deutschland weit gefragt

Die Kuhl-Möbelwerkstatt in Schönwalde-Glien ist der einzige besuchte Betrieb, der keine Nachwuchssorgen hat. Wei bei anderen Tischlereien auch gibt es deutlich mehr Bewerber als freie Stellen. Bei Tischlermeister Christian Kuhl kann das auch daran liegen, dass er Möbel anfertigt, die Deutschland weit ihres gleichen suchen. Der Betrieb hat sich auf den Einsatz von Linoleum für Tischplatten und andere Oberflächen spezialisiert.

Malermeister Ingo Winkelmann aus Dallgow-Döberitz wirbt in seiner Firma aktiv um Lehrlinge, unter anderem, in dem er regelmäßig Ausbildungsmessen besucht und sich dort vorstellt. Außerdem will er das Gespräch mit der Direktorin der nahen Oberschule suchen, um auch dort bei den Schülern für das Maler- und Lackierer-Handwerk zu werben.

Regelmäßige Fahrt zu Ausbildungsmessen

Auch die Goldschmiedemeisterin Jaqueline Kämling in Falkensee wurde besucht (siehe Artikel unten auf dieser Seite), ebenso wie Brillen-Rasch der Optiker Marguerita und Bernd Müller in Nauen. Neben den neuesten Brillenmodellen folgt das Unternehmen noch einem weiteren Trend: Immer mehr Optiker lassen sich zu Optometristen weiterbilden, einer Berufsrichtung die neben dem Handwerk der Herstellung geeigneter Sehhilfen auch ein bisschen in den Bereich der Augenheilkunde hineinreicht.

Auch in der anschließenden Auswertung des Besuchstour waren sich die Mitglieder der Handwerkskammer einig, dass der Fachkräftemangel das größte Problem für das Handwerk ist. „Allein in Westbrandenburg gibt es noch 700 freie Ausbildungsplätze“, sagte Ralph Bührig. Um dem Nachwuchsmangel zu begegnen müsse sich das Handwerk auch für Schulabgänger öffnen, die vielleicht keine brillanten Noten mitbringen, aber trotzdem motiviert bei der Sache sind.

Gute Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen

Andererseits bietet das Handwerk aber auch Schülern mit guten Noten beste Voraussetzungen sich weiterzuentwickeln. Handwerker gehören schließlich zu den wenigen Berufsgruppen, die am Ende des Tages wirklich sehen können, was sie geschafft haben. Und die Möglichkeiten, sich später selbstständig zu machen, sind auch nicht schlecht.

Von Ralf Stork

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