Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Falkensee Wieviel Marx steckt im Havelland?
Lokales Havelland Falkensee Wieviel Marx steckt im Havelland?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:32 05.05.2018
In Nauen vereinen sich Marx und Engels zu einer Straße. Quelle: Andreas Kaatz
Havelland

„Nö“, sagt Norbert Gebauer, nach Karl Marx hat keiner gefragt. „Schon seit Jahren nicht“, fügt der Falkenseer Buchhändler an. Damals hätten ein paar Schüler das Kommunistische Manifest gesucht.

Interessanter Geschichtsphilosoph

Gut möglich, dass die vom Lise-Meitner-Gymnasium Falkensee kamen. Denn dort ist der berühmte Denker, der heute vor 200 Jahren geboren wurde, nicht vergessen. „Marx ist als Geschichtsphilosoph immer interessant und regelmäßig Teil des Unterrichts“, sagt Christian Michelsen vom Fachbereich Philosophie, „und dieses Interesse ist unabhängig vom Eventcharakter irgendwelcher Jubiläen.“

Kurze und lange Straßen

Öffentlich ist Karl Marx im Havelland durchaus zu finden – auf Straßenschildern. Gemeinsam mit Engels trägt eine kleine Straße in Nauen seinen Namen, das dazu angeschraubte Schild „Einbahnstraße“ lässt Raum für Interpretationen. Eine kleine Straße in Elstal, längere Straßen in Premnitz und Milow tragen seinen Namen. In Brieselang ist es eine vier Kilometer lange Straße, die nach Karl Marx heißt und quer durch den Ort führt, an ihr liegen Schule, Kirche und Landhotel.

In Finkenkrug befindet sich Karl Marx neben der Kirche. Quelle: Marlies Schnaibel

In Falkensee gibt es seit 1948 eine Karl-Marx-Straße, von dort hat man die evangelische Kirche von Finkenkrug genau im Blick. Diese Nähe zu Karl Marx stört Pfarrerin Anneliese Hergenröther nicht. Auch wenn Marx kein Kirchenfreund war und seine Kritik von der „Religion als Opium des Volks“ bis heute eine markante These ist.

Lesen bei Martin Luther King

Die Religion gibt es immer noch, auch wenn sie sich in der Gesellschaft vielleicht gewandelt hat. Seit Jahren ist die Zahl der Konfirmanden stabil, sagt Anneliese Hergenröther deshalb entspannt. Sie selbst hat sich vor kurzem indirekt mit Marx befasst. „Ich beschäftige mich intensiv mit Martin Luther King und der hat einiges zu Marx und dem Marxismus gesagt. Das spiegelt auch meine Meinung wider“, erzählt sie. Das Lesen von Marx hatte Martin Luther King überzeugt, „dass die Wahrheit weder im Marxismus noch im traditionellen Kapitalismus zu finden ist“.

Falkenseer Linke reden über Marx

Wie aktuell ist Marx? Dieser Frage gingen Freitagabend in Falkensee interessierte Besucher einer Gesprächsrunde nach, zu der die Linken der Stadt eingeladen hatten. Zu „Marx200“ wollten sie wissen, welchen Wert seine Werke für die Zukunft der Arbeitswelt in der digitalisierten Gesellschaft haben können.

Männer des Stadtverbandes der Linken in der Kreisstadt Rathenow fanden sich gestern mit Blick auf den 200. Geburtstag zu einer kleinen Gedenkveranstaltung am Karl-Marx-Platz ein. Es gab Blumen – rote Nelken waren auch dabei – für den linken Vordenker, niedergelegt am Denkmal. Der bekannte Rathenower Bildhauer Karl Mertens hatte das künstlerisch anspruchsvolle Werk 1969 geschaffen.

Mitglieder der havelländischen Linken haben am Karl-Marx-Denkmal in Rathenow aus Anlass des 200. Geburtstages von Karl-Marx einen Kranz niedergelegt Quelle: Markus Kniebeler

Künstlerisch nicht ganz so gelungen ist der Karl-Marx-Kopf von Falkensee. Er hat nach der Wende auf dem Hof des Stadtmuseums seinen Platz gefunden und wurde dort zum beliebten Fotomotiv bei Besuchern aus Ost und West.

Einst stand er am Hansaplatz, als dieser noch Platz der Freundschaft hieß. „Dabei waren an der Stelle ursprünglich Lenin und Stalin geehrt worden. Die Büsten waren am 5. Mai 1954 aufgestellt worden“, blickt Museumsleiterin Gabriele Helbig zurück. Nachdem Stalin jedoch politisch vom Sockel gestoßen wurde, kam schließlich Anfang der 1960er-Jahre Marx auf das Podest. Der Falkenseer Bildhauer Kurt Zobel hatte den Auftrag erhalten, er schuf den Kopf aus einer Art Betonguss.

Alte Postkarte: Einst stand dieser Karl Marx am Falkenseer Hansaplatz, als der noch Platz der Freundschaft hieß. Quelle: Marlies Schnaibel

Dieses Denkmal war Ort für eine große Kundgebung 1983 gewesen, als in der DDR ein Karl-Marx-Jahr begangen wurde. Der 100. Todestag des sozialistischen Klassikers war Anlass für sehr viele Veranstaltungen, die „Märkische Volksstimme“ hatte darüber berichtet: Etwa davon, wie Betriebe, Einrichtungen und Bürger aus Schönwalde den Karl-Marx-Platz verschönerten; heute gibt es diesen Namen nicht mehr. Die Brigade „60. Jahrestag“ der Konsum-Fleischverkaufsstelle Brieselang verpflichtete sich, an handelspolitischen Schulungen teilzunehmen und das Objekt an der Karl-Marx-Straße zu verschönern. Der Dramatische Zirkel Falkensee studierte ein Programm „Menschlich soll die Erde sein“ zur Marx-Ehrung ein. Die FDJ-Kreisorganisation rief zu einem Plakatwettbewerb auf. Das Elternaktiv der Falkenseer Lessingschule organisierte den Besuch des Trickfilms „Lieber Mohr“. Die DFD-Gruppe Friesack hieß „Jenny Marx“ und sprach auch über sie. Die Numismatiker aus Nauen kamen aus Karl-Marx-Stadt mit einer Bronzemedaille zurück. Es gab kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in dem nicht gemarxt wurde.

Besseres Verstehen von Marx und Engels

Heute ist es ruhiger um Karl Marx und sein Erbe geworden. Aber nicht ganz ruhig. Dafür sorgt auch der Falkenseer Volker Mueller. Vor wenigen Tagen ist sein neues Buch herausgekommen: „Wissen und Erkenntnis im Werden. Für ein besseres Verstehen von Marx und Engels“ hat er es genannt. „Das Buch richtet sich an die, die sich ohne ideologischen Ballast mit dem Thema befassen wollen“, sagt er. Für ihn wird Marx nie langweilig.

Von Marlies Schnaibel

Am Wochenende laden Ateliers der Region zum Besuch ein. Besonders viele sind es traditionell in Falkensee, wo die inzwischen landesweite Aktion vor 25 Jahren ihren Anfang nahm.

03.05.2018

Der Landkreis spendiert den Schulen Geld für zusätzliche technische Ausstattung. Den Löwenanteil erhält Falkensee – hier gibt es auch die meisten Schüler und Schulen.

03.05.2018

Petra Christ ist seit 40 Jahren Mitglied der Falkenseer Feuerwehr. Jüngst erhielt die Medaille für treue Dienste. Auch wenn sie nicht mehr aktiv an Einsätzen teilnimmt, unterstützt sie die Kameraden.

01.05.2018