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Falkensee: Trainer posiert mit Gewehr

Rechte Hetze auf Facebook Falkensee: Trainer posiert mit Gewehr

Ein mittlerweile ehemaliger Jugendtrainer des SV Falkensee-Finkenkrug teilte im sozialen Netzwerk Facebook monatelang Beiträge mit rechtem Inhalt, in denen Flüchtlinge unter anderem als „notgeile Asylanten“ bezeichnet wurden. Im Verein sorgen diese Beiträge allerdings nicht für Unruhe.

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Ein Fußballtrainer vom SV Falkensee-Finkenkrug steht in der Kritik. Er hatte über Monate rechte Beiträge im Internet geteilt.

Quelle: dpa

Falkensee/Potsdam.
Er posiert mit einem Luftgewehr, ein paar Meter vor einer Eisenbahnbrücke. Über diesem Foto im sozialen Netzwerk Facebook steht: „Mama sagte früher immer, Gewalt bringt dir nichts. Heute sage ich: richtig, legen wir sie gleich um!“ Diese Zeilen stammen von einem ehemaligen Jugendtrainer des SV Falkensee-Finkenkrug. Der Mann hatte das Foto, das ihn mit dem Gewehr zeigt, und den Text im August 2014 bei Facebook hochgeladen. Ein Informant hatte der MAZ Bildschirmfotos zugespielt, die diesen und andere Beiträge zeigen, die der Falkenseer seit dem vergangenen Sommer nach und nach veröffentlicht hatte.

Hetz-Texte gegen Asylbewerber

Der Trainer hat demnach auf seiner Facebook-Seite in den vergangenen Monaten etliche Hetz-Texte gegen Asylbewerber geteilt, in einem der Beiträge heißt es: „Nicht einmal kleine Mädchen sind vor notgeilen Asylanten sicher.“ Auch einen NPD-Link hatte er auf seinem Profil. Darin fordert die rechtsextreme Partei die sofortige Abschiebung aller kriminell gewordenen Ausländer. „Dafür muss man kein Nazi sein!“ hatte der Trainer zum Beitrag kommentiert.

Beim SV Falkensee-Finkenkrug sorgt das offenbar nicht für Unruhe. „Er hat sich im Verein nie etwas zu Schulden kommen lassen“, so die Vereinsvorsitzende Barbara Richstein. Man habe ihn zur Rede gestellt und er habe versichert, keine rechtsextremen Ansichten zu vertreten. Richstein indes verweist darauf, dass er bei Facebook auch mit einem vietnamesischen Mädchen befreundet sei. Gegenüber der MAZ bestätigte der Trainer, die Beiträge gepostet zu haben. Äußern will er sich aber nicht.

Nichts von den Facebook-Posts mitbekommen

Zwei FF-Funktionäre sind mit dem Trainer auf Facebook verbunden, hätten also die zweifelhaften Beiträge sehen können. Doch nach den Worten der Vorsitzenden Barbara Richstein hätten sie von den Facebook-Posts – 15 an der Zahl – nichts mitbekommen.

Der Falkenseer Stadtverordnete Norbert Kunz (Linke) hat die Bildschirmfotos gesehen. „Eine eklige Brühe aus Dummheit, Unwissen, Fremden- und Schwulenhass. Dazu eine Aufforderung zum Töten von Menschen.“ Dass die FF-Funktionäre keinen der Beiträge gesehen haben wollen, glaubt der Linke nicht. Der Verein müsse Konsequenzen ziehen. „FF ist ein Aushängeschild unserer Stadt. Wenn der Verein jetzt beschwichtigt, macht er es nur noch schlimmer.“ Kunz kritisiert auch die Tatsache, dass außer dem Jugendtrainer auch ein weiterer Funktionär des Klubs Mitglied in der Facebook-Gruppe „Nein zum Heim in Falkensee“ war. Eine Hetzseite, auf der sich auch NPD-Kader wie der Brieselanger Gemeindevertreter Frank Kittler tummeln. Im Zuge der Recherchen war der Funktionär plötzlich aus der Gruppe ausgetreten. Laut der Vereinsvorsitzenden Richstein habe der Falkenseer erklärt, nicht freiwillig in die Gruppe eingetreten zu sein. Zudem habe er die Seite nicht einmal gekannt und auch die Beiträge nicht gesehen. Im Gegensatz zum Jugendtrainer hatte sich der Funktionär, der sich vom Inhalt der Seite distanziere, nie an den Diskussionen in der Nein-zum-Heim-Gruppe beteiligt. Der Trainer indes hatte etwa die Meldung zur Errichtung eines Asylbewerberheims in Falkensee auf der Seite so kommentiert: „Lasst die da, wo sie herkommen! Die braucht hier keiner, scheiß Politik in Deutschland!“

Man habe eine gute Lösung gefunden

Frauke Postel vom Mobilen Beratungsteam Potsdam (MBT), das über Fremdenfeindlichkeit aufklärt, hat die Facebook-Beiträge des Jugendtrainers gesehen. Es gebe in der Gesellschaft einen hohen Anteil an fremdenfeindlichen Einstellungen, und das komme auch auf Vereinsebene zum Ausdruck. „Wenn fremdenfeindliche oder homophobe Ansichten so massiv vertreten werden, muss man reagieren.“ Und das, sagt Frauke Postel, sei geschehen. Man habe eine gute Lösung gefunden. Ob das MBT an dieser „Lösung“ beteiligt gewesen sei, wollte Postel nicht sagen. Auch, welche Lösung gefunden wurde, ließ sie offen.

Nach Angaben des Vereins hat sich das Problem quasi von selbst erledigt. Die Vorsitzende Barbara Richstein teilte mit, dass der Trainer sein Amt aus freien Stücken niedergelegt habe, ab der kommenden Saison sei er nicht mehr dabei. Allerdings, so betont Richstein, habe das nichts mit den Vorwürfen gegen ihn zu tun. Es werde nur eine weitere Jugendmannschaft gegründet, und darauf habe der Trainer keine Lust.

Von MAZonline

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