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Falkenseer Geschichte zum Anfassen

Falkensee Falkenseer Geschichte zum Anfassen

Fotos der Fotografin Hanni Schimmel sowie weitere Exponate – vom Zirkel bis zum Blutdruckmessgerät – gehören neuerdings zum Fundus des Heimatmuseums. Jetzt wurden die Neuzugänge von Museumsleiterin Gabriele Helbig der Öffentlichkeit präsentiert – verbunden mit interessanten Geschichten.

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Vor gut 70 Zuhörern stellt Gabriele Helbig die Neuzugänge des Museums vor.

Quelle: Carsten Scheibe

Falkensee. Fünfzig Personen passen normalerweise in die Galerie des Falkenseer Museums. Am Freitagabend mussten noch jede Menge zusätzlicher Stühle herangeschafft werden, denn der Andrang war gewaltig. Neben Landrat Roger Lewandowski und der CDU-Fraktionsvorsitzenden Daniela Zießnitz sind es vor allem die älteren Bürger der Stadt, die einen Abend lang in die eigene Vergangenheit abtauchen möchten.

Nur einmal im Jahr laden Gabriele Helbig und Bert Krüger zum Abend „Fundus mit Geschichte(n)“ ein. Dann präsentieren sie gut zwei Stunden lang Falkenseer Historie zum Anfassen und erklären die Neuzugänge des Museums, zu denen oft aufregende und längst vergessene Geschichten gehören. Auf dem Tisch neben dem Rednerpult stapeln sich auch diesmal die Exponate und wecken Neugierde.

Zu jedem Stück wissen die beiden Vergangenheitsexperten etwas Spannendes zu berichten. Beeindruckend sind vor allem die historischen Bögen, die sich zwischen den Exponaten spannen lassen. Da wurden im Museum etwa in Sütterlin geschriebene Briefe aus dem 1. Weltkrieg abgegeben, die der besorgte Vater aus Seegefeld 1915 an den Sohn Willi Schimmel per Feldpost ins Leichtkrankenhaus geschickt hat. Just zu dieser Familie gehörte auch – eine Generation später – die in Falkensee sehr bekannte Fotografin Hanni Schimmel. Gabriele Helbig: „Hanni Schimmel hat früher jeden im Ort fotografiert, viele kennen noch ihr kleines Ladengeschäft. Wir haben nun eine große Sammlung ihrer Fotografien erhalten. Wichtiger ist noch ein ausführlicher Lebenslauf von Hanni Schimmel. Niemand hätte diese Geschichte hinter dieser Frau vermutet, aber hier steht geschrieben, wie die Familie Schimmel in der Nazizeit darunter leiden musste, dass der Vater Jude war und in der Kristallnacht ins KZ verschleppt wurde – lange, nachdem die elterliche Fleischerei enteignet wurde.“ Als so genannter Mischling 1. Grades habe Hanni Schimmel auch nie ihren Lebenswunsch verwirklichen und Innenarchitektin werden dürfen.

Die Geschichte, sie lebt in den Exponaten. Und oft scheint staatliche Drangsalierung durch. So auch in einer Belehrung des Direktors der Friedrich-Engels-Schule vom 9. März 1978, in dem die Lehrer der Schule darauf aufmerksam gemacht werden, dass immer mehr Schüler verbotenerweise Symbole der NATO-Staaten auf der Kleidung tragen, darunter die Flagge der USA oder der Bundesadler: „Die Pädagogen sind verpflichtet, sofort einzugreifen.“

In Falkensee wohnte auch der 1991 verstorbene Dr. Dr. Paul-Gerhardt Seeger, dessen Nachlass das Museum sogar aktiv angekauft hat. Bert Krüger: „Der Falkenseer Arzt hatte um 1945 herum eine Praxis im Ort. Er hat sich intensiv um die Krebsforschung bemüht, war zwei Mal für den Nobelpreis nominiert und hat mit vielen internationalen Größen wie Albert Schweitzer korrespondiert.“ Da der Arzt und Forscher seine Meinung und Kritik nicht verbarg, eckte er mehrfach mit dem DDR-Regime an und führte am Ende ein isoliertes Leben. Bert Krüger: „Man versuchte sogar, die Fachzeitschriften aus dem Westen zu beschlagnahmen, die ihm per Post zugeschickt wurden.“

Zum Glück finden sich in den Museums-Neuzugängen auch vergnügliche Entdeckungen. Wie etwa ein Zirkel aus dem „Gerätebau Brieselang“. Gabriele Helbig zeigt sich nostalgisch erstaunt: „Diese Zirkel hat doch damals jeder in seiner DDR-Schulzeit benutzt. Sie haben schon damals nicht funktioniert!“

Von Carsten Scheibe

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