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Falkenseer Helferin mit Leib und Seele

Ehrenamt im Havelland Falkenseer Helferin mit Leib und Seele

Seit fast zehn Jahren engagiert sich Maria Selent im Notfallseelsorgeteam des Landkreises Havelland. In den meisten Fällen betreut sie Angehörige, die plötzlich und unerwartet einen Menschen verloren haben. Für ihr Engagement wurde Maria Selent mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises ausgezeichnet.

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Maria Selent

Quelle: Danilo Hafer

Falkensee. Auf dem Schreibtisch von Maria Selent, im katholischen Gemeindezentrum St. Konrad in Falkensee, kleben viele kleine Zettel. Jeder einzelne ist mit einer Notiz versehen. So hat sie alle Termine immer fest im Blick. Seit fast zehn Jahren arbeitet die gebürtige Hennigsdorferin nun schon als Gemeindereferentin in Falkensee. Doch wenn das Telefon klingelt und die Leitstelle der Polizei sie zu einem Einsatz ruft, muss Maria Selent ihren Alltag verlassen und die eigenen Pläne hinten anstellen. Denn seit 2007 ist die 60-Jährige eines von derzeit 12 ehrenamtlichen Mitgliedern des Notfallseelsorgeteams im Havelland. Sie werden immer dann gerufen, wenn Angehörige von Opfern Unterstützung brauchen. Für ihr Engagement wurde sie im März mit dem Ehrenamtspreis des Landkreises ausgezeichnet.

„In 99,5 Prozent der Fälle haben wir es mit dem Tod zu tun“, sagt Maria Selent. Vor allem dann, wenn ein Mensch plötzlich und unerwartet stirbt, werde das Notfallseelsorgeteam alarmiert. „Wir kümmern uns dann als erste um die Angehörigen, denn in den meisten Fällen hat niemand mit dem Tod gerechnet.“ Wichtig sei dann, die Menschen nicht alleine zu lassen und mit ihnen zu reden. „Wir können ihnen das Leid nicht wegnehmen, aber wir können für sie da sein.“

Vor allem die Frage nach dem „Warum“ beschäftige viele Angehörige. Es gebe aber immer wieder Menschen, an die selbst Maria Selent nach solch einem einschneidenden Erlebnis nur schwer herankommt. Manchmal würden sich die Angehörigen sehr verschließen und erstmal niemanden an sich heranlassen. Dann brauche man besonders viel Geduld. „Wir bleiben aber immer so lange, bis ein weiterer Verwandter oder Vertrauert vor Ort ist und wir das Gefühl haben, die Person ist erstmal gut versorgt“, so Maria Selent. Wichtig sei, dass die Angehörigen in der ersten Nacht nicht alleine gelassen werden.

Immer wieder kommt es auch vor, dass das Notfallseelsorgeteam die Polizei bei der Überbringung einer Todesnachricht begleitet. „Die Polizei überbringt ja erstmal nur die Nachricht, wir helfen dann dabei diese zu verarbeiten“, sagt Maria Selent. Neben der seelsorgerischen Arbeit berät das Notfallseelsorgeteam die Angehörigen auch bei ganz praktischen Dingen. Denn viele wüssten nicht, was nach dem Tod eines Menschen zu tun ist. „Wir helfen dann bei den Formularen und erklären die nächsten Schritte.“ Denn auch über bestimmte Dinge, wie ein Testament würden zu Lebzeiten immer weniger Menschen nachdenken.

Oft ist es auch für Maria Selent und ihre Kollegen nicht einfach, das Erlebte zu verarbeiten. Manche Ereignisse würden sich einfach einbrennen. „Ich kann mich auch heute noch genau an meinen ersten Fall erinnern“, sagt sie. Das entscheidende sei aber, die Fälle nicht mit nach Hause zu nehmen. „Wir achten sehr darauf, unsere Familien nicht zu belasten.“ Wenn es geht, treffe sie sich gerne mit einem Kollgen, um über das Erlebte zu sprechen. Viermal im Jahr gebe es zudem eine Supervision, in der die Erfahrungen ausgetauscht und aufgearbeitet werden können. Vor ihrer Tätigkeit im Havelland war Maria Selent bereits als Notfallseelsorgerin im Landkreis Oberhavel im Einsatz. Dort baute sie das Seelsorgeteam seit 1998 auf. Ans Aufhören denke sie – trotz allem, was sie seither in ihrem Ehrenamt erlebt hat – nicht. Maria Selent: „Ich bin mit Leib und Seele hier.“

Von Danilo Hafer

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