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Ein Fest für die Geschichtsbücher

Erinnerung an den ersten Tag der Deutschen Einheit in Rathenow Ein Fest für die Geschichtsbücher

Vor 25 Jahren fand in Rathenow das erste Fest zum Tag der Deutschen Einheit statt. Gefeiert wurde in der Lutherkirche, im Kulturzentrum und vor allem auf den Straßen rund um das Rathaus in der Jahnstraße. 1000 Gäste aus Rathenows Partnerstadt Rendsburg waren gekommen, um ihre neuen Freunde im Osten kennen zu lernen.

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Große Gedränge herrschte auf den Straßen rund um das Rathaus in der Jahnstraße.

Quelle: Ralf Kuberski

Rathenow. Wenn Hans-Jürgen Lünser sich an den 3. Oktober 1990 erinnert, dann gerät er ins Schwärmen. „Das ist einer der Tage im Leben, die man nie vergisst“, sagt er. Für die Stadt Rathenow aber auch für ihn persönlich sei das erste Fest zur Deutschen Einheit ein erinnerungswürdiges Datum sagt der Mann, der als Bürgermeister der Stadt Rathenow großen Anteil hatte an der Organisation der Feierlichkeiten.

Wenn man heute die Fotos von damals betrachtet, dann ahnt man, dass an jenem Mittwoch vor 25 Jahren nicht irgendeine Stadtparty gefeiert wurde. Dazu ist schlicht und einfach viel zu viel los. Über die Jahnstraße vor dem ehemaligen Rathaus wälzte sich ein Menschenstrom, auf dem angrenzenden Lutherplatz und auf der Feierabenallee herrschte großes Gedränge, und der Innenhof der Brauerei glich einem Heerlager. Als Lünser dort das zur Feier des Tages spendierte 70-Liter-Freibierfass anschlug, wurde geklatscht und gejohlt wie im Fußballstadion.

Gottesdienst zum Auftakt der Feierlichkeiten

Angefangen hatte die Party aber ganz ernst und seriös – mit einem Gottesdienst in der Lutherkirche. „Es war das erste und einzige Mal, dass ich von einer Kanzel geredet habe“, erinnert sich Lünser. Aber in der Wendezeit seien sich Kirche und Staat nun mal näher gekommen als je zuvor.

Der  damailge Bürgermeister Hans-Jürgen Lünser nach dem Anstich des Freibierfasses

Der damailge Bürgermeister Hans-Jürgen Lünser nach dem Anstich des Freibierfasses.

Quelle: Ralf Kuberski

Nach diesem festlichen Auftakt stieg die Straßenparty. Vereine, Schulen, Parteien, Gewerbetreibende, Privatleute hatten Stände aufgebaut, es gab reichlich zu essen und zu trinken, Musikgruppen und Blaskapellen sorgten für Stimmung, und die Temperatur spielte auch mit. „Kaiserwetter“, erinnert sich Lünser. Die Frau des Bürgermeisters von Rendsburg sei den ganzen Tag in kurzen Hosen herumgelaufen.

Apropos Rendsburg. Die Bürger der Rathenower Partnerstadt spielten bei den Feierlichkeiten keine unerhebliche Rolle. Erst vier Monate zuvor, im Juni 1990, hatten die Oberhäupter der beiden Städte den Partnerschaftsvertrag unterschrieben. Die Einheitsfeier war für die Bürger beider Städte die erste Gelegenheit, sich kennen zu lernen. Und die nutzten sie. Rund 1000 Rendsburger hatten sich früh am Morgen auf den Weg nach Rathenow gemacht, 13 Sonderbusse brachten sie in den damals unbekannten Osten.

Politischer Schulterschluss im Blauen Saal

Mit dabei war fast das gesamte Rendsburger Stadtparlament. Am Nachmittag kam es im Blauen Saal des Kulturhauses zum politischen Schulterschluss. In einer gemeinsamen Sitzung mit den Rathenower Stadtverordneten wurde die Partnerschaft durch den Austausch der Stadtfahnen besiegelt – große Gesten, große Emotion. Selbst Lünser, der sich in seiner politischen Karriere den Ruf erarbeitet hatte, ein „harter Hund“ zu sein, konnte seine Rührung nur schwer verbergen. „Ich habe während meiner Ansprache ein paar mal geschluckt“, gibt er zu.

Musikgruppen und Blaskapellen sorgten auf den Straßen für Stimmung

Musikgruppen und Blaskapellen sorgten auf den Straßen für Stimmung.

Quelle: Ralf Kuberski

Bei der Party auf der Straße verwandelte sich die Rührung schnell zurück in Fröhlichkeit. „Die Leute haben getanzt und gesungen, viele lagen sich in den Armen, es war eine einzige Harmonie“, so der Ex-Bürgermeister. Die Stimmung sei so unbeschwert gewesen wie nie wieder. Von den Belastungen des Einigungsprozesses, die später manchen Freude trübten, sei damals noch nichts zu spüren gewesen.

„Es war nicht das größte Fest, das Rathenow erlebt war, und es war nicht das spektakulärste“, sagt Lünser heute. „Aber es war das mit Abstand schönste. So etwas haben wir später nie wieder hingekriegt.“

Klassik am Feiertag

Der Tag der Deutschen Einheit wird in diesem Jahr im Havelland musikalisch begangen.

Am Vorabend des Einheitstages findet im Theatersaal des Rathenower Kulturzentrums ein klassisches Konzert statt. Auf dem Programm stehen Franz Schrekers „Kammersinfonie“ und Beethovens „9. Sinfonie“.

Am 3. Oktober wird in Schloss Ribbeck Antonio Vilvaldis Orchesterstück „Die vier Jahreszeiten“ erklingen, dargeboten vom Ensemble „Amadeus Consort Salzburg“.

 

Von Markus Kniebeler

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