Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 2 ° Regenschauer

Navigation:
Feuerwehr wird 90 Jahre alt

Tietzow Feuerwehr wird 90 Jahre alt

Anlässlich des 90-jährigen Bestehens ihrer Feuerwehr laden die Tietzower für den 10. Juni zu einem Fest in ihr Dorf ein. Vorgestellt wird an dem Tag auch Technik, darunter das Einsatzfahrzeug der Tietzower. Im Laufe der Jahrzehnte hatten die Kameraden immer wieder mit Scheunen-, Stall- und Strohmietenbränden zu kämpfen.

Voriger Artikel
150 Kita-Plätze fehlen bis Jahresende
Nächster Artikel
Erfolgsmodell Praxislernen

Ortswehrführer Björn Manthei (l.) und sein Stellvertreter Christian Hartlep mit dem Tietzower Einsatzfahrzeug.

Quelle: Andreas Kaatz

Tietzow. Richtig große Einsätze gab es für die Feuerwehr in Tietzow nach der Wende nur wenige. An einen kann sich Björn Manthei, seit einem Jahr Wehrleiter, noch gut erinnern. „2004, da brannte der Kuhstall. Es war mein erster Einsatz als Gruppenführer, frisch von der Schule“, weiß der 36-Jährige. Die Tiere waren aus dem Gebäude schon raus. Offenbar hatte sich das Feuer bei Bauarbeiten entzündet. „Der Stall brannte völlig runter.“

Seit nunmehr 90 Jahren sorgen die Tietzower Kameraden ehrenamtlich dafür, dass die Einwohner ruhig schlafen können. Ein Jubiläum, das am Sonnabend, 10. Juni, groß gefeiert werden soll. Um 10 Uhr geht es mit einem großen Umzug durchs Dorf los. Zahlreiche befreundete Wehren – und anderem aus dem Nauener Bereich und aus Wansdorf – sind eingeladen. Die Börnicker werden zudem zeigen, wie man bei einem Verkehrsunfall mit Schere und Spreizer ein Auto zerlegt, um die Insassen zu retten. „Wir wollen an dem Tag aber auch einen Spaßwettkampf Löschangriff nass machen“ verrät der Wehrleiter. Wie der genau ablaufen wird, ist aber noch ein Geheimnis.

Stolz werden die Kameraden an dem Tag auch wieder ihr Einsatzfahrzeug präsentieren, ein TSF-W. Seit 2011 haben sie es im Bestand. Das Auto löste damals den betagten W 50 ab, den die Tietzower 1996 aus Berlin-Marzahn bekamen. Da hatte das Löschfahrzeug aber auch schon 22 Jahre auf dem Blech. Immer wieder musste dran geschraubt werden, selbst einmal am Herrentag. Trotzdem gab man ihn schweren Herzens ab. Geblieben ist von ihm nur das Graffito an der Trafostation neben dem Depot, mit dem der Energieversorger dem W 50 ein kleines Denkmal gesetzt hat.

Das Fahrzeug war aber erst das zweite für die Tietzower Wehr. Davor gab es noch den uralten S 4000 aus Falkensee, der trotz seines hohen Alters für den früheren Wehrleiter Hans-Jürgen Reckin einen technischen Quantensprung darstellte. „Von Schieben auf Motorisierung“, meint er schmunzelnd. Denn bis 1990 gab es in Tietzow nur den Anhänger mit der Tragkraftspritze, der im Einsatzfall hinter einen Personen-W 50 der LPG gehängt wurde. Dieser stand in einem kleinen Gerätehaus an der Kirche. Länger als ursprünglich geplant. „Das Milchkühlhaus sollte schon 1974 zum Gerätehaus umgebaut werden, aber dann fehlte es an Material“, erinnert sich Reckin, langjähriger Kreisbrandmeister im Havelland. Dann, nach der Wende, ging es endlich los. Mit Fördermitteln für Heizung, Fenster und anderes wurde das Projekt erneut – und diesmal erfolgreich – angegangen. „Zum größten Teil wurde das Haus in Eigenleistung umgebaut“, sagt er.

Mehr als 15 Jahre war Reckin zu DDR-Zeiten Wehrleiter in Tietzow, kann sich noch an drei große Brände erinnern. „1979 brannte eine riesengroße Scheune. Da hatten wir Unterstützung aus den Nachbarorten bekommen, unter anderem aus Kienberg und Börnicke“, sagt er. Wie sich hinterher herausstellte, war es Brandstiftung, ebenso wie bei einem Stallbrand 1981 auf einem Privatgelände. Auch darüber hinaus wurden die Kameraden immer wieder mal zu Scheunen- und Strohmietenbränden gerufen.

Die Feuerwehr hat seit jeher einen großen Stellenwert im Dorf, auch über das Einsatzgeschehen hinaus. Sie tut etwas fürs Gemeindeleben, organisiert zum einen Feste und hilft des Weiteren bei anderen Veranstaltungen mit. Dazu trägt seit mehr als 15 Jahren auch der Förderverein der Feuerwehr bei.

Derzeit hat die Tietzower Wehr 17 aktive Kameraden, darunter vier Frauen, die acht bis zehn Einsätze pro Jahr zu verzeichnen haben. Geht es nach Björn Manthei, könnten ruhig noch mehr Einwohner der Feuerwehr beitreten. Wie auch anderenorts hat sie nämlich Nachwuchsprobleme. „Früher war es selbstverständlich, in die Feuerwehr zu gehen. Doch die Freizeitmöglichkeiten sind heute vielfältiger“, sagt Reckin. Für Björn Manthei war dies indes keine Frage. Sein Vater ist in der Wehr und er selbst war schon dabei, bevor er 16 wurde. „Früher waren alle Jugendlichen in der Feuerwehr, wenn auch manche nicht sehr lange“, sagt er. Vor zehn Jahren gab es noch 20 aktive Kameraden. Immerhin so viele wie zur Gründung im Jahre 1927. Allzu viel mehr ist von der Gründungszeit der Wehr aber nicht überliefert.

Von Andreas Kaatz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg