Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Film ab: Kolumbus auf der Havel

Falkensee Film ab: Kolumbus auf der Havel

Schönwalde im Sommer 1978 – die Dreharbeiten zum Film „Ein Kolumbus auf der Havel“ sind im vollen Gange: Hans Kratzert, der Regisseur, erinnert sich an die Aufnahmen vor 38 Jahren. Gedreht wurde auf der Havel. Zum Start der Sommerferien ist der Flussfilm im Falkenseer Museum wiederzuentdecken. Zu sehen ist er dort am Donnerstag, 28. Juli, ab 10 Uhr.

Voriger Artikel
Theatertrio lässt die Puppen tanzen
Nächster Artikel
Nauen bekommt doch keine Riesen-Windräder

Schiff ahoi: Szene aus dem Film, der auch in Schönwalde-Glien gedreht wurde.

Quelle: Screenshot/Icestorm

Falkensee. Schönwalde im Sommer 1978 – die Dreharbeiten zum Film „Ein Kolumbus auf der Havel“ sind im vollen Gange: Urlaub, Sonne, Segelboot und eine Familie ohne große Segelkenntnisse, das sind die Zutaten des Films, der sich schnell zum Abenteuer entwickelt. Hans Kratzert, der Regisseur, erinnert sich an die Aufnahmen vor 38 Jahren. Gedreht wurde auf der Havel: „Kein Meter Film entstand im Atelier – auch ein kleines Abenteuer für das Drehteam“, erzählt er. Zum Start der Sommerferien ist der Flussfilm in der Galerie des Falkenseer Museum wiederzuentdecken. Der Regisseur wird zur Vorführung kommen. Es ist kein weiter Weg für ihn – er lebt mit seiner Frau seit 16 Jahren in Falkensee.

Nana träumt vom eigenen Segelboot

Das ist die Handlung des Films: Das elfjährige Mädchen Nana (wunderbar lebendig von Susanne Schulze gespielt) träumt so sehr von einem eigenen Segelboot. Zu gerne würde sie die Sommerferien auf dem Wasser verbringen und Abenteuer erleben! Ganz wie der berühmte Kolumbus – der ja bekanntlich am Ende seiner großen Reise Amerika entdeckte. Doch ihre Mutter Gerda, gespielt von Ursula Werner – 2008 mit großem Erfolg in der Hauptrolle von Andreas Dresens Film „Wolke 9“ zu sehen – hat ganz andere Pläne.

Ein schickes Hotel in Bratislava sollte es schon sein. Doch der Tochter gelingt es nach einiger Überzeugungsarbeit, ihre Eltern umzustimmen. So stecken sie ihr Erspartes in ein altes reparaturbedürftiges Segelboot namens „Pütz“ – der seemännische Name für einen (alten) Eimer. Doch für Vater und Tochter ist es weit und breit das schönste Boot. Es gibt viel zu reparieren, und so brechen unruhige Tage an, bevor die Pütz auf der Havel in Potsdam in See stechen kann: Ziel ist die Müritz.

Es wird ein turbulenter Urlaub

Es wird eine turbulenter Urlaub, nicht zuletzt, weil die Segelkenntnisse des Vaters Oskar (Dieter Wien, auch bekannt aus Polizeiruf 110 und Tatort) erst wieder aufgefrischt werden müssen. Es gilt, eine Schleusenfahrt in Schönwalde, ein Leck und ein großes Unwetter auf der Müritz zu überstehen… Ganz nebenbei schließt Nana eine große Freundschaft – so viel sei schon verraten.

Aber nochmal auf Anfang: die ersten Drehtage mit Start in Potsdam waren geglückt. Jetzt galt es eine knifflige Schleusenfahrt in Schönwalde auf dem Kanal des Friedens (heute Havelkanal) aufzunehmen. Alles war vorbereitet, sogar ein polnisches Frachtschiff mit drei Mann Besatzung kam pünktlich zu den Dreharbeiten herbei geschippert – ganz wie von Peter Abraham in seiner liebenswürdigen Buchvorlage beschrieben. Doch kein „Action“ ging Hans Kratzert über die Lippen. Stattdessen erhielt der Kraftfahrer des Filmteams vorerst die tragende Rolle. Warum? „Es waren nicht die passenden Kostüme der vorher abgedrehten Szenen am Set“, erzählt der 76-jährige Regisseur ganz entspannt mit einem Schmunzeln. Damals zählte jede Stunde. Der polnische Frachter war nur für einen Tag bestellt. Doch der eilig zum Filmstützpunkt nach Werder losgeschickte Fahrer verliert auf dem Hin- und Rückweg kostbare Zeit, musste lange an der geschlossenen Schranke am Falkenseer Bahnhof warten. Die Unterführung gab es noch nicht. Sie entstand erst nach der Wende.

Langer Drehtag an der Schleuse Schönwalde-Glien

Es wurde ein langer anstrengender Drehtag in Schönwalde. Doch am Ende glückten alle Szenen – mit den richtigen Kostümen – und so dampfte der polnische Frachter am nächsten Tag wieder gen Heimat. Auch für die Pütz ging es weiter. Oskar, Nana und Co. setzten die Segel Richtung Müritz. Für Hans Kratzert und sein Filmteam folgten weitere erlebnisreiche Drehtage – insgesamt vier Wochen. Kratzert denkt gern daran zurück und ist immer noch froh, das beim Dreh auf dem Wasser und bei „Wind und Wetter“ neben kleineren Blessuren keiner wirklich Schaden nahm. Ironie der Geschichte. Kurt Böwe, der damals schon erfolgreiche Theater- und Filmschauspieler – später dem gesamtdeutschen Publikum in seiner Rolle als Kommissar Groth in der Fernsehserie Polizeiruf 110 bekannt – bedurfte besonderer Fürsorge in der Rolle als Freund von Nanas Vater Oskar. Hans Kratzert formuliert diplomatisch „Böwe drehte lieber an Land, das Wasser war seine Sache nicht“, und so musste immer jemand in der Nähe sein, um ihn im Notfall aus dem Wasser zu fischen.

Zur Person Hans Kratzert

Hans Kratzert (1940), der Regisseur von „Ein Kolumbus auf der Havel „, studierte ab 1960 an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Ab 1967 steht er in eigener Regie hinter der Kamera.

In der Folge entstehen zahlreiche Spielfilme. Zunächst für Erwachsene, u.a. der Kriminalfall „Mord am Montag“ (1967) und der Indianerfilm „Tecumseh“ (1972) mit Gojko Mitic. Dann konzentriert er sich ganz auf den Kinder- und Jugendfilm in der DDR. Zu seinen erfolgreichsten Kinderfilmen zählen u.a. „Wir kaufen eine Feuerwehr“ (1970) mit Erwin Geschoneck, „Hans Röckle und der Teufel“ (1974) gespielt von Rolf Hoppe – letztes Jahr auf der 5. Falkenseer Open-Air-Kino-Sommernacht zu sehen.

„Der Drache Daniel“ (1990) ist der letzte große Film von Hans Kratzert. Auch hier verbindet er gekonnt die Phantasiewelt der Kinder mit ihrem Alltag. Mit dem Ende der DDR wird auch die DEFA abgewickelt, für die er die meisten seiner Filme drehte. Es ist das berufliche Aus – ein Einschnitt der nachwirkt.

Aber es musste weitergehen und so entstanden als Auftragsarbeiten u.a. kleinere Dokumentarfilme und Reportagen über die Region Brandenburg. Mitte der 1990er Jahre war er auch mit der Kamera in Falkensee unterwegs. Der Auftrag lautete die Mitarbeiter im Herlitzwerk zur Wiedervereinigung zu befragen – kein leichtes Unterfangen.

Die Reportage wurde offenbar nie ausgestrahlt – weil als zu aufwühlend, zu schwierig bewertet. Umso interessanter aus heutiger Sicht. Auch hier lohnt eine Wiederentdeckung.

„Ein Kolumbus auf der Havel“ läuft am Donnerstag, dem 28. Juli, um 10 Uhr im Museum und Galerie Falkensee, Falkenhagener Straße 77. Der Film ist die „kleine“ Variante zur diesjährigen 6. Falkenseer Open-Air-Kino-Sommernacht mit dem DEFA-Kultklassiker „Die Legende von Paul und Paula“ im August.

Für den Film „Ein Kolumbus auf der Havel“ zahlen Kinder 0,50 Euro und Erwachsene 1 Euro. Um Anmeldung im Museum wird gebeten unter Tel. (03322) 2 22 88 oder per E-Mail: museum-galerie@falkensee.de.

Der unterhaltsame Kinderfilm kam Ende 1978 ins Fernsehen der DDR und fand auch später immer wieder seine Zuschauer. Dass Hans Kratzert die liebenswerte Geschichte verfilmte, ist auch eine schöne Anekdote und sei deshalb kurz erzählt. Normalerweise suchte Kratzert seine Filmstoffe selbst. Diesmal kam alles auf ihn zu. So klingelte es im Frühjahr 1978 eines Abends bei der Familie Kratzert an der Potsdamer Haustür. Davor stand Peter Abraham, einer der erfolgreichsten Kinderbuchautoren der DDR („Das Schulgespenst“). Dabei hatte er sein 1975 erschienenes Kinderbuch „Ein Kolumbus auf der Havel“ und die Idee, es doch mal mit einer Verfilmung zu probieren. Da käme nur einer in Frage – Hans Kratzert. „Wir kannten uns vom Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam Babelsberg“ erzählt der Regisseur.

Regisseur und Autor waren sich schnell einig

Peter Abraham wirkte später als Dramaturg beim Fernsehen der DDR und ab 1976 als Redeakteur und Kritiker in Berlin. So war ihm nicht entgangen, wie erfolgreich und einfühlsam Hans Kratzert Kinderfilme drehte, von denen einige auch auf der Berlinale liefen. Hans Kratzert fand den „Kolumbus“ wunderbar: „So eine kleine, liebenswerte Geschichte hatte ich schon länger im Hinterkopf“. Jetzt brauchte er nur noch zugreifen und loslegen – beide einigten sich schnell. Wenig später begann der Regisseur gemeinsam mit dem Kameramann Ralf Neubert ein Drehbuch zu schreiben. Peter Abraham begleitete die Arbeit daran und besuchte später hin und wieder die Dreharbeiten. Er soll mit dem Ergebnis sehr zufrieden gewesen sein. Hans Kratzert ist es noch heute und freut sich auf die Filmvorführung im Falkenseer Museum. Er wird kommen und von den Dreharbeiten erzählen. Und dann heißt es: „Licht aus, Film an!“

Von Bert Krüger

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg