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Havelland Film über Transsexualität will Tabus brechen
Lokales Havelland Film über Transsexualität will Tabus brechen
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17:43 22.02.2016
Kulturwissenschaftlerin Sabine Meyer aus Berlin diskutierte nach dem Film mit den Zuschauern. Quelle: foto: Uwe Hoffmann
Rathenow

Gerade ist in der Hauptstadt die 66. Berlinale zu Ende gegangen – ein besonderes Erlebnis für Film-Enthusiasten und Fans, die in Diskussionsrunden nach den Filmen mehr erfahren wollten. Am Sonntagabend lud das „Haveltor Kino“ zu einer besonderen Vorführung des Films „The Danish Girl“ mit anschließender Diskussion mit der Kulturwissenschaftlerin Sabine Meyer ein. Die gebürtige Rathenowerin ging 1998 nach dem Abitur zum Studium nach Berlin. An der Humboldt-Universität promovierte sie als Skandinavistin und arbeitet als selbstständige Kulturwissenschaftlerin in Berlin. „Mit dem Thema Transsexualität beschäftige ich mich schon seit sieben Jahren“, sagte sie. „Während eines Auslandssemesters in Dänemark bin ich über Lili Elbe eher zufällig gestolpert.“ Lili Elbe wurde 1882 in Dänemark als Einar Wegener geboren, der als Maler arbeitete. Lili Elbe war eine der ersten transsexuellen Menschen, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Nach dem ersten Eingriff in Berlin 1930 starb sie 1931 an den Folgen der dritten Operation in der Frauenklinik in Dresden.

Als Beraterin beim Film dabei

„Als ich nach der Premiere des Films in Berlin Anfang Januar eine schlechte Kritik beim DeutschlandRadio hörte, fragte ich Christel Schneewind vom ‚Haveltor-Kino’ ob sie den Film auch zeigt“, erzählt Heidi Granzow aus Rathenow und empfahl ihr als mögliche kompetente Gesprächspartnerin zur Filmvorführung Sabine Meyer. „Sabine und meine Tochter Juliane gingen zusammen zur Schule.“ „Produzentin Gail Mutrux war schon an ‚Rain Man’ (1988) beteiligt und zieht zu ihren Filmen immer wieder wissenschaftliche Berater zu Hilfe“, so Sabine Meyer, die zu „The Danish Girl“ beratend zur Seite stand.

Nachdem Mutrux bereits nach Erscheinen von David Eberhoffs Debüt-Romans „The Danish Girl“ die Filmrechte kaufte, konnte sie den Film erst 2015 realisieren. „Das Thema Transsexualität ist nicht leicht ökonomisch umsetzbar. Es gibt wenig Forschung dazu. Die Gesellschaft definiert Menschen vorrangig über das Geschlecht“, so Sabine Meyer. „Durch meine Mitarbeit wurden einzelne Passagen des Films näher an die wahre Figur Lili Elbe angelegt. Alles in allem ist der Film sehr ästhetisch und geht respektvoll mit dem Thema um“, sagt sie.

120 Zuschauer

Bereits „The Danish Girl“ hatte die auf Grundlage Lili Elbes Tagebuch 1931 veröffentliche Erinnerungen „Ein Mensch wechselt sein Geschlecht“ fiktionalisiert. Nach ihrer kurzen Einleitung vor dem Film gab Sabine Meyer nach dem Film Einblicke zu den wahren Hintergründen der Film-Story und diskutierte angeregt mit den rund 120 Zuschauern. „Ich habe den Film heute schon zum zweiten Mal gesehen und bin immer noch ergriffen“, meinte auch Kinoinhaberin Christel Schneewind.

Sabine Meyer. Quelle: Uwe Hoffmann

„In den 1920er Jahren gab es in Berlin eine medizinische Beratungsstelle für Transsexuelle und allein vier Szene-Zeitschriften“, ging Sabine Meyer auf eine Frage eines transsexuellen Zuschauers aus Brandenburg/Havel zum gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema Transsexualität zur damaligen Zeit ein. „Eddie Redmayne hat Lili Elbe überzeugend gespielt. Er ist für diese Rolle für den Oscar nominiert“, schwärmte Cara Vollenschier aus Premnitz. „Vielleicht hilft diese Popularität des Films das Thema mehr zu enttabuisieren“, sagte sie. Die 19-Jährige, die nach dem Abitur Psychologie studieren möchte, interessierte sich für psychologische Aspekte der transsexuellen Lili Elbe.

Sabine Meyer veröffentlichte im September 2015 das Buch „Wie Lili zu einem richtigen Mädchen wurde“ über die Transperson Lili Elbe und zum Thema Transsexualität.

Film: „The Danish Girl“ wird im „Haveltor Kino“ in dieser Woche täglich um 18 Uhr gezeigt, am Samstag allerdings um 20.15 Uhr.

Von Uwe Hoffmann

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