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Firmengründerin verkauft Hauskrankenpflege

Retzow Firmengründerin verkauft Hauskrankenpflege

Der ambulante Pflegedienst von Marija Begemann in Retzow (Havelland) hat den Besitzer gewechselt. Weil die Firmengründerin in den Ruhestand geht, wurde das Unternehmen an die Dorea GmbH verkauft. Für die Patienten bleibt jedoch alles wie gehabt. Die 65 Mitarbeiter wurden übernommen.

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Abschied von ihrem Lebenswerk: Marija Begemann (2.v.l.) mit Verwaltungsleiterin Dana Schönfeld (l.), den Pflegedienstleiterinnen Katrin Haufe und Nicole Schmidt (r.) sowie mit Peter Wawrik, Geschäftsbereichsleiter ambulante Pflege der Dorea-Familie.

Quelle: Andreas Kaatz

Retzow. Der Start war damals nicht so einfach. Nachdem Marija Begemann ihren ambulanten Pflegedienst am 1. Juni 1998 in Retzow ins Leben gerufen hatte, dauerte es eine kleine Weile, bis es tatsächlich losging. „Ich kann mich noch genau erinnern. Am 21. Juni hatte ich meinen ersten Patienten in Nauen, Anfang Juli waren es schon vier“, sagt die gelernte Krankenschwester heute.

Bis dahin hatte sie bei der Diakonie in der ambulanten Pflege gearbeitet. Doch dann wollte sie sich selbstständig machen. „Ich habe wirklich von Null angefangen.“ Fast 20 Jahre später nimmt sie nun Abschied von ihrem Unternehmen. Die 66-Jährige geht in den wohlverdienten Ruhestand.

Die Private Haus- und Krankenpflege Schwester Marija Begemann wird es aber auch künftig geben, jetzt aber mit einem neuen Eigentümer. „Ich habe die Firma an die Dorea-Familie verkauft. Das Konzept hatte mir gefallen. Und ich bin mir sicher, dass meine Mitarbeiter dort in guten Händen sind“, sagt sie. Denn das war ihr vor allem wichtig.

Deshalb fiel die Entscheidung für die deutschlandweit agierende Dorea-Gruppe gemeinsam mit ihren engsten Mitarbeitern. „Man muss in diesem Geschäft auch mitgehen mit der Zeit. Kleine Betriebe werden es künftig schwer haben“, meint sie. 65 Frauen und Männer gehören zum Team und die haben ihr einen teils emotionalen Abschied bereitet. Da floss auch so manche Träne auf beiden Seiten.

Ursprünglich kam Marija Begemann Anfang der 90er-Jahre aus dem Schwarzwald nach Selbelang. 1994 erwarb sie zusammen mit ihrem Mann den Flachbau auf dem heutigen Pflegedienst- und früheren Schulgelände im Selbelanger Weg und baute vier Wohnungen. Ab September 1998 zogen dort drei leicht demente Personen ein, aus der vierten Wohnung wurde das Büro des Pflegedienstes. Das große Gebäude gegenüber hatte sie schon vorher von der Kirche gemietet. Im Erdgeschoss entstanden zwei Wohnungen, in denen ab 1998 zwei Patienten lebten. In den Jahren 2013/14 wurden beide Häuser komplett saniert. Derzeit wird aus dem Dachboden ein großer Aufenthaltsraum.

Betreutes Wohnen war somit von Beginn an ein Standbein. „Ein weiterer Schwerpunkt lag aber immer auf der ambulanten Pflege“, sagt Marija Begemann. Schritt für Schritt wuchs der Patientenstamm auf knapp 100 Männer und Frauen. Die Mitarbeiterinnen fahren nach Nauen, Wustermark und sogar bis nach Ketzin/Havel. Und in der Gegenrichtung geht es nach Wagenitz, Haage, Senzke oder Warsow.

Dass der Bedarf an altengerechten Wohnungen, aber auch an Wohngemeinschaften für Demenzkranke ständig zunimmt, konnte Marija Begemann in ihrer täglichen Praxis immer wieder feststellen. So fiel die Entscheidung, sich auch in diesem Bereich stärker zu engagieren. Schon relativ zeitig wurde der Flachbau in Retzow erneut umgebaut, so dass dort eine WG für zehn Menschen entstand. Im großen Haus gibt es eine weitere WG für zehn Personen. 2010 übernahm sie das frühere Herrenhaus in Paulinenaue, in dem die Bewohner – darunter auch dementiell Erkrankte – rund um die Uhr betreut werden, ebenso wie im Seniorenpark Anna-Luise in Pessin, der kurz danach hinzu kam.

Dort können die Menschen bis zu ihrem Lebensende bleiben, auch wenn sie zwischenzeitlich schwer erkranken sollten. „Wichtig ist mir in allen drei Häusern immer die familiäre Atmosphäre, nämlich dass die Patienten und Bewohner das Gefühl haben, dass sie hier zu Hause sind“, sagt Marija Begemann. So wird unter anderem gemeinsam gekocht und gegessen.

Das Retzower Unternehmen ist der erste ambulante Pflegedienst, den die Dorea-Familie in Brandenburg betreibt. Und es wird sich nichts ändern. „Wir haben gesagt, dass die Patienten und die Bewohner weiterversorgt werden wie bisher“, sichert Peter Wawrik zu, Geschäftsbereichsleiter ambulante Pflege bei Dorea. Sowohl die ambulante Pflege als auch die Wohngemeinschaften seien zukunftsfähig.

Alle 65 Mitarbeiter sind zu Dorea gewechselt, so Wawrik. Er will nicht ausschließen, dass weitere Wohnobjekte hinzukommen. Aber das hänge von geeigneten Gebäuden ab und davon, ob geeignete Mitarbeiter gefunden werden. „Das muss Sinn machen, denn wir haben bestimmte Qualitätsstandards.“

Von Andreas Kaatz

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