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10 000 Fledermäuse auf der Zitadelle Spandau

Entdeckungsreise in alten Gemäuern 10 000 Fledermäuse auf der Zitadelle Spandau

Auf der Zitadelle Spandau gibt es etwa 10 000 wildlebende Fledermäuse. Es ist das größte Winterquartier der kleinen Säugetiere in Berlin. Anlässlich des „Langen Tags der Stadtnatur“ konnten die Fledermäuse am Wochenende erforscht werden.

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Nilflughund Herbert, mit 20 der Älteste im Keller.

Quelle: Foto: Hans-Peter Theurich

Spandau. „Fledermäuse finde ich so süß“, schwärmte die zehnjährige Josefin. Sie war am Sonnabend mit ihren Großeltern aus Kleinmachnow zum Fledermauskeller in der Zitadelle Spandau gekommen. Die Expertin Brigitte Kaltofen führte dort eine Gruppe zu den Schlafplätzen der Flattertierchen in den Gewölben und Bastionen der alten Festung – eine von insgesamt 500 Veranstaltungen in Berlin beim „Langen Tag der Stadtnatur“ am Wochenende.

„In unserem Keller sind 160 Exoten in mehreren Räumen untergebracht, alles Fruchtfresser, darunter Flughunde und Brillenblattnasen“, erklärte Brigitte Kaltofen den unterirdischen Zoo. Sie gehört zum Berliner Artenschutz Team BAT. Auf der Zitadelle, so schätzen Fachleute, gibt es etwa 10 000 wildlebende Fledermäuse. Es ist das größte Winterquartier der kleinen Säugetiere in Berlin.

Herbert heißt der Opa im Keller, er ist ein Nilflughund. Er orientiert sich mit seinen großen Kulleraugen und nicht mit einem der komplizierten Sonarortungssysteme vieler Fledermausarten. 20 Jahre hat er auf seinem Buckel mit dem weichen blonden Fell. Der Jurastudent Sascha Galow aus Pausin breitete die Flügel aus und demonstrierte die Spannweite von 35 Zentimetern. „Ich mag Herbert besonders gern“, sagte er.

Die Führung mit Brigitte Kaltofen führte durch die so genannte untere Feuergalerie. Hier standen einst Soldaten und feuerten aus den Schießscharten, um Berlin und Spandau zu verteidigen. Damit der Pulverdampf abziehen konnte, wurde alle paar Meter ein Kamin durch die dicken Mauern gebaut. Heute sind es begehrte Schlafplätze der Fledermausmännchen.

Brigitte Kaltofen kennt viele Daueruntermieter mit Namen: „Das große Mausohr Walter putzt sich gerade“, erklärte sie und leuchtete mit einer Taschenlampe in einen Schornstein. Die etwa dreißig Tierfreunde drängten sich unter dem Pulverabzug. Ganz oben konnte man den kleinen Kerl entdecken. Auch Klaus war zu Hause, er schlief kopfüber. Im nächsten Schornstein lebt der Frauenheld Bruce. „Wir wissen, dass er besonders viele Weibchen hat“, sagte Kaltofen und berichtete vom Zoologen Martin Eisentraut, der als Erster 1032 Fledermäuse auf der Zitadelle beringt hatte.
Wo sind die Weibchen? „Die Fledermaus-Damen haben gerade Nachwuchs, für den ist es zu kalt im Gemäuer der Zitadelle. Sie wohnen in Kolonien gemeinsam mit anderen Müttern und ihren Babys in Dachböden und Kirchtürmen“, erklärte die Expertin.

Fledermäuse haben einen extrem gut entwickelten Orientierungssinn, daher kehren sie immer wieder an ihre angestammten Schlafräume zurück. Umsiedeln ist zwecklos. Wer sich von dem Gezwitscher der Jungtiere einer Kolonie im heimischen Dachboden genervt fühlt, sollte sich besser daran gewöhnen. Versuche, sie in anderen Gebäuden unterzubringen, scheitern: Sie sind schneller wieder „zu Hause“ als man selbst.

Nicht nur für Naturfreunde, sondern auch für Geschichtsinteressierte war die Tour lehrreich. An den Mauern waren deutlich die Stempel auf den uralten Ziegeln zu erkennen: Sie wurden in Rathenow gebrannt.

Von Judith Meisner

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