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Flüchtling aus Syrien lebt in Falkenseer Familie

Asylpolitik Flüchtling aus Syrien lebt in Falkenseer Familie

„Ich bin glücklich hier“, sagt Ahmad (22). Es ist nicht viel, was er sagt. Er versteht noch nicht alles. Er ist aus Syrien geflüchtet, lebt nun bei einer Gastfamilie in Falkensee. Da er ohne Deutsch- und Englischkenntnisse nach Deutschland gekommen war, besucht er neben Sprachkursen auch Alphabetisierungskurse.

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Ahmad vor einem Stadtplan der Stadt Falkensee.

Quelle: Markus Kollberg

Falkensee. Ahmad hatte einen langen Weg hinter sich gehabt, als er im Sommer 2015 an der Haustür von Familie Hofmann* klingelte. Über die Türkei, mit Zwischenstopps in Asylunterkünften in Eisenhüttenstadt und Frankfurt (Oder) kam der gebürtige Damaszener ins Havelland.

Ahmad kommt aus einer Familie mit zehn Kindern. Ein Bruder wohnt in Potsdam, eine Schwester in Dortmund. Der Rest der Familie lebt derzeit in der Türkei. Dass der 22-Jährige ein Zimmer bei einer fünfköpfigen Gastfamilie aus Falkensee bekam, war Zufall. Die Familie war die erste in Falkensee, die einen erwachsenen Zuwanderer aufgenommen hat.

„Ich bin glücklich hier“, sagt Ahmad. Es ist nicht viel, was er sagt. Er versteht noch nicht alles. Da er ohne Deutsch- und Englischkenntnisse nach Deutschland gekommen war, besucht er neben Sprachkursen auch Alphabetisierungskurse.

Wünsche für die Zukunft

Einige Wünsche kann er dennoch aufzählen: Er möchte arbeiten gehen und eine Wohnung finden. Damit Ahmad für seine Zukunft Geld ansparen kann, entschied sich seine Gastfamilie für eine sehr geringe Miete. Für Mahlzeiten, Wäsche waschen und Hygieneprodukte bekommt sie fünf Euro pro Tag. Beim Thema Essen achtet Gastmama Sabine genau darauf, was Ahmad als Moslem essen darf. Anfangs fuhr sie sogar nach Berlin, um Halal-Fleisch zu kaufen.

„Man muss sich schon ein bisschen mit der Religion auseinandersetzen. Das muss Ahmad aber auch mit unserer Religion und Kultur“, sagt die 15-jährige Tochter Lara, die für Ahmad ihr Zimmer geräumt hat und sich nun einen Raum mit ihrer Zwölfjährigen Schwester teilt. Wenn die Familie Verwandte besucht, Weihnachten oder Ostern feiert, ist Ahmad dabei. Er fühlt sich wohl in seiner deutschen Familie.

Deutsche Freunde fehlen ihm jedoch. Die Kontaktaufnahme ist schwer. Im Fußballverein wurde er als Torwart abgelehnt, weil er zu klein für diese Position war, und zu den Begegnungscafés in Falkensee kommen keine deutschen Jugendlichen in seinem Alter.

Enormer Aufwand für die Familie

In einer Zeit, in der noch an Gesetzen in Bezug zu Asylverfahren gearbeitet wird, ist der organisatorische Aufwand für die Familie enorm. Sabine Hofmann betreut beruflich Kleinkinder. Damit Ahmad einziehen konnte, brauchte die Mutter vorab ein erweitertes Führungszeugnis. „Ich musste fünf Betreuungsfamilien befragen, ob sie nichts gegen einen Flüchtling im Haus haben.“ Auch wenn Sabine Hofmann keines ihrer Betreuungskinder abgeben musste, bekam sie nicht nur positives Feedback zu ihrem Engagement.

In ihrem Bekanntenkreis gehen die Meinungen über die Aufnahme von Flüchtlingen stark auseinander. So stark, dass Freundschaften bereits auseinandergegangen sind. Ihre Tochter Lara ist vorsichtig, mit wem sie über Ahmad spricht: „Meine engsten Freunde wissen es, aber ich gehe nicht gerade durch die Welt und sage: Hey, wir haben einen Flüchtling zu Hause.“

Nicht nur positive Reaktionen

Bilder über in Brand gesetzte Häuser und Gewaltszenen, die die Medien verbreiten, führen zu weiteren negativen Äußerungen von Menschen aus dem näheren Umfeld. Dass die Berichterstattungen mitunter zu Fehlwahrnehmungen führen, fällt der Familie oft bei Gesprächen mit Bekannten auf. Viele wüssten kaum etwas über Syrien. Der Grundgedanke sei, dass die Flüchtlinge aus der dritten Welt kämen, nur nähmen und nichts gäben und Frauen Kopftücher trügen.

Sabine Hofmann hofft, in Zukunft offener über ihr neues, liebgewonnenes Familienmitglied sprechen zu können. „Es sind völlig normale Menschen mit fast dem gleichen Bildungsstatus, den wir hier in Deutschland haben. Viele haben erst einmal Angst. Die könnten mir ja etwas wegnehmen. Aber was nehmen sie denn weg? Nichts. Würden wir unsere Kinder in einer solchen Situation nicht auch in ein friedliches Land schicken?“, fragt sie.


*Momentan möchte die Familie lieber anonym bleiben. Alle Namen wurden durch ein Pseudonym ersetzt.

Von Carina Troxler

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