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Flugblatt gegen Lärm

Falkensee: Alltag im Asylbewerberheim Flugblatt gegen Lärm

Manche haben es gar nicht mitbekommen, andere protestieren per Flugblatt: Das Falkenseer Asylbewerberheim ist fast komplett belegt. Vor allem syrische Flüchtlinge sind hier untergekommen. Ihr Alltag besteht aus Deutschkursen, Fahrradtouren und manchmal kommt die Polizei vorbei.

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Die syrische Asylbewerber freuen sich über die Möglichkeit, mit dem Rad mobil zu sein.

Quelle: Peter-Paul Weiler

Falkensee. Am Tag ist es ganz ruhig. Das Asylbewerberheim von Falkensee liegt in der Mittagssonne, hier und da schaut jemand aus dem Fenster, eine junge syrische Frau übt Fahrradfahren. Das geht schon recht gut, sie hat hier in Falkensee erst damit angefangen.

Aber es ist nicht immer so ruhig. „Das geht bis in die Nacht“, sagt ein Anwohner, der in seinem Vorgarten arbeitet, „das schallt dann durchs Wohngebiet. Vor allem, wenn da so spät noch Fußball gespielt wird.“ Das stört schon, sagt der Mann, aber zu den Nachbarn, die ein Flugblatt erstellt haben, gehört er nicht. Das sind andere.

Anwohner haben in den letzten Tagen ein halbanonymes Flugblatt verteilt. Darin werden die Bewohner aufgefordert, sich gegen Beeinträchtigungen zu wehren und Anzeigen oder Beschwerden zu machen; wie und wo das am besten geht, dazu werden Adressen mit Namen und Telefonnummer genannt. Dabei hält man sich selbst mit eigenen Angaben ziemlich zurück, die genannte E-Mail-Adresse erweist sich als „unzustellbar“, ansonsten wird auf einen Briefkasten in der Friedensstraße verwiesen. Im Flugblatt ist auch davon die Rede, „dass einige andere Wege wählen, weil es ihnen unangenehm ist, an einer größeren Gruppe von Asylbewerbern vorbeizugehen.“

Wegen ruhestörenden Lärms kam es zu zwei Einsätzen der Polizei, teilte Polizeisprecherin Ingrid Schwarz mit. „Ein Fall ereignete sich am 25. Juli, wobei die Ruhestörung nicht von Heimbewohnern ausging. Ein weiteres Mal wurde die Polizei am 7. August zu einer Ruhestörung gerufen. Als die Einsatzkräfte eintrafen, konnten sie ruhestörenden Lärm nicht mehr feststellen“, sagte sie. Auch in anderen Heimen im Havelland kam es in der Vergangenheit nur vereinzelt zu Ruhestörungen, die nach dem Erscheinen der Polizei sofort beendet waren, erklärte sie.

Es ist überwiegend ruhig geblieben. Und so erklärt sich wohl der Flugblatt-Satz: „Die Belegung des Asylbewerberheimes hat begonnen... Der eine oder andere wird es bisher gar nicht bemerkt haben.“

Der Alltag ist nahezu unbemerkt in dem Falkenseer Heim eingezogen. Alle Zimmer des Hauses sind belegt, die größte Gruppe der Asylbewerber stammt aus Syrien, andere kommen aus Pakistan, Somalia und Kamerun. Die Haussprache ist ein einfaches Englisch, das sich mit Deutsch mischt. Das hört sich dann schon mal nach „Copy the Ausweis“ oder „Wo ist das Bycycle?“ an.

Denn kopiert wird einiges, der ganze Behördenkram macht es nötig. Sozialbetreuer Jakob Haß hilft den Asylbewerbern mit unerschütterlicher Ruhe und Freundlichkeit, rutscht zwischen Englisch und Deutsch hin und her, wenn er mit den Asylbewerbern spricht. Die meistern sind offen und neugierig auf das Land, in dem sie angekommen sind. Und zu dem Ankommen gehört die Sprache dazu. Vormittags besuchen sie Sprachkurse, die Dozenten der Volkshochschule ihnen geben. „Gut, dass wir dafür die Räume des ASB nutzen können“, sagt Jakob Haß. Er nennt das: Kooperationsstrukturen schaffen.

Zeitplan

Ende Januar 2014 wurde bekannt gegeben, dass in Falkensee vom Landkreis ein Asylbewerberheim gebaut wird. Als Standort wurde das kreiseigene Gelände Kremmener Straße/Ecke Bergstraße genannt. Im Februar begannen die Bauarbeiten.

Anfang Juli 2015 sind die ersten Asylsuchenden in das Heim eingezogen, in dem 64 Personen untergebracht werden können.

Und die Kooperation mit der Falkenseer Willkommensinitiative läuft sehr gut. Das mit dem Willkommen ist hier ganz konkret. An vier Abenden in der Woche bieten Falkenseer Bürger zusätzlichen Sprachunterricht im Heim an.

Die Willkommensgruppe ist in zwölf Arbeitsgruppe organisiert. Besonders die AG Fahrrad ist aktiv. Felix, der darauf besteht einfach mit dem Vornamen angesprochen zu werden, ist ein Mann aus der Nachbarschaft, er hat sich der Sache angenommen. Er sorgt dafür, dass die gesammelten Räder aufgearbeitet werden. „Das Ordnungsamt war schon da und hat geguckt“, erzählt er, aber die Räder sind verkehrssicher. Die Zusammenarbeit mit der Stadt ist gut, die Kommune stiftet auch Fundräder. „Was mich ärgert, ist das Gerücht, die Asylbewerber würden mit geklauten Rädern fahren“, schimpft Felix. „Die Räder sind alle gespendet, nummeriert und erfasst.“ Vielleicht sieht es manchmal komisch ausviel Lärm um , wenn ein erwachsener Mann auf einem pinkfarbenen Damenfahrrad durch die Stadt fährt. Aber so viele Räder zum Aussuchen gibt es in dem Heim nicht. „Deshalb hoffen wir auf weitere Spenden“, sagt Jakob Haß. Die Fahrradwerkstatt, so der Plan, soll später auch Räder für andere Heime und auch Arbeitslose aufarbeiten.

Von Marlies Schnaibel

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