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Die Buga-Akte: Was ist nackt, was ist schön?

Fotoausstellung in Premnitz Die Buga-Akte: Was ist nackt, was ist schön?

Frei nach dem Motto „Sex sells“ macht Premnitz kurz vor dem Ende der Bundesgartenschau nun mit erotischen Fotografien von sich reden. Dort wird die Schau „Blumen und Akt“ mit Nacktbildern von Klaus Ender gezeigt. Bei den Besuchern sorgen die für allerhand Diskussionen.

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Und wo sind hier die Blumen? Sinnliche Perspektiven in der Schau „Blumen und Akt“.
 

Quelle: Klaus Ender

Premnitz.  Der beschaulichste und kleinste aller Buga-Standorte Premnitz verzückte die Gartenschau-Besucher in der Vergangenheit eher mit essbaren Blüten, seinen einladenden Strandkörben und dem herrlichen Blick vom Aussichtsturm auf die Havel. Kurz vor dem Ende der Bundesgartenschau macht das idyllische Städtchen mit einer ungewöhnlichen Aktion von sich reden.

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Jetzt versucht es die Bundesgartenschau mit Nacktbildern: Die Schau „Blumen und Akt“ mit Fotografien von Klaus Ender sorgt bei Buga-Besuchern in Premnitz für Diskussionen.

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Die Schau „Blumen und Akt“ im Ausstellungspavillon zeigt seit dieser Woche Fotos von unbekleideten jungen Frauen vor gärtnerischer Kulisse. Die Aufnahmen stammen von Klaus Ender, dem legendären Fotografen, dem es 1975 in Potsdam gelang, die erste Aktfotografie-Schau in der DDR zu initiieren. Im Vergleich zu den Fotos, die derzeit auf der Buga zu sehen sind, waren Enders Bilder damals aber unspektakulär. Der Fotograf, der aus Rügen stammt, lichtete seine Models, die selten direkt in die Kamera schauen, meist am Ostseestrand ab. 40 Jahre später hat der 76-jährige Ender den Blick von natürlich-schönen Mädels abgewendet. Stattdessen räkeln sich vollbusige, überschminkte Damen lasziv am Gartenteich, unterm Apfelbaum oder im Wald.

Männer loben den schönen Busen

 „Mit Natur hat das nichts mehr zu tun“, meint eine Besucherin aus Stendal und spielt auf die üppigen Brüste der Nackten an. Ob die Fotos Kunst seien, wolle er nicht beurteilen: „Immerhin haben die Frauen einen schönen Busen“, lobt ein junger Berliner, der mit seinem Smartphone ein Nackt-Bild nach dem anderen abfotografiert.

Während viele weibliche Buga-Gäste den Ausstellungspavillon kopfschüttelnd schnell wieder verlassen, um in den Tagesgärten die Dahlien zu bewundern oder am Gewürztagetes zu schnuppern, werden die männlichen Begleiter kurzerhand zu erklärten Kunstliebhabern. Die Geschmäcker sind eben verschieden.

Der Technikchef wollte die Ausstellung

Wie aber passen Blumen, Buga und Brüste nun zusammen? Die Idee, die Aktfotografien auf der Gartenschau zu zeigen, stamme von Frank Schröder. Der Buga-Technikchef habe ihn sozusagen überredet, gibt Klaus Ender zu. Die beiden Männer kennen sich noch von vorangegangenen Ausstellungen, etwa auf den Landesgartenschauen in Wernigerode (2006) und Aschersleben (2010).

 „Mir geht es darum, die Natur zu zeigen und der Mensch ist nun mal ein Teil davon. Ich habe versucht, dem Ganzen Leben einzuhauchen“, sagt der einst erfolgreiche DDR-Fotograf. In seinen Augen führt die Aktfotografie noch immer ein Schattendasein: „Sie ist kaum anerkannt.“

Künstler will geschminkte Models

Von seinem Publikum wünscht sich der Künstler deshalb, dass es seine Bilder vorurteilsfrei betrachtet. Nicht jede Frau sei von Natur aus „so schön wie Marilyn Monroe“, bemüht sich Ender die Auswahl seiner übertrieben sinnlich inszenierten Models zu erklären: „Ein bisschen Schminke gehört eben dazu.“

Er sei kein Anpasser, so der Fotograf: „Aber man muss mit der Zeit gehen.“ Um die Betrachter nicht zu langweilen, habe er sich ganz bewusst für eine erotische Darstellung entschieden. „Bei meinen früheren Aufnahmen standen Ästhetik und natürliche Schönheit im Vordergrund“, gibt der Künstler zu. Auf sein aus Sachsen stammendes Model mit schwarzer Mähne lässt Ender nichts kommen: „Sie ist mein Erfolgs-Model und ziert etliche meiner Kalender-Cover.“ Mehr als 70.000 Aktfotografien habe er in den vergangenen Jahrzehnten gemacht. Demgegenüber stünden mehr als 130.000 reine Landschaftsaufnahmen, ganz ohne „Freikörperkultur“, beeilt sich der Künstler zu sagen.

Der Fotograf und die Nackten

Klaus Ender (Jahrgang 1939) begann in den 1960er Jahren als Autodidakt auf der Insel Rügen Aktaufnahmen zu machen. Seine Fotos wurden unter anderem im „Magazin“ und in der westdeutschen Zeitschrift „Konkret“ abgedruckt.

1972 kam er nach Potsdam, wo er 1975 die Ausstellung „Akt und Landschaft“ initiierte. Es war die erste Schau in der DDR, in der Aktfotografie gezeigt wurde.

1981 ging er in den Westen. Ender lebt heute wieder auf der Insel Rügen und betreibt einen kleinen Verlag.

Gerade erschienen ist von ihm ein Fotoband mit Aphorismen. Klaus Ender: Frei Körper Kolumnen. Teil 2, Klaus Ender Art Photo Archiv, 78 Seiten, 12,50 Euro.

„Uns war klar, dass die Fotos nicht undiskutiert bleiben“, verteidigte Buga-Technikchef Frank Schröder die Schau. Was immer man von den vollbusigen Foto-Schönheiten halten mag – „Sex sells“. Dieses Motto gilt erst recht für die Buga. Vielleicht zählt die gewagte Nackt-Ausstellung ja auch zur gezielten PR-Strategie, um die Besucher bis zum Ende der Gartenschau doch noch in Scharen anzulocken.

Von Josefine Sack

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