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Fotos aus der Sperrzone von Tschernobyl

Rathenow Fotos aus der Sperrzone von Tschernobyl

„Zerstörtes Leben – verlorene Welt“ heißt die neue Ausstellung, die seit Montag auf dem oberen Flur des Kulturzentrums Rathenow zu sehen ist. Andrea Johlige aus Nauen hat gut 30 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl eine Gruppenreise in die Sperrzone unternommen, um selbst zu erleben und zu dokumentieren, was passiert, wenn die Atomkraft außer Kontrolle gerät.

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Andrea Johlige vor ihrer Fotoausstellung mit eigenhändigen Aufnahmen aus Region Tschernobyl.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Das Riesenrad, auf dem die Kinder nicht mehr fahren konnten. Rostige Autowracks, die sich zu Bergen übereinander türmen. Ein verlassenes Klassenzimmer, in dem noch Zeichnungen liegen. Ein Schachspiel, auf dem die Figuren seit über 30 Jahren auf den nächsten Zug warten. Nicht zuletzt der aus Beton eilig zusammen gestoppelte Sarkophag über dem Reaktorblock 4 des Atomkraftwerks Tschernobyl, der am 26. April 1986 in die Luft geflogen ist.

Viele der Aufnahmen, die seit Montag im oberen Flur des Kulturzentrums Rathenow gezeigt werden, sind in ihrer Trostlosigkeit kaum zu überbieten. Manche der Motive mag man auf die eine oder andere Weise schon einmal gesehen haben. Sie gewinnen hier aber noch an Authentizität und Eindringlichkeit, weil eine Frau aus Nauen extra dorthin gefahren ist, um die Fotos eigenhändig zu schießen.

Eigenhändige Fotos, erklärende Texte und eine Broschüre

Andrea Johlige, für die Linken Mitglied des Landtags, des Kreistages und seit früher Jugend eine Atomkraftgegnerin, hat sich gut dreißig Jahre nach der Reaktorkatastrophe eine Gruppenreise in das Gebiet der Sperrzonen gegönnt. Sie wollte selber erleben und dokumentieren, was passiert, wenn die Atomkraft außer Kontrolle gerät. Wer was auch immer über dieses Thema wissen will, dem sei die Ausstellung herzlich empfohlen. Obwohl die meisten Fotos fast schon selbst erklärend sind, hat Andrea Johlige ihnen noch erklärende Texte beigefügt und dazu eine zusammenfassende Broschüre ausgelegt, so dass keine Fragen mehr offen bleiben sollten.

„Ich finde, die Menschen vergessen zu schnell“, hat die Autorin zur Ausstellungseröffnung gesagt. Schließlich habe es ja erst der zweiten Reaktorkatastrophe in Fukushima bedurft, damit in Deutschland der Atomausstieg ernsthaft auf die Tagesordnung kam. So etwas könne jeden Tag wieder passieren. In den deutschen Atomkraftwerke gebe es regelmäßig Störfälle, es erfahre nur niemand etwas davon.

Andrea Johlige: „Ein kurzzeitiger Aufenthalt ist nicht so das Problem“

Die Radioaktivität rund um Tschernobyl sei schon gefährlich, hat Andrea Johlige zugegeben, aber gleich angefügt: „Ein kurzzeitiger Aufenthalt ist aber nicht so das Problem.“ Warnschilder sollte man aber ernst nehmen und keinesfalls Flusswasser trinken. Es lebten auch schon wieder Menschen dort, sie seien aber fast alle krank. Sie habe bei einem kleinen Berliner Veranstalter eine Reise gebucht, die extra als Fototour ausgeschrieben war, hat sie erklärt. So sei ihr genug Zeit geblieben, um sich die Gegebenheiten genau anzusehen und in Ruhe die richtige Bildeinstellung zu suchen.

Die Stadt Pripyat hat bei ihr tiefen Eindruck hinterlassen. 50 000 Einwohner hatte sie gehabt und musste dann von einem Tag auf den anderen verlassen werden. „Zerstörtes Leben – verlorene Welt“ hat Andrea Johlige ihre Sammlung genannt. Und obwohl der Titel so negativ klingt: Die Ausstellung absolut sehenswert.

Von Bernd Geske

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