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Fotos wie in alten Zeiten

Mit Riesenkamera und Dunkelkammer Fotos wie in alten Zeiten

Der Berliner Donald Becker hat im Projekt des Optik-Museums mit Kindern einen Kasten gebaut, mit dem man Bilder machen kann. Er realisiert das aber nicht mit der gegenwärtig angesagten digitalen Technik, sondern auf die ganz alte Art.

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Die Riesenkamera wird zusammengebaut. Donald Becker bei der Arbeit mit Lilli Pritzel (rechts) und Tobias Mattner.

Quelle: B. Geske

Rathenow. Der Berliner Donald Becker will zusammen mit Grundschulkindern aus Rathenow und Rhinow Fotos machen von Menschen, Tieren oder Örtlichkeiten, die ihnen besonders am Herzen liegen. Er realisiert das aber nicht mit der gegenwärtig angesagten digitalen Technik, sondern auf die ganz alte Art.

Gemeinsam mit den Kindern hat er zunächst nach einem Vorbild im Optik-Industrie-Museum aus Pappe und Holz eine Großformat-Kamera gebaut. Diese setzt er dann wie eine der alten Plattenkameras ein, um Fotografien aufzunehmen. Das funktioniert natürlich nicht ohne Chemie, deshalb hat er den Mädchen und Jungen auch noch beigebracht, was man in einer Dunkelkammer tut.

Kapazitäten im Optik-Museum

„Ich möchte die Kinder mit dem Optik-Industrie-Museum ihrer Stadt vertraut machen“, erklärt Donald Becker, „aber sie sollen es als ein Gebiet voller Abenteuer kennen lernen.“ Es ist ihm gelungen, für seine Idee eine Förderung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zu erhalten. Die Verantwortlichen des Rathenower Optik-Museums fanden den Gedanken dann so gut, dass sie Kapazitäten ihres Hauses und Versorgung mit beisteuerten. Ohne Speisen und Getränke zwischendurch geht es nicht, denn die althergebrachte Fotografie ist ein Geschäft, für das man Zeit und Ausdauer braucht.

Seit März nun schon werkeln an jedem Sonnabend von 11 bis 17 Uhr acht Kinder und ein Mann an der Kamera und in der Dunkelkammer. Mittlerweile sind sie so weit, dass sie die ersten guten Aufnahmen im Kasten haben. „Am Anfang haben wir viel verschossen“, sagt Donald Becker. Das Gefühl und die Erfahrungswerte für die richtige Belichtung mussten sich erst entwickeln. Immer wieder neu ist es dann ein großer Moment, wenn in der Entwicklerschale auf dem Fotopapier die Strukturen einer Aufnahme erscheinen.

Museumspädagogische Angebote

Für Kitas, Vorschule, Familien: Kindgemäße Führungen (ab 4 Jahre) über allgemeine Stadtgeschichte mit Bezug zur Optikgeschichte. Anschließend basteln die Kinder etwas zum Thema optische Täuschungen.
Im Projekt „Haus der kleinen Forscher“ werden drei Einheiten angeboten. Museumsführung. Linsen, Lupen, Mikroskope – Arbeit im Mikroskopierzimmer. Der Spiegel – was passiert da?
Für Grundschulen und Horte: Kindgemäße Führung zur Geschichte der optischen Industrie. Museumssafari mit einem Arbeitsheft, die Kinder erarbeiten sich Wissen über die Stadtgeschichte und optische Fragen.
Basteln können die Kinder auch: Historische Brillen, optische Täuschungen und vieles mehr. Im Grünen Klassenzimmer der Buga wird über Augen und deren Funktion gesprochen.
Für Oberschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Ausbildungseinrichtungen: Museumsführung zur Geschichte der optischen Industrie mit Schwerpunkt Rathenow. Arbeitsblätter zum Thema „Die Grenzen des Sichtbaren – mehr sehen – optische Geräte“.
Nur zur Buga ist das Mikroskopierzimmer vom 3. bis 7. August im Optikpark. Termine sind buchbar über das Grüne Klassenzimmer.

„Die Riesen-Kamera ist ein Bestandteil unserer museumspädagogischen Arbeit“, erklärt Ute Lindemann vom Optik-Museum. „Die Kinder haben sich zunächst die Kameras angeschaut, die wir im Museum ausstellen, und dann unter Anleitung von Herrn Becker selbst eine gebaut.“ Eigentlich habe das Projekt schon am 11. Juli enden sollen, sagt sie. Aber weil es zum Schluss eine richtige Ausstellung mit von Kindern gemachten Fotos geben solle, werde die Dauer wohl noch verlängert.

Fachwissen und Improvisation

Donald Becker, der als Bühnenbildner gearbeitet hat und auch Ausstellungskonzepte entwirft, beweist das nötige Fachwissen und Improvisationsvermögen, um sein Projekt auch zum Erfolg zu führen. Den Apparat hat er zerlegbar gebaut, damit er ihn im Pkw gut nach Rathenow und wieder nach Hause transportieren kann. Das hat den pädagogisch wertvollen Nebeneffekt, dass die Kamera jedes Mal wieder vor den Augen der Kinder zusammen gesetzt wird.

Er hat auch zwei lichtstarke Objektive aufgetrieben, die natürlich nicht in Eigenleistung zu bauen waren. Von der Idee, den Apparat mit selbst beschichteten Fotoplatten zu bestücken, hat sich der Berliner aber verabschiedet. Er verwendet nun Fotopapier im Format 30 mal 40 Zentimeter, das im Fachhandel gekauft werden kann.

Mit Schalen und Rotlichtlampe ins Möbellager

Jede Originalaufnahme ist naturgemäß ein umgekehrtes Negativ. Deshalb wird in einem zweiten Belichtungsschritt eine Kontaktkopie hergestellt, die in der Tat eine Aufnahme mit guter Schärfe im Hauptbereich ergibt. Lilli Pritzel (zehn Jahre) aus der Jahngrundschule macht das alles viel Spaß. „Das Entwickeln ist toll“, sagt sie, „aber wir zeichnen auch und machen viele andere Sachen.“

Die Dunkelkammer hat Donald Becker bislang wechselnd in den Toiletten des Kulturzentrums eingerichtet. Nur am letzten Sonnabend ging das nicht, weil da Abizeugnisausgabe war. So zog er mit Schalen und Rotlichtlampe ins Möbellager. Wie er die Bilder trocknet? Er nimmt sie feucht mit und hängt sie zu Hause auf die Leine.

Von Bernd Geske

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