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Weinberg: Rehe futtern den Grabschmuck weg

Fraßschäden in Rathenow Weinberg: Rehe futtern den Grabschmuck weg

Für Rehe sind die frischen Blumen auf dem Rathenower Weinbergfriedhof ein gefundenes Fressen. Immer wieder machen sich die Tiere über den Grabschmuck her. Und sind dabei sehr wählerisch: Während bestimmt Blumen nicht angeknabbert werden, stehen andere auf der Liste der Lieblingsspeisen ganz oben.

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Friedhofsgärtner Karsten Born vor einem von Rehen gerupften Tulpenstrauß.

Quelle: Foto: Markus Kniebeler

Rathenow. Für Rehe sind die frischen Blumen auf dem Rathenower Weinbergfriedhof ein gefundenes Fressen. Immer wieder machen sich die Tiere über den Grabschmuck her. Und sind dabei sehr wählerisch: Während bestimmt Blumen nicht angeknabbert werden, stehen andere auf der Liste der Lieblingsspeisen ganz oben.

„Tulpen mögen sie gern.“ Karsten Born weiß, wovon er spricht. Der gärtnerische Leiter des evangelischen Weinbergfriedhofs kommt täglich an Gräbern vorbei, bei denen die frischen Blumen über Nacht ihre Köpfe verlieren. Und er weiß auch, wem diese Verluste zuzuschreiben sind: Rehen. Die sind seit jeher auf dem rund 18 Hektar großen Gelände zu Hause. Aktuell treiben sich mindestens zwei Tiere zwischen den Gräbern herum. Die hat Born selbst schon mehrfach gesehen.

Tiere haben Tulpen zum Fressen gern

Am Sorgentelefon hatte Sven Schröder sich über die tierischen Grabräuber beschwert. Mehr als einmal habe er eine Grabstelle mit frischen Blumen geschmückt, um dann am nächsten Tag festzustellen, dass die Köpfe fehlten. Stiefmütterchen würden regelmäßig angeknabbert, Primeln hingegen blieben in der Regel unversehrt.

Tatsächlich schmecken den Tieren nicht alle Blumen gleich gut. Tulpen und Rosen stehen nach Auskunft von Karsten Born auf dem Speiseplan ganz oben, während um Nelken ein großer Bogen gemacht wird. Besonders schmerzhaft trifft die Fresslust der Tiere jene Menschen, die gerade einen Angehörigen beerdigt haben. Oft ist der frische Grabschmuck, sind die Kränze und Gestecke regelrecht verwüstet. „Das macht vielen, die noch in der Trauer stecken, ganz schön zu schaffen“, sagt Born.

Rehe verwüsten ordentlich drapierten Grabschmuck

Die Frage, wie man den Tieren Einhalt gebieten kann, stellt sich jedes Jahr aufs Neue. Und eigentlich gibt es nur eine Antwort. „Man bekommt die Sache nur durch eine Bejagung in den Griff“, sagt Stadtförster Thomas Querfurth. Alle anderen Strategien – Vergrämung oder Einzäunung – hätten wenig Erfolg gebracht.

Im vergangenen Jahr hatten die Buga-Gärtner versucht, die Rehe mit Textilien abzuschrecken, die mit menschlichen Duftstoffen getränkt waren. Der Effekt war gleich Null. „Die Rehe sind schon ewig auf dem Weinberg“, sagt Thomas Querfurth. „Die haben sich längst an den Menschen und dessen Geruch gewöhnt.“

Erst als Querfurth im Auftrag der Buga-Verantwortlichen einige Rehe erlegte, nahmen die Fraßschäden auf den Beeten spürbar ab. Doch mittlerweile sind neue Tiere nachgekommen, die von allen Seiten auf das offene Gelände gelangen können. Weil auf dem ehemaligen Buga-Gelände noch viele Blumen im Boden sind und es auf dem benachbarten Friedhof einen ständigen Nachschub an Schnittblumen gibt, wird der Andrang in diesem aus tierischer Sicht kulinarischen Paradies nicht von alleine abnehmen.

Bis 1. Mai gilt noch die Schonzeit

Wenn es gewollt sei, werde er sich auch in diesem Jahr noch mal auf die Lauer legen. Allerdings sei das erst ab dem 1. Mai möglich. Denn momentan sei Schonzeit, da dürfe nicht geschossen werden.

Übrigens sind nicht alle Friedhofsbesucher von den Rehen genervt. Eine Dame, die regelmäßig kommt, sage immer denselben Satz, sagt Karsten Born: „Ich stell mal wieder Blumen für die Rehe hin, die müssen ja auch leben.“

Wie man Blumen schützt

Wer seine Friedhofsblumen Blumen vor gefräßigen Rehen schützen will, der kann sie mit einem speziellen Vergrämungsspray präparieren, das in Gärtnereien erhältlich ist.

Einen ähnlichen Effekt kann man angeblich erzielen, wenn man die Blumen mit herkömmlichem Haarspray einsprüht.

Den wirksamsten Schutz bieten Netze, die man über die Grabstelle spannt. Allerdings ist der Anblick nicht jedermanns Sache.

Von Markus Kniebeler

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