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Friesack Urgestein Günter Kirchert wird 80 Jahre alt
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17:25 10.04.2018
Auch zu Hause ist Heimatvereinschef Günter Kirchert von historischen Exponaten umgeben. Quelle: Andreas Kaatz
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Friesack

Sonnabend, 18 Uhr. Für Günter Kirchert ist dieser Termin heilig. Dann zieht er sich in sein Reich im Obergeschoss zurück und schaltet den Fernseher an. „Ich schaue dann immer Fußball", sagt er – und drückt regelmäßig der Hertha die Daumen. Auch mit 80 wird sich daran nichts ändern. Am 4. März feierte der gebürtige Friesacker seinen runden Geburtstag.

„Früher, in der Jugend, habe ich viel Sport getrieben“, sagt Kirchert – und zeigt ein Bild, das ihn als Turner beim Fliederfest auf der Freilichtbühne zeigt. Am Barren. Heute ist es naturgemäß weniger geworden mit dem Sporttreiben. Hin und wieder fährt er Rad, aber täglich stemmt er 100 Mal die Zwei-Kilo-Gewichte von einer alten Dezimalwaage. Auch das hält jung.

In der Stadt geboren und aufgewachsen

In Friesack dürfte es kaum jemanden geben, der Günter Kirchert nicht kennt. Der Jubilar ist in der Stadt geboren und aufgewachsen, lebt dort in dritter Generation. Viele bringen ihn vor allem mit dem Heimatverein in Verbindung, dessen Vorsitzender er seit Langem ist.

Denn die Geschichte des Städtchens zu erforschen und auch alte Gerätschaften zusammenzutragen, macht ihm viel Spaß.

„Das mit der Heimatgeschichte ging Mitte der 70er-Jahre los“, sagt Kirchert. „Meine Frau hatte gesagt: Schaff dir ein Hobby an.“ Und so sammelte Günter Kirchert Münzen, organisierte innerhalb des Kulturbundes Ausstellungen.

Daneben trug er Haushaltsgeräte und Werkzeuge von früher zusammen, die auf dem Hof und in der Werkstatt Platz fanden. Ein kleines Museum entstand. Die Sammlung bildete nach der Wende den Grundstock für das Heimatmuseum, das in dem Fachwerkbau am Markt entstand.

Nach der Lehre auf Wanderschaft

Von Beruf ist Günter Kirchert Maurer. Denn Handwerk hat in der Familie Tradition. So waren Vater und Großvater Zimmermann, und auch die Brüder erlernten einen Handwerksberuf. „Eine große Wahl hatte man hier nicht gehabt. Entweder ging man in die Landwirtschaft oder auf den Bau“, sagt der Friesacker, der sich nach der Lehre auf Wanderschaft begab.

In Ludwigsfelde baute er am Automobilwerk mit und in Schwarze Pumpe am Kraftwerk, in Hoyerswerda zog er die Wohnblocks mit hoch. „Für einen jungen Menschen war das schon interessant“, sagt er – und finanziell lohnte es sich auch.

Später machte Günter Kirchert seinen Meister und qualifizierte sich zum Lehrausbilder. Fortan lernten junge Menschen bei ihm, was einen guten Maurer ausmacht. Nach der Wende bildete er im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum (ÜAZ) in allen Baugewerken aus.

„Wir mussten nach der Wende nach Spandau, um das Pflastern zu lernen. Zu DDR-Zeiten wurde ja nur mit Beton gearbeitet“, erinnert sich Kirchert, der 1998 pünktlich mit 60 in Rente ging.

Das Heimatmuseum eröffnete 1996

Fortan konnte er sich noch mehr um die Heimatgeschichte kümmern. Denn dass dies viel Zeit in Anspruch nehmen kann, hatte er schon feststellen müssen. 1996 eröffnet das Heimatmuseum im „Haus von Schlosser Hans“. Doch bis es soweit war, gab es viel zu tun.

Als die Wende kam, stand das Fachwerkhaus schon zehn Jahre leer, der Zustand war beängstigend. Doch mit Fördermitteln, städtischem Geld, Spenden und viel Engagement gelang es, das Gebäude zu restaurieren.

„Als wir 1994 den Heimatverein gegründet hatten, bestand das Hauptanliegen darin, wieder ein Museum zu errichten“, erinnert sich Kirchert. Denn die Exponate des früheren Museums waren 1945 verbrannt.

Wenn er zurückblickt, dann ist die Einrichtung des neuen Museums durch den Verein das, was ihn besonders stolz macht. „Und wir kämpfen heute noch, um es offenzuhalten“, sagt er. Denn die öffentlichen Gelder werden knapper.

Friedrich-Skulptur entstand in Thailand

Ohne Kircherts Initiative würde heute auch nicht die Skulptur von Friedrich I. im Hohenzollernpark stehen – eine Kopie des Originals von 1894. Hergestellt wurde sie in Thailand. Doch nicht nur einmal zweifelte Kirchert, ob er die Skulptur je zu Gesicht bekommt.

„Wenn ich damals nicht schon graue Haare gehabt hätte, dann hätte ich sie garantiert bekommen“, sagt er schmunzelnd. Am Ende wurde alles gut und der Friedrich 2012 aufgestellt. „Ich würde mir allerdings wünschen, dass die Pflege von Denkmal und Park verbessert wird, denn dies lässt zu wünschen übrig“, appelliert der Heimatvereinschef an die zuständige Stadt Friesack.

Nächstes Jahr wird der Verein 25

Persönlich hat der nun 80-Jährige noch einige Wünsche. „Ich würde mich freuen, wenn ich nächstes Jahr meine diamantene Hochzeit und das 25-jährige Bestehen des Heimatvereins feiern könnte“, meint er. Im Herbst sind wieder Vorstandswahlen.

Gerne würde Kirchert den Vorsitz an einen Nachfolger abgeben. Aber der ist derzeit nicht in Sicht. „Ich werde es wohl noch einmal machen, sonst müsste ja der Verein aufgelöst werden.“

Von Andreas Kaatz

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