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Friesack Nistkästen schützen gefährdete Vögel
Lokales Havelland Friesack Nistkästen schützen gefährdete Vögel
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17:12 10.02.2019
Dohle (l.) und Schleiereule (r.) gehören zu den bedrohten Arten, auch der Bestand der Turmfalken geht zurück. Quelle: Vivien Tharun
Pessin

An einer Außenwand der Kirche Pessin hängt ein Schild: „Lebensraum Kirche“ steht darauf. Der Nabu Regionalverband Osthavelland hat der Kirche dieses Zertifikat verliehen, weil dort gefährdete Vogelarten wie Dohlen und Turmfalken Niststätten finden. Der Förderverein Dorfkirche Pessin ließ die entsprechenden Brutkästen anbringen und arbeitet mit dem örtlichen Nabu seit 2015 in punkto Vogelschutz zusammen.

So hielt Konrad Bauer vom Nabu am Samstag im Gemeinschaftsraum der Kirche einen Vortrag über den Schutz der sogenannten drei „Turmvögel“, die mit Vorliebe in Kirchen und alten Trafotürmen brüten. Zu diesen gehören der Turmfalke, die Dohle und die Schleiereule. „Viele wissen gar nicht, dass die Dohle in Brandenburg vom Aussterben bedroht ist und auf der Roten Liste steht“, sagte Bauer.

Konrad Bauer und Monika Weber vom Nabu Osthavelland. Bei ihrem Vortrag in Pessin konnten Tierschützer die Brutkästen von Tischlermeister René Holz kaufen. Quelle: Vivien Tharun

Da sie in Kolonien lebt, seien immer mehrere Vögel auf einmal zusehen, was den Eindruck vermittle, es gebe noch genügend. Auch die Schleiereule steht auf der Roten Liste, und der Turmfalke ist in der Vorstufe, da auch seine Bestände nach und nach zurück gingen.

Immer weniger Mäuse und Insekten

Die Gründe für das Aussterben sind laut Bauer, dass es immer weniger Lebensräume und Brutstätten gebe und dass auch die Nahrungsquellen stetig abnehmen würden. Immer mehr Scheunen würden so abgedichtet, dass Vögel nicht mehr hinein könnten. „Die Bekämpfung von Mäusen und Insekten lässt den Vögeln die Nahrung ausgehen oder die Küken sterben an mit Gift belasteten Beutetieren.“

Seit 2015 hat es sich der Regionalverband zur Aufgabe gemacht, Brutkästen für diese Vogelarten aufzuhängen, um zumindest dem Nistplatzmangel entgegen zu wirken. Unter anderem in der Dorfkirche Pessin bietet der Turm einen Lebensraum. Doch auch dort musste vor der Installation erst umgedacht werden.

Förderverein Dorfkirche Pessin engagiert sich im Vogelschutz

Vor einigen Jahren beschloss der Förderverein Dorfkirche Pessin, das Gebäude zu sanieren. Dabei stellte sich heraus, dass „der Turm von den Vögel völlig verdreckt war“, erzählte der Vorsitzende des Vereins, Andreas Flender. Laut Flender gab es zuerst Überlegungen, den Turm gegen Vögel abzudichten. Das hätte bedeutet, dass kein verirrtes Tier mehr hinaus findet. So trat der Förderverein mit dem Nabu in Kontakt, um eine Lösung zu suchen.

Die fand sich in Form von Nistkästen für Turmvögel. „Unser Hauptproblem waren die Tauben“, erklärte Flender. Sie machten den meisten Dreck und ließen sich schließlich dadurch verdrängen, dass Kästen für andere Vogelarten aufgestellt wurden. Die Dohlen zogen ein, die Tauben kamen nicht wieder. „Wir mussten erst einmal lernen, dass Dohlen schützenswert sind und nicht nur Unruhe stiften“, so Flender. Die Kästen sind so aufgehängt, dass die Tiere direkt hineinfliegen und nicht weiter in den Turm kommen.

Hohe Jungtiersterblichkeit

Betrachtet man die durchschnittliche Jungtiersterblichkeit, sei es nötig, mehr Nistplätze zu schaffen, weiß Konrad Bauer. Bei Dohlen sterben rund 48 Prozent der Küken, bei Turmfalken seien es 55 Prozent und bei Schleiereulen sogar bis zu 60 Prozent der geschlüpften Vögel. Marderschutz, jährliche Reinigung der bestehenden Kästen und Neubestückung geeigneter Gebäude seien darum grundlegend.

„Wenn wir eine Kirche mit neuen Nistmöglichkeiten versehen, gehören vier Kästen für Dohlen, einer für Schleiereulen und einer für Turmfalken zur Grundausstattung“, informierte Bauer. Im Vorjahr hat der Nabu in der Region insgesamt 34 neue Kästen installiert und sechs für Schleiereulen erneuert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Zahl der Jungvögel dieser Arten ging seit 2015 stetig nach oben. Wurden 2015 noch sieben Jungtiere bei den Schleiereulen gezählt, waren es 2018 bereits 24. Die Zahl der Turmfalkenküken stieg im gleichen Zeitraum von 15 auf 25. Bei den Dohlen lassen sich nicht so genaue Angaben machen, da ihre Nachkommen erst ab 2017 gezählt wurden. Da waren es 17 und 2018 schon 45. Die Jungtierzahlen beziehen sich auf ein Gebiet, das in etwa den Gebietsgrenzen des ehemaligen Altkreis Nauen entspricht.

Von Vivien Tharun

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