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Friesacker leben für ihre Stadt

Friesack Friesacker leben für ihre Stadt

Mit der Serie „MAZ zu Hause in...“ sind wir diesmal im Städtchen Friesack unterwegs. Dort gibt es zahlreiche Menschen, die sich für ihre Stadt engagieren. Entgegen den Prognosen nimmt die Bevölkerung dort nicht ab, sondern es gibt derzeit mehr Zu- als Wegzüge. Friesack hat auch reichlich Geschichte, wurde vor 800 Jahren erstmals urkundlich erwähnt.

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Neu entstanden ist in diesem Jahr die Waschecke auf dem Hof des Heimatmuseums. Annemarie Naethe (l.) und Anneliese Krei haben sich als Waschfrauen gekleidet.

Quelle: Privat

Friesack. „Wenn die Kindheit gut war, hast du eine gute Erinnerung an die Heimat“. Tobias Wollenberg hatte eine super Kindheit in Friesack. „Wir waren frei, hatten keine langen Wege, konnten Buden bauen, auf dem Bolzplatz toben.“ Der 36-Jährige ist einer, der nicht einfach nur schwelgt in Heimatliebe, er engagiert sich und stellt Veranstaltungen auf die Beine – das erste Mal, als er 17 war. Da begründete er mit Unterstützung des damaligen Jugendclubs das Frierockfestival. Mittlerweile ist er Stadtverordneter, steckt viel Herzblut in die Organisation des Fliederfestes und auch des Treckertreffens. „Ich konnte nie loslassen“, sagt er. „Die Organisation von Veranstaltungen ist ein Hobby von mir.“ Die Familie hat dafür Verständnis. Auch die Zusammenarbeit mit seinen Mitstreitern klappt gut. „Dann macht es Spaß, dann fetzt es“, sagt der Kunstschmied.

Geboren in Nauen, ist Wollenberg immer ein Friesacker gewesen, so wie Günter Kirchert. Der Chef des Heimatvereins ist dort sogar zur Welt gekommen. Schon frühzeitig befasste er sich mit Heimatgeschichte. Ihm ist es im Wesentlichen zu verdanken, dass das Heimatmuseum am Markt in diesem Jahr sein 20-Jähriges feiern konnte. „Wir haben nicht mehr ein einziges Stück aus dem 1902 gegründeten Museum, die Exponate waren 1945 unwiderbringlich verloren gegangen.“ Man hatte sie ins Herrenhaus an der Kleßener Straße ausgelagert, dort verbrannten sie.

Kirchert fing frühzeitig an zu sammeln – alte Fotos, Möbel, Werkzeuge, Geschirr und auch Nähmaschinen. Bei ihm zu Hause war Platz, ein privates Museum entstand. Nach der Wende sanierte die Stadt das abrissreife Fachwerkhaus am Markt, der Fundus von Günter Kirchert bildete den Grundstock fürs Museum. Er gehörte auch mit zu den Gründern des Heimatvereins. „Wir haben vor Kurzem den Hof umgebaut und eine Waschecke eingerichtet“, sagt der 78-Jährige, der auch dankbar ist für viele Exponate, die die Bürger dem Museum in den vergangenen Jahren zur Verfügung gestellt haben.

Das größte Husarenstück Kircherts war die Anfertigung der Skulptur von Kurfürst Friedrich I. im Hohenzollernpark. Der Weg bis dahin hatte ihm aber schlaflose Nächte bereitet. War es doch gar nicht sicher, dass die Figur bis zum 600. Jahrestag der Befreiung von Raubritter Dietrich von Quitzow 2014 aufgestellt werden kann. Sie sollte in Thailand in Bronze gegossen werden, doch dann meldete sich der Auftragnehmer nicht mehr. Ungewisse Wochen folgten. Dann schien alles gut zu werden. Die Figur wurde gegossen und verschifft, kam aber nie in Friesack an. Sie musste erneut angefertigt werden, bevor es ein Happy-End gab.

Anlässlich der Buga 2015 in der Havelregion erlebte parallel dazu auch der verwilderte Park seine Auferstehung. Auch dies ist ein Grund dafür, dass der ehrenamtliche Bürgermeister Klaus Gottschalk feststellen kann: „Friesack hat sich gut entwickelt.“ Zudem sind auch mehrere Millionen Euro an Fördermitteln in die Altstadtsanierung geflossen. Außerdem ist das Bahnhofsumfeld neu gestaltet worden. „Das Wichtigste an Friesack sind aber die Vereine, weil sie die Kultur der Stadt sind“, sagt er. Dazu zählen unter anderem der Karnevalverein, auch die Schützengilde. Gottschalk bedauert aber, dass der Pumpenverein nicht mehr existiere.

Angesichts der positiven Entwicklung ärgert es Gottschalk, dass eine Reihe von Bürgern nicht das Positive sieht. „Sie gucken nur auf die Dreckecken, nicht auf das, was geschaffen wurde.“ Er will noch einiges erreichen für Friesack und freut sich, dass ein stetiger Zuzug zu beobachten ist. Die Bevölkerungszahl trotzt damit den Prognosen, die einen Abwärtstrend vorhergesagt haben. In letzter Zeit seien südlich der Kleßener Straße wieder mehr Grundstücke für Einfamilienhäuser verkauft worden. Auch in der Altstadt sei noch Platz zum Bauen. Dass im Stadtbild immer mehr Kinderwagen zu sehen sind, ist für ihn ein Trend, der anhalten wird. „Ich möchte deshalb, dass ein neues Hort- oder Kita-Gebäude neben der Kita entsteht.“ Jedoch weiß er noch nicht, wie das zu finanzieren wäre.

Wohl fühlt sich in Friesack auch Gisela Himburg. „Man kann hier gut leben, es gibt zwei Supermärkte, zwei Ärzte.“ Dabei hat die 89-Jährige schon ganz andere Zeiten in Friesack erlebt. „Bis 1939 war Friesack ein lebendiges Städtchen. In der Berliner Straße gab es Geschäft an Geschäft.“ Vier Konfektionsläden, sechs Fleischer, zwölf Kneipen existierten zu der Zeit in der Stadt. „Und die haben alle gelebt.“ Das größte Haus am Platz sei bis zum Krieg der „Märkische Hof“ mit Hotel, Restaurant und Café gewesen, weiß Gisela Himburg noch. Sie selbst hatte 1943 eine Lehre im Rathaus begonnen, arbeitete später unter anderem an der Ingenieurschule für Landtechnik.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass auch Friesack vor 800 Jahren erstmals erwähnt worden ist, woran zum Fliederfest 2017 erinnert werden soll. „Einen Umzug gibt es nicht, aber wir werden einen Programmpunkt haben, der darauf Bezug nimmt“, verspricht Tobias Wollenberg.

Von Andreas Kaatz

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