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Havelland Friseure fürchten leere Salons
Lokales Havelland Friseure fürchten leere Salons
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22:08 23.07.2013
Ein leeres Geschäft wird hoffentlich trotz Preiserhöhung nicht zur Gewohnheit werden. Quelle: Christin Schmidt
Rathenow

Noch gibt es sie, die Superschnäppchen beim Friseur. Waschen, Schneiden, selber Föhnen für zehn Euro. Ab 1. August dürfte damit in vielen Geschäften Schluss sein.

Ab dann gilt der neue "Tarifvertrag zur Regelung der Mindestentgelte im Friseurhandwerk". Darauf haben sich die Gewerkschaft Verdi, die freien Friseurvereinigungen CAT und VDF, die Klier GmbH sowie die meisten Vorsitzenden der Landesverbände am 10. Juni geeinigt, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Handwerksblattes. Im Osten des Landes sollen Friseure einen Mindeststundenlohn von 6,50 Euro erhalten, im Westen 7,50 Euro. Ab 2015 sollen bundesweit 8,50 Euro gezahlt werden.

Es sind also nur noch wenige Tage bis der Tarifvertrag in Kraft tritt. Dennoch scheint unter Friseuren die Verunsicherung groß. Denn eine offizielle Mitteilung des Landesinnungsverbandes gibt es bis heute nicht. Nicht nur die Geschäftsführer der rund 60 Friseurgeschäfte im Westhavelland sind ratlos. Auch Rainer Deutschmann, Mitarbeiter der Kreishandwerkerschaft und zuständig für die Außenstelle in Rathenow, fühlt sich allein gelassen. "Eigentlich sollte ich die Arbeitgeber vertreten und sie beraten, aber ich habe noch nicht mal etwas Schriftliches." Das Telefon habe in den letzten Wochen häufig geklingelt. Alle seien nervös, so Deutschmann. Er selbst ist auch unsicher. So viel er weiß, gilt der Tarifvertrag nur für Innungsmitglieder, die zudem Mitglied in der Gewerkschaft sind, aber es sei noch nichts amtlich.

Ob teuer oder nicht, einen Friseur braucht jeder. Quelle: Christin Schmidt

Von den neun Innungsmitgliedern im Westhavelland gehört kein einziges einer Gewerkschaft an. Heißt das, dass die Region vom neuen Mindestlohn unberührt bleibt? "Meines Wissensstandes nach, ja. Aber der zählt nicht", sagt Deutschmann. Er selbst habe bereits versucht bei der Landesinnung der Friseure eine Auskunft zu bekommen, jedoch vergebens.

Nicht nur bei Innungsmitgliedern sorgt die neue Mindestlohnvereinbarung für Unsicherheit. Auch Christiane Knichal beunruhigt die Situation. Die 59-Jährige führt einen Salon in der Rathenower Goethestraße. Vergangene Woche stellte sie ein Hinweisschild für ihre Kunden auf und wies darauf hin, dass aufgrund des Mindestlohnes ab 1. August die Preise steigen werden. Christiane Knichal wird freiwillig ihren Angestellten 6,50 Euro zahlen. Zum einen habe sie Bedenken, dass eine Strafe fällig wird, wenn sie die Löhne nicht anpasst. Zum anderen will sie ihre Mitarbeitr fair entlohnen. Von der Handwerkskammer habe auch sie keine Informationen gekommen. Wie die meisten hat sie ihr Wissen aus den Medien und von ihrem Steuerberater. Der hat sie angehalten, sich an den Tarifvertrag zu halten.

Den neuen Mindestlohn will auch Karin Voigt zahlen. Sie betreibt den Salon am Goetheplatz, eines von fünf Friseurgeschäften in Rhinow und zahlt ihren Angestellten derzeit sechs Euro. "Wer fleißig arbeitet, soll entsprechend entlohnt werden", findet Karin Voigt. Auch sie ist kein Innungsmitglied. Letzlich kämpfe doch jeder für sich. Für ihre Kunden wird die Preissteigerung überschaubar bleiben, da sie bereits einen für die Branche relativ hohen Stundenlohn zahlt. Mit etwa 50 Cent mehr pro Leistung müssen ihre Kunden dennoch rechnen.

Deutlich stärker dürften die Preise in Salons steigen, in denen Angestellte für 3,50 Euro arbeiten. Ein Stundenlohn der durchaus nicht unüblich ist, wie Rainer Deutschmann und auch Bianka Zick bestätigen. Zick betreibt ebenfalls ein Geschäft in der Rathenower Goethestraße. Sie ist selbst Innungsmitglied und war jahrelang Obermeisterin der Rathenower Innung. Wenn es dabei bleibt, dass der Mindestlohn nur für Innungsmitglieder gilt, wäre das eine Katastrophe, ein absolute Ungerechtigkeit, so Zick. Auch für Deutschmann ist die Regelung eine grobe Wettbewerbsverzerrung. Tatsächlich wird so der Anreiz geschaffen, aus der Innung auszutreten. Genau das befürchtet Deutschmann. Dabei gebe es zahlreiche Vorteile für Mitglieder.

Dass der Mindestlohn an sich etwas Gutes ist, darüber sind sich die meisten einig. "Alle jammern, die armen Friseure bekommen so wenig Geld. Aber kaum jemand ist bereit mehr zu zahlen", erklärt Karin Voigt. Die Zeiten in denen ein Haarschnitt Dank Subventionierung 1,35 Mark kostete, seien nun mal vorbei. Während Zick, Voigt und Knichal befürchten, der Mindestlohn könne zu noch mehr Schwarzarbeit führen, glaubt Deutschmann, dass genau dieses Problem eingedämmt wird: "Wer nicht genug verdient, geht nach Feierabend schwarz arbeiten. Wenn alle den Mindestlohn zahlen, wäre das nicht mehr nötig."

Gerade einmal zwei Preiserhöhungen hat Karin Voigt ihrer Kundschaft in 17 Jahren zugemutet. Und das, obwohl sämtliche Nebenkosten und vorallem die Preise der Produkte gestiegen sind. Angst vor dem Mindestlohn habe sie nicht. Auch wenn manch ein Kunde vielleicht mosert. Rainer Deutschmann glaubt, dass sich alle an die Preissteigerung gewöhnen. So sei es auch in anderen Branchen gewesen. Ob die Kunden den Friseurbesuch künftig hinaus zögern werden, um Geld zu sparen, bleibt abzuwarten. Bei Christiane Knichal hat sich jedenfalls noch kein Kunde über das Hinweisschild mit der Preiserhöhung echauffiert.

Von Christin Schmidt

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