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Havelland Früher Leseratte, heute Bibliotheksleiterin
Lokales Havelland Früher Leseratte, heute Bibliotheksleiterin
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11:48 26.02.2018
Ulrike Wünsch verbrachte schon als kleines Mädchen viel Zeit zwischen den Bücherregalen in der Stadtbibliothek Rathenow.   Quelle: Christin Schmidt
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Rathenow

Mehr als 40 Jahre ist es her, dass Ulrike Wünsch als Dreikäsehoch zwischen den Bücherregalen der Rathenower Stadtbibliothek saß und ein Buch nach dem anderen verschlang. Die Einrichtung war damals noch in der Rosa-Luxemburg-Straße untergebracht und für das Mädchen eine Art zweites Zuhause.

Während ihre Mutter als Bibliothekarin in der Abteilung Methodik im Keller sich um den Austauschbestand kümmerte, stöberte Ulrike Wünsch erst in Bilderbüchern, später in den Kinder- und Jugendbüchern. „Ich habe mich durch den gesamten Kinderbuchbestand gefressen“, erinnerte sich die 50-Jährige mit einem Lächeln und fügt hinzu: „Seit sie denken kann, habe ich Zeit in der Bibliothek verbracht. Den Geruch von damals habe ich noch immer in der Nase.“

Inzwischen leitet sie seit elf Jahren selbst die Stadtbibliothek. Für Ulrike Wünsch ein absoluter Traumberuf. „Ich konnte mir schon als kleines Mädchen nichts Schöneres vorstellen, als in der Kinderbuchabteilung zu arbeiten“. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ulrike Wünsch liebt ihre Arbeit, das dürften auch die rund 1700 Leser bestätigen, denen sie gern mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch ihre Leidenschaft für die Kinderbuchabteilung ist nicht erloschen. Nach wie vor ist das ihr Lieblingsort in der Einrichtung am Schleusenplatz.

Sterntaler für den Sommerleseclub

Jedes Jahr in den Sommerferien ermöglicht die Rathenower Stadtbibliothek allen Kindern ein besonders Leseabenteuer.

Im Rahmen des Sommerleseclubs können sie sich kostenlos die neuesten Bücher ausleihen und nach Herzenslust schmökern.

Um dieses Projekt zu realisieren, benötigt der Förderverein der Stadtbibliothek jedes Jahr aufs Neue rund 3000 Euro. In diesem können MAZ-Leser dabei helfen.

Im Rahmen der Sterntaler-Aktion kann jeder spenden.

Einfach die gewünschte Summe auf das Konto des Fördervereins bei der Volksbank Rathenow, IBAN: DE 54 1609 1994 0001 1246 41 überweisen.

Um hier arbeiten zu dürfen, hat sie bereits als Schülerin Praktika absolviert. 1986 bis 1988 ließ sie sich zum Bibliotheksfacharbeiter ausbilden. Den praktischen Teil absolvierte sie in der Bibliothek ihrer Heimatstadt, für die Theorie fuhr sie jeden zweiten Monaten nach Thüringen, um an der zentralen Berufsschule für Bibliothekswesen zu lernen.

Nach ihrem Abschluss konnte Ulrike Wünsch zwei Jahre lang Praxiserfahrungen in der Kinderbibliothek sammeln. Dann kam die Wende. „Es war abzusehen, dass der Markt zusammenbricht und viele Absolventen keinen Anstellung finden. Deshalb hatte ich mich für ein Fernstudium entschieden und nebenbei weitergearbeitet. Mein großes Ziel war ja nach wie vor Bibliothekarin zu werden“, so Wünsch.

Fünf Jahre später setzte sie dieses Ziel um und machte ihren Abschluss. Mittlerweile ist sie seit mehr als 30 Jahren in der Rathenower Bibliothek angestellt. „Es ist wirklich eine Art zweites Zuhause für mich“, gesteht Wünsch.

Seit 1997 ist die Stadtbibliothek Rathenow in diesem Haus am Schleusenplatz untergebracht. Quelle: Christin Schmidt

Mit großem Enthusiasmus organisiert sie seit Jahren mit Unterstützung ihrer Kollegen und den Mitgliedern des Fördervereins Projekte wie den Sommerleseclub, den Vorlesewettbewerb oder lädt Schulklassen und Kitagruppen ein, um sie für die Welt der Bücher zu begeistern.

Sie hat stets im Blick, welche Kinderbücher auf dem Markt kommen und sie weiß, was die Jungen und Mädchen lesen wollen. Hin und wieder versucht sie auch dem Nachwuchs jene Bücher schmackhaft zu machen, die sie selbst als Kind liebte. „Mein absolutes Lieblingsbuch war das ,Doppelte Lottchen’ von Erich Kästner. Ich kann mich noch daran erinnern, dass die Seiten des Bibliotheksexemplars damals schon ganz mürbe waren und dass das Buch immer wieder geflickt wurde. Ich fand die Geschichte mit dem Rollentausch als Kind einfach so faszinierend, dass ich sie zig Mal gelesen haben.“

So viel wie früher würde sie heute zwar nicht mehr, ganz einfach weil das Familienleben mit vier Kindern dafür nur noch wenig Zeit übrig lässt. „Aber den Kindern vorzulesen und zum Einschlafen selbst ein Buch in die Hand zu nehmen, das ist ein Muss“, sagt Ulrike Wünsch.

Von Christin Schmidt

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