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Todbringende Kollisionen

Für Vögel sind Stromleitungen lebensgefährlich Todbringende Kollisionen

Hochspannungsleitungen stellen für Vögel eine große Gefahr dar: Jüngst fanden bei Möthlow rund 100 Kraniche in einer Leitung den Tod (MAZ berichtete). Torsten Langgemach, Leiter der staatlichen Vogelschutzwarte Buckow, erklärt, warum die Leitungen so gefährlich sind – und was getan werden kann, um das tödliche Risiko zu verringern.

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Die Leitung, an der bei Möthlow hundert Kraniche den Tod fanden, führt durchs havelländische Luch.

Quelle: Franziska Resch

Havelland. Das Foto von den toten Kranichen, die bei Möthlow nach einer Kollision mit einer Hochspannungsleitung verendeten, hat viele MAZ-Leser schockiert. Vor allem das Ausmaß – rund 100 Vögel fanden auf einmal den Tod – sorgt für Verwunderung und Entsetzen. Auch Torsten Langgemach, Leiter der Staatlichen Vogelschutzwarte in Buckow, kann sich an einen Vorfall dieser Größenordnung nicht erinnern. „Das ist ein extrem ungewöhnlicher Fall“, sagt er. Es sei zwar nicht überraschend, dass Vögel an Hochspannungsleitungen zu Schaden kommen. Aber dass so eine große Gruppe auf einmal betroffen ist, sei die absolute Ausnahme.

Der Vorfall hatte sich Mitte Dezember ereignet. Eine Reiterin hatte die verendeten Kraniche in einem Feld bei Möthlow unmittelbar unter einer 220-kV-Freileitung entdeckt und den Vorfall gemeldet. Langgemach zufolge kommt als Todesursache nur eine Kollision mit der Leitung in Frage. Andere Interpretationen aus der Bevölkerung, etwa Vergiftung, lassen sich ausschließen. Die Kraniche hätten eine wassergefüllte Senke unweit der Leitung als Schlafgewässer genutzt. Entweder seien sie beim Anflug auf das Nachtlager in die Leitung geraten. Wahrscheinlicher sei aber, dass sie durch irgendeinen Vorfall aufgeschreckt wurden, in Panik hochgestiegen und dabei in die Leitungen geflogen seien. Möglicherweise sei es zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht nur dunkel, sondern auch neblig gewesen. In der Tat gab es an den Tagen vor dem Fund eine entsprechende Wetterlage. Das könnte erklären, warum der Schwarm die Leitung schlichtweg übersehen hat.

Die toten Kraniche unter der Freileitung bei Möthlow

Die toten Kraniche unter der Freileitung bei Möthlow.

Quelle: privat

Wenn ein relativ großer, schwerfälliger Vogel wie der Kranich in eine Hochspannungsleitung fliege, dann ende das in der Regel tödlich, so Langgemach. „Die Vögel brechen sich die Flügel“, sagt er. Nicht immer seien sie nach einer Kollision sofort tot, sondern erlägen oft erst am Boden qualvoll ihren Verletzungen. Oder sie fallen Beutegreifern wie dem Fuchs zum Opfer.

Von den relativ dicken, stromführenden Leiterseilen geht übrigens nicht die größte Gefahr für Vögel aus. Die fatalen Kollisionen ereignen sich den Experten zufolge viel öfter an den dünnen Erdseilen, die über die eigentlichen Stromleitungen gespannt sind. Es gebe Aufnahme von Gänsen, die an einer Hochspannungsleitung hochziehen, um den stromführenden Kabeln auszuweichen und dann in das dünne Erdseil darüber knallen, das sie übersehen haben, sagt Langgemach. Weil das Problem bekannt ist, versehen Energieversorger die Erdseile mit unterschiedlichen Markierungen. Auch das Seil der betroffenen Leitung bei Möthlow sei markiert gewesen, so Langgemach. Allerdings verliere eine solche Markierung bei schlechter Sicht ihrer Wirkung.

„Einen hundertprozentigen Schutz bei Überlandleitungen gibt es nicht“, sagt Langgemach. Auch Trappen seien den Leitungen immer wieder zum Opfer gefallen. Auszuschließen sei das tödliche Risiko nur mit einer Maßnahme: Der Verlegung der Leitungen in die Erde. Bei Mittelspannungsleitungen ist dies eine regelmäßig praktizierte Option, wie der gegenwärtig laufende Rückbau einer Freileitung südlich von Nennhausen bis Gräningen zeigt. Hier ist die Vogelschutzwarte mit einer Liste registrierter Vogelkollisionen an den Betreiber E.On edis herangetreten und stieß auf offene Ohren. Dort haben die Vögel jetzt freie Bahn. Im Hochspannungsbereich sind entsprechende Maßnahmen deutlich aufwändiger und teurer.

Vogelschutz an Freileitungen

In der Berner Konvention aus dem Jahr 2004 wurden Richtlinien zum Vogelschutz an Freileitungen festgelegt. Diese umfassen folgende Kernpunkte:

Mittelspannungsmasten, von denen eine große Gefahr ausgeht, sollen nachgerüstet (Einbau von Isolatoren u.ä.) oder durch sichere Masten ersetzt werden..

Empfehlung von Erdverkabelungen, besonders in Gebieten von besonderer ornithologischer Bedeutung, in Schutzgebieten sowie in Gebieten des ökologischen Netzwerkes Natura 2000

Besonders gefährdende Leitungen sollen mit deutlich sichtbaren Markierungen versehen werden.

In bedeutsamen Vogelgebieten sollen bei Trassenplanungen alternative Streckenführungen geprüft werden, wobei mindestens einjährige vogelkundliche Untersuchungen durchgeführt werden sollen.

Bisher sind dem Abkommen 45 Staaten beigetreten. Deutschland hat die Konvention in nationales Recht umgesetzt. (Quelle: Nabu)

 

Von Markus Kniebeler

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