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Für die Quitzows eine Lanze gebrochen

800 Jahre Rathenow Für die Quitzows eine Lanze gebrochen

Der Historiker Clemens Bergstedt hat im zweiten Vortrag der Reihe „8 für 800“ über die Stadt Rathenow in der Quitzow-Zeit gesprochen. Dabei hat er mit einem alten Vorurteil aufgeräumt. Die Adelsfamilie sei von der Geschichtsschreibung fälschlicherweise als Raubritter gezeichnet worden. Er nannte auch den Grund für diese üble Darstellung.

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Clemens Bergstedt im Blauen Saal des Kulturzentrums kurz vor Beginn seines Vortrags.

Quelle: Bernd Geske

Rathenow. Einige wichtige Episoden in der Geschichte der 800-jährigen Stadt Rathenow, vielleicht sogar der ganzen Mark Brandenburg, müssen noch einmal neu bewertet werden. Das ist das eindeutige Ergebnis des Vortrags, den Clemens Bergstedt, promovierter Historiker und Leiter der Bischofsresidenz Burg Ziesar, am Dienstagabend im Blauen Saal des Kulturzentrums gehalten hat. Sein Thema lautete „Rathenow in der Quitzow-Zeit“. Es war der zweite von insgesamt acht Vorträgen unter dem Motto „8 für 800“, die dem Stadtjubiläum gewidmet sind. Annähernd allen geschichtlichen Publikationen über die Quitzows – die bislang vorliegen – ist zu entnehmen, dass sie gar üble Raubritter gewesen sein sollen.

Der Blaue Saal des Kulturzentrums war mit 200 Zuhörern voll besetzt

Clemens Bergstedt nun hat vor allem für die Brüder Dietrich und Johann von Quitzow eine Lanze gebrochen, die meist zuerst genannt werden, wenn es um diese Familie geht. Er habe in dem Bereich in letzter Zeit einige Forschungen unternommen, teilte er im mit 200 Zuhörern voll gesetzten Blauen Saal mit. Demnächst werde er seine Ergebnisse auch in schriftlicher Form publizieren, aber hier und heute stelle er sie erstmals öffentlich dar. Der aufs Mittelalter spezialisierte Historiker nahm den einstigen Brandenburger Stadtschreiber Engelbert Wusterwitz aufs Korn, der 1433 starb. Auf dessen schriftliche Aufzeichnungen gehen so gut wie alle späteren Darstellungen über das Leben der Quitzows zurück, erklärte er. Jeder unvoreingenommene Leser könne erkennen, dass Wusterwitz offenkundig eine adelsfeindliche Perspektive einnahm.

Die nächsten Vorträge der Reihe „8 aus 800“

Am 12. April spricht Felix Engel von der Universität Potsdam über die Reformation in Rathenow.

Am 10. Mai referiert Frank Göse von der Universität Potsdam über das Städtewesen in der Frühen Neuzeit am Beispiel von Rathenow.

Am 14. Juni spricht Udo Geiseler vom Jahngymnasium über Rathenow, das Havelland und die Residenzlandschaft Berlin-Potsdam in der Frühen Neuzeit.

Alle Vorträge finden dienstags im Kulturzentrum statt und beginnen um 18 Uhr.

Warum das so war und wieso sich dessen Abneigung besonders auf die Quitzows bezog, das erklärte der Historiker so: Im Jahre 1410 habe Engelbert Wusterwitz als Vertreter der Stadt Brandenburg einen Rechtsstreit um Fischereirechte gegen Johann von Quitzow verloren, deshalb habe er später in seinen Aufzeichnungen dessen Familie als besonders raffgierig und gewalttätig erscheinen lassen. „Wusterwitz lässt an Dietrich und Johann von Quitzow kein gutes Haar“, hat Clemens Bergstedt betont, „dabei waren sie nicht schlimmer als andere Adlige damals auch.“ Es sei völlig üblich gewesen, an Raubzügen teilzunehmen. Und der Stadt Rathenow, die von 1409 bis 1414 an die Quitzows „verpfändet“ worden war, wie man damals sagte, sei es in dieser Zeit gar nicht so schlecht ergangen.

Selbstverständlich lenkte der Vortragende dann die Aufmerksamkeit seines Publikums auch auf jene Ereignisse zurück, die für Rathenow, die Quitzows und die ganze Mark Brandenburg richtungsweisend gewesen sind. Nachdem der Nürnberger Burggraf Friedrich VI. aus dem Hause Hohenzollern von König Sigismund zum Hauptmann der Mark Brandenburg ernannt worden war, zog er im Februar 1414 mit starken Militärkräften ein, um die Mark zu „befrieden“. Weil die Quitzows angeblich so wilde „Raubritter“ waren, soll er ihre vier Burgen Friesack, Plaue, Golzow und Beuthen gleichzeitig belagert und erobert haben.

Friedrich VI. war nicht so friedliebend, wie er immer dargestellt wird

Die behauptete Raubritterschaft der Quitzows sei mitnichten der wichtigste Grund Friedrichs VI. für diese kriegerische Maßnahme gewesen, hielt Clemens Bergstedt nun entgegen. Es sei ihm einzig und allein um die Durchsetzung seiner Macht gegangen. Bereits zwei Jahre zuvor habe sich Friedrich beim Deutschen Orden eine „Steinbüchse“ bestellt, um die Burgmauern unter anderem von Friesack zerschießen zu können. Es sei also alles von langer Hand geplant gewesen. Friedrich sei keineswegs so friedliebend gewesen, wie er dargestellt werde. Auch unter seiner Herrschaft hätten die Raubzüge in der Region um Rathenow nicht aufgehört.

Von Bernd Geske

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