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Projekt schafft Platz für Lerche und Kiebitz

Ribbeck Projekt schafft Platz für Lerche und Kiebitz

Der Havelländer Landwirt Peter Kaim nimmt an einem innovatives Landwirtschaftsprojekt teil, das vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium des Bundes gefördert wird. Es soll die Artenvielfalt auf den intensiv genutzten Flächen fördern. Und es fordert erst einmal ein Umdenken.

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Mohn- und Kornblumen am Feldesrand sind schön anzuschauen, Artenvielfalt umfasst noch mehr.

Quelle: Patrick Pleul

Berge. Franz. Ausgerechnet. Der etwas altmodische Name steht seit Kurzem für ein innovatives Landwirtschaftsprojekt das vom Umwelt- und Landwirtschaftsministerium des Bundes gefördert wird.

F.R.A.N.Z. ist eine Abkürzung: „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft und Naturschutz mit Zukunft“. Im Kern geht es darum, auch auf landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen eine möglichst große Artenvielfalt zu erreichen. Ende 2016 ging das Projekt an den Start. Bundesweit nehmen zehn Höfe teil.

Zu diesem erlesenen Kreis gehört auch der Havellandhof Ribbeck von Peter Kaim. „Ich bin Anfang 2016 vom Kreisbauernverband gefragt worden, ob ich nicht eine Bewerbung für das Projekt abgeben will“, sagt Kaim. Im März kam dann die Bestätigung , dass sein Betrieb von den Wissenschaftlern ausgewählt wurde.

Peter Kaim aus Ribbeck nimmt an dem Projekt teil

Peter Kaim aus Ribbeck nimmt an dem Projekt teil.

Quelle: Ralf Stork

Bis Sommer waren alle Modalitäten geklärt: Zehn Jahre lang wendet Peter Kaim in seinem Betrieb Maßnahmen an, die die Artenvielfalt auf den Flächen fördern sollen. Ob und wie das tatsächlich auch gelingt, wird in einem regelmäßigen Monitoring von Wissenschaftlern überprüft. Die Teilnahme an dem Projekt bedeutet mehr Arbeit bei geringerem Umsatz. Schließlich wirft ein Blühstreifen weniger Ertrag ab als ein vergleichbar großes Rapsfeld. So lange das Projekt läuft, bekommt Kaim die Mehrkosten erstattet.

„Ich bin gerne bei ,Franz’ dabei, weil das Projekt meinem eigenen Ansatz als Landwirt entspricht“, so Kaim. Zu seinem Betrieb gehören nicht nur Ackerflächen, sondern auch 150 Milchkühe und eine Biogasanlage, die 800 Menschen mit Strom und 22 Objekte mit Wärme versorgt. Sein Idealbild ist eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft: Kuhmist und Grünschnitt landen in der Biogasanlage und die Rückstände der Anlage als wertvoller Dünger wieder auf den Feldern. „Wir versuche mit den Ressourcen möglichst schonend umzugehen. Das gilt auch für die Böden“, sagt Kaim. Die Ackerflächen sind schließlich sein Kapital und sollten deshalb nicht ausgelaugt oder überdüngt oder ständiger Erosion ausgesetzt sein.

Im ersten Projektjahr wurden auf etwa fünf Prozent der Fläche Umweltmaßnahmen durchgeführt. In den kommenden Jahren soll der Anteil auf zehn Prozent steigen. Unter anderem wurden und werden rund 70 sogenannte Lerchenfenster angelegt – knapp 40 Quadratmeter große vegetationsfreie Flächen inmitten der Felder, auf denen die Vögel einfliegen können. Auch für Kiebitze wird ein etwa ein Hektar großes Stück Acker nicht bewirtschaftet. Auf so einer Kiebitzinsel haben im vergangenen Jahr immerhin zwei Paare erfolgreich gebrütet.

Weitere Maßnahmen im Projekt: Blühstreifen auf insgesamt acht Hektar Fläche, zehn Hektar sogenannte Altgrasstreifen, ein 18 Meter breiter Blühstreifen zum Schutz von Gewässerrändern und ein Maisacker, der mit Stangenbohnen untersetzt ist.

Bei fast allen Veränderungen, die auf den Flächen getroffen werden, geht es darum, für möglichst viele Arten zusätzlichen Schutz und Nahrung zu schaffen: Blühstreifen, Hecken und Gehölze sind für Insekten und Vögel eine wichtige Nahrungsgrundlage. Ansonsten ist das Angebot an Blühpflanzen in der Agrarlandschaft eher überschaubar und zeitlich stark beschränkt.

Weil die Blühstreifen höchstens nur ein Mal im Jahr gemäht werden und in Teilen auch über den Winter stehen bleiben, sind sie auch wichtige Rückzugsgebiete für viele weitere Arten – zum Beispiel Feldhasen.

„Durch die zusätzlichen Schutzmaßnahmen habe ich etwa vier Prozent weniger Umsatz“, sagt Kaim. Die nächsten Jahre wird die Differenz noch durch das Projekt beglichen. Für die Zeit danach hofft Kaim darauf, dass das zusätzliche Umweltengagement der Landwirte durch Fördermittel finanziert werden kann.

Die Maßnahmen, die auf seinem und den anderen F.R.A.N.Z.-Höfen erprobt werden, sollen in Zukunft ja möglichst in allen Betrieben Anwendung finden. Das dürfte mit Sicherheit aber nur dann gelingen, wenn die Landwirte nicht auf den Mehrkosten sitzen bleiben.

Von Ralf Stork

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