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Als Nauen die Welt umarmte

Blick und die Rundfunksendestelle Als Nauen die Welt umarmte

Am Tag des offenen Denkmals kamen hunderte Besucher in der Rundfunksendestelle von Nauen, um sich fachlich und historisch durch die Geschichte des Ortes führen zu lassen. Ab 1906 wurden hier Funksignale um die Welt gesendet.

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Sendestellenleiter Matthias Quolke informierte beim Tag des offenen Denkmals über neue und alte Technik.

Quelle: Wolfgang Balzer

Nauen. Der Funkdirektor führte höchstpersönlich über das Gelände. Am gestrigen Tag des offenen Denkmals nutzten mehrere hundert Besucher die Gelegenheit, die sonst für die Öffentlichkeit nicht zugängliche älteste noch bestehende Sendeanlage der Welt bei Nauen in Augenschein zu nehmen. Wolfgang Johl, Vorsitzender der Nauener Heimatfreunde und selbst ehemaliger Mitarbeiter, schlüpfte in die Rolle und Garderobe des Funkdirektors und führte durch die Anlage.

Geduldig und fast zwei Stunden lang musste auch Sendestellenleiter Matthias Quolke die Fragen der Technikbegeisterten beantworten. Dabei ging es um Digital- und Analogtechnik, LTE, Satellitennutzung, Kurz-, Lang- und Mittelwellen. So hieß es in der Steuerzentrale auf einer wandhohen Skizze dann auch ganz ohne Übertreibung „Die Welt um Nauen“.

Allerdings galt das schon rund zwei Jahre nach der Aufnahme des operativen Betriebes am 16. August 1906. 1908 wurden mit den Funksignalen Reichweiten bis in die Nähe von Teneriffa erreicht, aufgefangen immerhin 3600 Kilometer von Nauen entfernt von einem Schiff. 1911 gelang dann die erste Funkverbindung mit der Funkstation Kamina in der damaligen Deutschen Kolonie Togo.

Das alles war auch für die Berlinerin Ingrid Beck hochinteressant. Ihr Vater habe während des ersten Weltkrieges bei Berlin versucht, sogar mit einer fahrbaren Funkstation die Erdölgebiete im Kaukasus zu erreichen, erzählte sie. Heiterkeit löste Wolfgang Johl mit seiner Bemerkung aus: „Egon schmeiß mal Kohle rauf“, obwohl es ganz ernst gemeint war. Wie auf einem historischen Foto dokumentiert, wurde anfangs der Strom im Sendergebäude, einem leichten Fachwerkhaus, von einer Lokomobile mit einer Leistung von 35 PS erzeugt, da die Station keinen eigenen Stromanschluss hatte. Von dieser alten aber sehr leistungsfähigen Sendetechnik war auch Daniela Görges-Ullrich aus Falkensee begeistert.

Der Sendeinspektor erzählte gerade vom „Nauener Zeitzeichen“. Es wurde ab 5. Januar 1917 versuchsweise mit einem Tonfunksender auf einer Wellenlänge von 4800 Meter in die Welt geschickt. Ab 1924 übernahmen die Kurzwellensender statt der bis dahin üblichen Maschinensender die Verbindung mit den Empfangsstationen der Welt.

1932 wechselte der Besitzer des Nauener Funkamtes. Es wurde für 32 000 Mark von der Reichspost gekauft. Die Entwicklung der Technik ging weiter. Im Zweiten Weltkrieg dienten die Längstwellensender der Station hauptsächlich zur Übermittlung von Befehlen an getauchte U-Boote. Nach Kriegsende ließ die sowjetische Besatzungsmacht die Sendetechnik demontieren, die Sendemasten wurden gesprengt.

Christa Kaeser und ihr Gatte (Jahrgang 1930) sind alte Nauener und sind Zeitzeugen für die damalige Situation. „Mein Mann war damals 15 Jahre alt. Er wurde von der sowjetischen Besatzungsmacht verpflichtet, bei der Demontage mitzuhelfen“, erzählte Christa Kaeser beim Rundgang. Da interessiere sie natürlich, wie es heute im ehemaligen Funkamt aussieht und sie war froh, beim Tag des offenen Denkmals das heute unter Denkmalschutz stehende eindrucksvolle Haus besuchen zu dürfen.

Von Wolfgang Balzer

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