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„Fusion ist für uns kein Thema“

Befragt: Ketzins Bürgermeister Bernd Lück „Fusion ist für uns kein Thema“

Drei Konfikte haben sich in Ketzin in jüngster Zeit aufgebaut. Es geht um Kita- und Friedhofsgebühren, die den Stadtverordneten zu hoch erscheinen und um das Verbot für Motorboote im Brückenkopf. Der Bürgermeister und die Verwaltung stehen in der Kritik.

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Ladendiebstahl in Elstal verhindert

Bürgermeister Bernd Lück.

Quelle: Foto: Jens Wegener

Ketzin/Havel. Im sonst so harmonischen Ketzin gab es jüngst mehrere Streitthemen: das Fahrverbot für Motorboote am Brückenkopf, die Kita- und die Friedhofsgebühren. Trotzdem ist die Stadt auf einem guten Weg.

MAZ: Ketzin liegt am Wasser, viele Einwohner haben Boote. Warum legen Sie sich als Bürgermeister mit potenziellen Wählern an, in dem die Stadtverwaltung das Befahren der Kanäle am Brückenkopf untersagt?

Bernd Lück: Erstens haben wir auf Anweisung der Unteren Wasserbehörde des Landkreises gehandelt. Zweitens haben wir dieses Wassergesetz, wonach diese Gewässer nicht schiffbar sind, nicht gemacht. Drittens habe ich vor einigen Tagen veranlasst, dass die Schilder entfernt werden, bis eine Entscheidung im Ministerium fällt.

Fürchten Sie nicht Konsequenzen vom Landkreis?

Lück: Wenn die Untere Wasserbehörde uns eine Anweisung zu dem Thema schickt, habe ich etwas in der Hand, um es den Bürgern zeigen zu können. Eine Lösung des Problems gibt es hoffentlich, wenn wir gemeinsam mit der Bürgerinitiative noch mal ins Ministerium gehen und die alten Dokumente vorlegen, nach denen große Teile des Brückenkopfes immer schiffbar waren.

Es gibt derzeit zwei weitere Konflikte zwischen Verwaltung, Stadtverordneten und Bürgern. Die von der Verwaltung vorgegebenen Kita- und die Friedhofsgebühren wurden erstmal vom Tisch gewischt…

Lück: Wer denkt, dass die Stadtverwaltung sich solche Gebühren ausdenkt, der irrt. Es gibt natürlich entsprechende Kalkulationen. Wir können die Kita-Gebühren von Ketzin nicht mit Brieselang vergleichen, weil dort noch nicht Abschreibungen einfließen, wie sie bei unserer doppischen Haushaltsführung nötig sind. Was mir aber im Moment nicht gefällt ist der Arbeitsstil einiger Fraktionen. In den Ausschüssen gehen die Entwürfe der Satzungen einstimmig oder mehrheitlich durch und dann werden sie in der Stadtverordnetenversammlung gekippt. Das ist doppelte Arbeit für die Verwaltung. Kritik soll ja sein, aber dann doch bitte gleich im Fachausschuss.

Ketzin wächst, wenn auch langsam. Gibt es noch Potenzial für neue Wohngebiete?

Lück: Entgegen aller bisherigen Prognosen haben wir unsere Einwohnerzahl von knapp 6500 gehalten. Vom ersten zum zweiten Quartal in diesem Jahr sind 50 Einwohner hinzugekommen. Die Tendenz geht also eher auf die 7000 zu, denn wir haben so viele Anfragen von Bauwilligen aus Potsdam, Falkensee, Nauen und Brandenburg. Jetzt muss es gelingen, neue Wohngebiete auszuweisen. Daran arbeiten wir, in dem wir den Flächennutzungsplan anpassen wollen. Zum Beispiel sind noch Flächen in der Straße der Jugend in Falkenrehde oder im südöstlichen Stadtgebiet bei der Fähre und der Fontanestraße möglich. Aber das können wir nicht allein entscheiden. Der Landkreis und die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg geben den Rahmen um unsere Entwicklungsoptionen vor.

Wo liegt im Moment der Preis für Bauland in Ketzin?

Lück: Etwa bei 50 Euro pro Quadratmeter. Wir hatten mal 35 Euro. Also Ketzin ist begehrt, auch wenn es keine Bahnanbindung gibt. Die Bustakte in Richtung Potsdam und Nauen sind okay. Ich würde mir wünschen, dass Havelbus den Takt zum Bahnhof Elstal oder Wustermark verdichten könnte, weil viele Ketziner von dort per Bahn nach Berlin fahren.

Mit der Infrastruktur kann Ketzin also punkten?

Lück: Ja. Wir haben zwei Schulen, eine Apotheke, mehrere Allgemeinärzte und mehre Zahnärzte. Wir erfüllen alle Bedingungen für einen zentralen Ort. Fusion ist für uns kein Thema. Mit wem auch immer.

Obwohl die momentane Haushaltslage etwas anderes aussagt.

Lück: Die Lage ist angespannt. 2015 und 2016 werden wir einen Ausgleich nur hinbekommen, in dem wir Geld aus der Rücklage nehmen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir ab 2017/18 einen schwarze Null schaffen, wenn die Steuereinnahmen nicht einbrechen.

Große Unternehmen, Mosolf in Etzin mal ausgenommen, gibt es in Ketzin nicht. Sie setzen auf Tourismus, haben jedes Jahr mehr Wasserwanderer in der Stadt. Wie reagiert die Kommune auf diese steigende Nachfrage?

Lück: Es ist erfreulich, dass der Stadtsteg so gut angenommen wird. Aber die 37 Liegeplätze reichen nicht mehr. Wir planen eine Erweiterung an der Havelpromenade. Was aber auch wichtig ist, ist das Engagement der Privatleute, in den Tourismus zu investieren. Wir haben ein Hotel in Falkenrehde, zwei, drei kleinere Pensionen in Tremmen und Ketzin und Einzelunterkünfte. Das ist zu wenig.

Es gibt doch auch das neue Gästehaus in der Ketziner Mitte…

Lück: Stimmt. Grundsätzlich gesagt ist der Umbau des Späth´schen Gutshofes das Beste, was uns passieren konnte. Was Helga Breuninger dort geschaffen hat, hätte eine Kommune allein nicht bewältigen können.

Welches sind die nächsten größeren Bauvorhaben in der Stadt?

Lück: Höchste Priorität hat das neue Feuerwehrgebäude in Paretz, weil der bisherige Standort zu Ende 2016 nicht mehr zur Verfügung steht. Parallel beginnt im nächsten Jahr das Vorhaben Campus Ketzin. Das heißt, das Areal mit Europaschule, Hort und Kita wird so umgestaltet, dass es eine Einheit bildet und keine Straße mehr durchführt. Im Sozialausschuss am 1. September stellen wir das Projekt vor.

Die Tremmener fordern seit Jahren einen Radweg nach Zachow. Wie stehen die Chancen?

Lück: Ob der gebaut werden kann, entscheidet nicht Ketzin, weil es sich um eine Kreisstraße handelt. Der Landkreis müsste eine Förderung beantragen. Wir haben das beim Kreis mehrfach schon vorgetragen. Aus meiner Sicht ist aber ein Radweg von der Fähre Ketzin entlang der Werderschen Straße bis zur Einmündung Potsdamer Straße mindestens genauso wichtig, weil dort viele Kinder zur Schule fahren und die Touristen von der anderen Havelseite kommen. Dazu müsste die Straße vom Land an die Kommune übergeben werden.


Von Jens Wegener

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