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Gastronomen starten Charme-Offensive

Havelland Gastronomen starten Charme-Offensive

15 Gastronomen der Region Havelland haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen. Am Dienstag stellten sie im Schloss Ribbeck das neue Qualitätssiegel „Havelland-Küche“ vor. Mit dem Label wollen die Gastronomen die kulinarische Neugierde der Besucher auf das Havelland lenken.

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Bei der Havelland-Küche dabei: Jörg Meyer (l.) vom Lehniner Hotel Markgraf und Sebastian Crakau vom Rathenower Restaurant „Zum Alten Hafen“ mit regionalen Appetitmachern.

Quelle: Marlies Schnaibel

Ribbeck. Wer bei dem Begriff „Havelland-Küche“ zuerst an Zander und Birnen denkt, der liegt nicht falsch. Aber das kann nur der Anfang der kulinarischen Reise sein, zu der Havelländer Gastronomen die Besucher einladen möchten. Am Dienstag tischten sie der Öffentlichkeit erstmals das neue Signet „Havelland-Küche“ auf. Im Schloss Ribbeck stellten sie das Logo vor, 15 Gastronomen haben sich für das Projekt unter der Federführung des Tourismusverbandes zu einem Netzwerk zusammengeschlossen.

Einer der Impulsgeber der Aktion ist Frank Wasser, Geschäftsführer der Schloss Ribbeck GmbH. Er will Kultur und Kulinarik verbinden, dabei sieht er das Schloss Ribbeck nicht als Einzelkämpfer. Als der Jagdverband Nauen im vergangenen Jahr auf ihn zukam, entwickelte man gemeinsam Ideen für die „Havelländer Wildwochen“. Neun Gastronomen machten mit, bei der neuen Aktion der Havelland-Küche sind es bereits 15.

Vorstellung im Schloss Ribbeck

Fünf Aktion-Themen wurden entwickelt. Osterzeit, Spagel & Co., Havelländer Weidewochen und Havelländer Wildwochen soll es geben. Und zum Auftakt ab 1. März die Aktion mit dem eher irritierenden Titel „Kulinarisches Fasten“. Frank Wasser versuchte sich in einer Erklärung, sah das Fasten als Öffnung der Sinne. Und genau die sollen angesprochen werden. „Es sind die leisen Genüsse des Havellandes, mit denen hier gepunktet wird“, sagte er.

„Wir setzen deshalb in der Zeit auf Fisch“, erklärte Sebastian Crakau, Leiter des Restaurants „Zum alten Hafen“ in Rathenow. Dafür arbeitet man seit Jahren mit den Fischern vor Ort zusammen. „Wir machen auch die Brasse wieder salonfähig“, erklärte er, es gibt Methoden die ungeliebten Gräten zu entfernen. Am Karfreitag wird zu einem großen Fischabend eingeladen.

Mehr Infos

15 Betriebe sind an der Aktion der Havelland-Küche beteiligt: Sie kommen aus Milow, Semlin, Päwesin, Falkenrehde, Lehnin, Groß Behnitz, Rathenow, Ribbeck, Groß Ziethen, Brandenburg/Havel, Brieselang, Havelberg und Nauen.

Die Aktionen: Kulinarisches Fasten vom 1. März bis 14. April, Osterlamm 15. bis 17. April, Spargel & Co. 6. Mai bis 18. Juni, Weidewochen 15. September bis 7. Oktober, Wildwochen 15. Oktober bis 20. November.

Es muss nicht immer Zander sein, zumal dem Etikett „Havelzander“ zu misstrauen sei, sagten die Gastronomen. Sie verzichten auf solchen Etikettenschwindel, wo der Fisch aus Kasachstan oder sonst wo kommt. Sie wollen Fisch und Fleisch aus der Region anbieten. Das ist überhaupt die Seele des Projektes mit der Havelland-Küche: Es geht gar nicht um ein spezielles, nur für das Havelland typische Gericht. Es geht den Gastronomen um Produkte aus der Region.

„Unser Krustenbraten stammt vom Saalower Kräuterschwein“, erklärte Jörg Meyer vom Lehniner Hotel Markgraf, „das ist ein Freilandschwein, das nicht mit Antibiotika vollgestopft wurde.“ Gesunde Ausgangsstoffe für eine gesunde, fantasievolle Küche, kurze Wege vom Produzenten in die Restaurantküche – das ist das Anliegen der Havelland-Köche. Mit dem neuen, speziellen Siegel auf den Speisekarten wollen sie auf die Direktbezüge hinweisen.

Rindfleisch kommt aus Gülpe

„Unser Burger ist 100 Prozent Havelland“, nannte der Rathenower Sebastian Crakau ein Beispiel. Das Rindfleisch komme aus Gülpe. Ein funktionierendes Beispiel für gute Direktbezüge. Die sind nämlich nicht immer einfach herzustellen. „Wir haben sehr viel mit den Lieferanten geredet“, sagte Sebastian Crakau, die Hersteller wollen auch planbare Größen wissen. Das ist nicht so einfach, manches Produkt ist eben zu groß für einen kleinen Gasthof. Wer kann da schon ein ganzes Rind verarbeiten. Die neue Plattform soll auch da helfen, Interessen zu bündeln und Ideen umsetzbar zu machen. „Die Leute machen sich mehr Gedanken über das, was sie essen“, hat Daniel Kuhlbars vom Golf-Resort-Hotel Semlin beobachtet.

Nun hoffen die touristischen Anbieter, dass sich das Bewusstsein auch in der Bereitschaft niederschlägt, für Qualität zu zahlen. Die Havelland-Köche wollen den Kunden mit viel Transparenz begegnen. Und mit jeder Menge kulinarischer Ideen. Viele Häuser in der Havelland-Region setzen auf Wild, die erlegten Tiere stammen aus den hiesigen Wäldern. Die Wildwochen stehen für Oktober und November im kulinarischen Havelland-Kalender. Bis dahin darf es gerne allerlei Zander auf Havelländer Art etwa mit Birnen-Speck-Risotto sein.

Von Marlies Schnaibel

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