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Gedenken zum 55. Jahrestag des Mauerbaus

Schönwalde-Glien Gedenken zum 55. Jahrestag des Mauerbaus

Mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute haben Bürger und Politiker in Schönwalde-Glien anlässlich des 55. Jahrestags des Mauerbaus der Opfer der Teilung gedacht. Fast 200 Menschen kamen zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer zu Tode, zwei davon auch auf Schönwalder Gebiet.

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Mit einer Kranzniederlegung und einer Schweigeminute wurde der Opfer an der Mauer gedacht.

Quelle: Philip Häfner

Schönwalde-Glien. Ein wenig kurios mutete die Situation schon an: Ausgerechnet im ehemaligen Grenzstreifen in der Schönwalder Siedlung – dort also, wo die DDR-Regierung die Bewegungsfreiheit ihrer Bürger mit dem Bau der Mauer am 13. August 1961 maximal eingeschränkt hatte – gab es am Samstag eine Laufveranstaltung: der Mauerweglauf „100 Meilen Berlin“. In Schönwalde befand sich sogar eine Verpflegungsstation, direkt neben dem Denkmal für die Mauertoten, an dem sich Bürger und Politiker anlässlich des 55. Jahrestages des Mauerbaus zum stillen Gedenken versammelt hatten.

Fast 200 Menschen kamen zwischen 1961 und 1989 an der Berliner Mauer zu Tode, zwei auch auf Schönwalder Gebiet. Stelen erinnern unweit der Steinernen Brücke an ihre Geschichte. „All diesen Opfern gilt eigentlich ein Versprechen, das wir ihnen geben müssen“, sagte Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme (CDU). „Dass wir es sind, die mahnen und daran erinnern, dass an die Zeit der Teilung Deutschlands und die damit verbundenen Opfer immer gedacht wird und so etwas nicht noch einmal auf deutschem Boden passieren darf.“

Viele wüssten jedoch gar nicht mehr, was am 13. August 1961 geschah, sagte Joachim Koza (CDU), der Vorsitzende der Spandauer Bezirksverordnetenversammlung, der in Vertretung von Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD) an der Andacht teilnahm. „Für viele ist es inzwischen ein ganz normaler Tag geworden. Erst abends in der Tagesschau würden sie dann vom Jahrestag des Mauerbaus erfahren. Das ist fatal, dem müssen wir entgegensteuern“, so Koza. Die Aufarbeitung sei noch nicht abgeschlossen. Bodo Oehme kritisierte vehement die Abschaffung des Unterrichtsfachs Geschichte in Brandenburg. „Wie wollen wir unsere Geschichte so an unsere Kinder weitervermitteln?“

Am Samstag übernahm der Bürgermeister höchstselbst diese Aufgabe. Weil an der Gedenkveranstaltung auch Mitglieder der Jugendfeuerwehr aus Muggensturm, der Partnergemeinde Schönwaldes, teilnahmen und „Muggensturm doch ein Stück weg liegt von der Mauer“, wie Oehme bemerkte, machte er aus seinem Vortrag kurzerhand eine kleine Geschichtsstunde über den Bau der Mauer. „Für mich ist die Steinerne Brücke in Schönwalde-Siedlung der Inbegriff der Teilung Deutschlands“, sagte er. Als Kind habe er oft auf der Berliner Allee gestanden und in den Westen hinübergeschaut. „Ich verstand es als Kind nie, dass die auf der anderen Seite der Mauer alle Aggressoren und Ausbeuter sein sollten, so böse, so schlecht. Zumal der Stacheldraht auf den Zäunen der Grenzanlagen in die DDR zeigte.“

Fast 30 Jahre trennte die Mauer Schönwalde und Spandau. Anfangs hätten die Verwandten aus Berlin noch von den Hügeln am nahegelegenen Laßzinssee aus herüberschauen können, erinnerte sich Bodo Oehme, „aber das hatte sich mit zunehmender Vegetation dann auch bald erledigt.“ Auf Schönwalder Seite begann das Sperrgebiet an der Eichenallee. Wer näher an der Mauer wohnte, brauchte für jeden, den er zu seinem Geburtstag einladen wollte, eine offizielle Besuchserlaubnis der Behörden, erzählte Zeitzeugin Christine Röher.

Nach dem Mauerfall im November 1989 dauerte er noch fast ein halbes Jahr, ehe am 23. Juni 1990 die Grenze in Schönwalde passierbar war. Spandauer Politiker hatten sich zunächst gegen eine Öffnung ausgesprochen, um die Natur im Spandauer Forst zu bewahren.

Von Philip Häfner

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