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Havelland Geheimnis unter der Kirche
Lokales Havelland Geheimnis unter der Kirche
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02:15 12.11.2017
Die Archäologen Andreas und Regina Ströbl stellen in der Kirche ihre Arbeitsweise vor. Quelle: Ralf Stork
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Wagenitz

Regina und Andreas Ströbl haben sich als Archäologen auf ein spezielles Aufgabengebiet spezialisiert. Sie beschäftigen sich hauptberuflich mit neuzeitlichen Begräbnisstätten: mit Mausoleen, wie sie sich vornehme Familien auf vielen Friedhöfen errichtet haben und mit Familiengrüften, wie sie sich häufig unter Kirchen befinden. Zur Zeit kümmern sie sich in der Blutwunderkirche von Bad Wilsnack um die Särge der Familie von Saldern.

„Die Särge werden sorgfältig gesäubert. Wenn notwendig führen wir auch erhaltende Maßnahmen durch. Mit geringem Aufwand lassen sich da schon sehr große Effekte erzielen“, sagte Regina Ströbl am Mittwochabend bei einer Veranstaltung in der Kirche von Wagenitz.

Dass das Archäologenpaar seine Arbeit in Wilsnack unterbrochen hat, um in das havelländische Dorf zu kommen, hat einen besonderen Grund: Unter der Kirche befindet sich eine Gruft, in der wahrscheinlich im 18. und 19. Jahrhundert Angehörige der Familie von Bredow bestattet worden waren. Wer genau dort seine letzte Ruhestätte gefunden hat, ja, wie es überhaupt in dem Gewölbe unter der Kirche aussieht, kann niemand mit Sicherheit sagen. Denn einen Zugang zur Gruft gibt es nicht mehr. Momentan kann man nur durch eine kleine Maueröffnung in die Dunkelheit hineingucken.

Hintergrund

In der Wagenitzer Gruft sind wahrscheinlich im 18. und 19. Jahrundert Angehörige der Familie von Bredow begraben worden.

Seit unbestimmter Zeit ist der Zugang versperrt. Heute kann niemand mit Sicherheit sagen, wo er sich einmal befunden hat. Vermutlich besteht die Gruft aus drei Räumen, in denen etwa 18 bis 20 Särge stehen. Vermutlich wurden einige der Särge in den Wirren der Nachkriegszeit geöffnet.

Im Zuge der Kirchensanierung möchten Kirchengemeinde und Förderverein die Gruft gerne öffnen und wieder in einen ordentlichen Zustand bringen.

Vor ein paar Monaten hat die Kirchengemeinde Kontakt zu Andreas und Regina Ströbl aufgenommen. Das Archäologenpaar ist auf die Säuberung und Sicherung von Mausoleen und Grüften spezialisiert und hat in den vergangenen Jahren Deutschland weit mehr als 30 Begräbnisstätten wieder hergerichtet.

Die Kirchengemeinde kann sich vorstellen, die Gruft durch eine Glastür oder Glasplatte wieder sichtbar zu machen. Das geht allerdings nur mit einer Genehmigung der zuständigen Denkmalbehörde. Die liegt noch nicht vor. Einen öffentlichen Zugang für Touristen soll es nicht geben.

Eine zugängliche – oder zumindest sichtbar gemachte – Kirchengruft ist in der Region etwas besonderes. Unter der Kirche von Berge gibt es eine Gruft, die zu besonderen Anlässen unter Anleitung besichtig werden kann. Auch unter der Kirche von Falkenrehde gibt es eine Gruft, die heute nicht mehr zugänglich ist, aber noch von Theodor Fontane in den Wanderungen durch die Mark Brandenburg beschrieben wurde.

Die Ströbls stellten an dem Abend in einem Vortrag ihre Arbeitsweise vor. Wenn die Gruft einmal geöffnet werden würde, könnte sich die Kirchengemeinde gut vorstellen, dass die Ströbls die Sicherungs- und Konservierungsarbeiten übernähmen. Es ist ein Satz mit vielen Konjunktiven, weil bislang noch niemand genau sagen kann, wie die Zukunft der Gruft aussieht: Die Kirchengemeinde und der Förderverein möchten das Gewölbe gerne zugänglich machen, um auch dort Sanierungsmaßnahmen durchführen zu können.

Die zuständige Denkmalschutzbehörde prüft noch, ob eine Öffnung der Gruft grundsätzlich ermöglicht werden kann. „Vor ein paar Monaten haben wir die Gruft schon mal so gut es geht mit einer Lampe ausgeleuchtet“, sagte Pfarrer Michael Jurk. Im Lichtschein konnte man erkennen, dass auch die Familiengruft der von Bredows – wie fast alle Grabanlagen – nicht mehr unversehrt ist. Einige der Särge sind wohl aufgebrochen worden, möglicherweise in den Nachkriegswirren. Wie sehr der Zahn der Zeit an der Anlage nagt, kann von außen nur schwer beurteilt werden.

„Wir würden uns gerne einen Überblick verschaffen, wie es dort unten wirklich aussieht, und möchten, dass der Ort wieder seine Würde zurückbekommt“, sagte Jurk. Dieser Ansatz deckt sich mit dem der Archäologen. „Eine unversehrte Gruft würden wir in Ruhe lassen. Wenn das Grab aber durch Vandalismus oder andere Umstände beschädigt wurde, wollen wir den Verstorbenen die Würde wieder zurück geben“, sagte Andreas Ströbl.

Seit dem Jahr 2000 haben seine Frau und er auf behutsame Weise schon mehr als 30 Grabstätten gesäubert und gesichert. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen dabei immer der Ort und die Verstorbenen. „So eine Zurschaustellung wie beim Ritter Kahlbutz in Kampehl ist doch schrecklich“, sagte Regina Ströbl.

Auch wenn die Denkmalbehörde schließlich die Öffnung der Gruft erlauben sollte, werden sich keine Touristenmassen durch das Gewölbe schieben. „Uns ginge es nur um eine Sichtbarmachung der Räume“, sagte Michael Jurk. Er könnte sich eine Glasplatte im Kircheninnern oder an einer Außenwand vorstellen, durch die man einen Blick in die Gruft werfen könnte.

Falls die beiden Archäologen in die Wagenitzer Gruft dürfen, würden sie ihre Arbeit auch dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Mittels Schautafeln oder einen ausführlichen Bericht über das Gewölbe und seine Toten könnten interessierte Besucher so eine Menge über das Familiengrab erfahren, ohne die Totenruhe in der Gruft stören zu müssen. „In der Kirche hängt ein großes Votivbild der von Bredows.

Wenn man über die Öffnung der Gruft diesen historischen Bezug zur Familie wieder sichtbar machen könnte, wäre das eine tolle Sache“, sagte Andreas Ströbl, der noch einmal betont, bei allen Projekten sehr gut mit dem Denkmalschutz zusammen zu arbeiten.

Von Ralf Stork

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