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Gemeinde denkt über Pferdesteuer nach

Kuriose Idee aus Schönwalde Gemeinde denkt über Pferdesteuer nach

Bislang ist es nur eine Idee: Die Gemeinde Schönwalde-Glien (Havelland) erwägt eine Pferdesteuer einzuführen. Bürgermeister Bodo Oehme hat diese Möglichkeit ins Spiel gebracht. Bei Pferdebesitzern stößt das auf wenig Gegenliebe. In anderen Gemeinden gibt es so eine Steuer aber bereits.

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Jasmin Selke-John (25 J.) vom Pferdesportzentrum Pausin mit Mecklenburger Stute Cellestials Celebration

Quelle: Tanja M. Marotzke

Schönwalde-Glien. Bislang ist es bloß eine Idee: Die Gemeinde Schönwalde-Glien erwägt eine Pferdesteuer einzuführen. Auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung hatte Bürgermeister Bodo Oehme (CDU) die Möglichkeit einer solchen Steuer ins Spiel gebracht und den Finanzausschuss auch gleich gebeten sich dieses Themas anzunehmen. Bei den Pferdebesitzern stößt das schon jetzt auf wenig Gegenliebe. „Wenn wir es schon nötig haben den Pferdebesitzern Steuern abzuknöpfen, dann stimmt etwas nicht“, meint Axel Kees von der Reitanlage Jagdhaus Paaren. „Wenn Herr Oehme Schönwalde unbedingt pferdefrei haben will, dann soll er das tun. Aber dann wird der Wirtschaftszweig Pferd in der Gemeinde bald nicht mehr vertreten sein.“

In einer Gemeinde müssen pro Tier 200 Euro im Jahr gezahlt werden

Das Bundesverwaltungsgericht hatte erst kürzlich in einem Streit zwischen dem hessischen Bad Sooden-Allendorf und Pferdehaltern entschieden, dass Gemeinden eine Pferdesteuer erheben dürfen. Das Halten eines Pferdes gehe über das Alltägliche hinaus und erfordere einen zusätzlichen Vermögensaufwand, so das Gericht. Pferdebesitzer seien wirtschaftlich so leistungsfähig, dass sie auch mit Steuern belegt werden dürften. In Bad Sooden-Allendorf, das als erste Kommune in Deutschland die Pferdesteuer eingeführt hatte, werden pro Tier jährlich 200 Euro gefordert. Ähnliche Beträge schweben auch Schönwaldes Bürgermeister Bodo Oehme vor.

Reiterhöfe stellen sich vor

Auf der Pferdesportmesse Hippologica, die vom 10. bis 13. Dezember auf dem Berliner Messegelände stattfindet, präsentieren sich in diesem Jahr auch wieder einige Reiterhöfe der Region am Gemeinschaftsstand des Verbands Pro Agro in Halle 23 B.

Pro Agro stellt auf der Hippologica traditionell den neuen Katalog „Pferdeland Brandenburg“ für das kommende Jahr vor. In der Ausgabe 2016 sind 63 Pferdebetriebe aus allen Regionen Brandenburgs vertreten, darunter auch etliche aus dem Havelland.

Im Reitring der Halle 23 B finden während der Messe täglich Vorführungen statt. Der Pferdehof Bialek aus Tremmen zeigt rasante Vorführungen mit Ponykutsche und Sulky. Regine Schimming von der WR-Ranch in Velten (Oberhavel) stellt die Ausbildungsgrundlagen der Alt-Californischen Hackamore vor.

„Es sind nicht nur reiche Leute , die reiten gehen“, hält Brigitta Westdickenberg vom Gestüt Krämerwald in Wansdorf dagegen. „Viele knapsen sich das Geld irgendwie ab, um sich dieses Hobby leisten zu können. Wenn jetzt noch eine Steuer erhoben wird, dürfte es für einige schwierig werden.“

In der Gemeinde wird schon von Tierflucht gesprochen

Axel Kees befürchtet, dass die Pferdebesitzer ihre Tiere dann in anderen Gemeinden unterbringen, in denen keine Steuer erhoben wird. Darunter würden nicht nur die Pferdehöfe leiden, sondern auch die Bauern, welche die Höfe versorgen und von dort Pferdemist als Dünger beziehen, die örtlichen Hotelbetriebe und die Gastronomie. „Neulich war ich im Dorf beim Italiener essen“, erzählt Kees. Die Hälfte der Gäste seien Pferdefreunde gewesen. „Das würde alles wegfallen“, mahnt Axel Kees.

Bereits seit längerem haben die Pferdehöfe mit steigenden Kosten zu kämpfen: Energie und Futtermittel sind teurer geworden, es gilt ein höherer Mehrwertsteuersatz, seit diesem Jahr muss zudem Mindestlohn gezahlt werden. „Das finanzielle Polster ist nicht groß“, sagt Brigitta Westdickenberg. Käme jetzt noch eine Steuer hinzu, „stünden etliche Existenzen auf dem Spiel“, glaubt Jasmin Selke-John vom Pferdesportzentrum Pausin. „Wir würden die Anlage dann nicht halten können.“

Auch wenn es bislang nur eine Idee ist: „Ein bisschen nervös sind wir schon“, sagt Selke-John. Sie will die weitere Entwicklung daher genau verfolgen. Siegfrid Spallek (CDU), der Vorsitzende des Finanzausschusses und auch der Gemeindevertretung, hat bereits angekündigt, dass es keinen Schnellschuss geben wird. „So etwas muss gut durchdacht sein“, sagt er. Erst 2016 will sich der Ausschuss mit dem Thema befassen.

Von Philip Häfner

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