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Gemeinde fordert Schallschutz von der Bahn

Wustermark Gemeinde fordert Schallschutz von der Bahn

Nach dem Lärmaktionsplan Straße hat die Gemeinde Wustermark im Havelland nun einen entsprechenden Plan zum Schienenverkehr verabschiedet. Er ist ein Druckmittel, um die Bahn zu finanziellen Zuschüssen für Maßnahmen zur Lärmminderung zu bewegen.

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Besonders betroffen vom Bahnlärm sind die Priorter, die „An der Haarlake“ in der Nähe der Gleise wohnen.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Wustermark. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem viele Priorter nicht um 5.30 Uhr von Signalen einer Lokomotive geweckt werden. „Samstags und sonntagsfrüh, wenn andere Leute ausschlafen wollen, sind wir wach, weil die Lokführer sich offenbar einen Gag machen und die Hupe bedienen“, schimpft die Priorterin Dagmar Dominiak. Sie wohnt unweit der Bahngleise an der Strecke Wustermark-Potsdam. Doch es sind gar nicht die Personenzüge, die stören. Es sind die Fahrer von Güterzügen, am Umsteigepunkt Priort ihren Schichtwechsel vollziehen. „Es scheint, als muss der ankommende Zugführer seinen Kollegen, der ihn ablösen soll, mit dem Signal wecken“, sagt Dominiak.

Die Deutsche Bahn hatte diesen „Umsteigepunkt für Triebfahrzeugführer von Güterzügen“, gegen den Willen der Gemeinde Wustermark, in die Nähe des Bahnhofes Priort gelegt. Die Priorter wollen das auf Dauer nicht hinnehmen und wünschen sich deshalb, dass dieser Schnittpunkt auf den Rangierbahnhof in Elstal verlagert wird.

Das ist eine der Hauptforderungen, die im jetzt vom Wustermarker Gemeindeparlament verabschiedeten Entwurf des Lärmaktionsplanes Schienenverkehr verankert sind. Wie jüngste Berechnungen ergeben haben, müssen in der Gemeinde Wustermark insgesamt 70 Einwohner Tag täglich mit „gesundheitsgefährdenden Lärmbelästigungen leben (über 70 Dezibel), nachts sind 200 Einwohner davon betroffen (über 60 Dezibel). An der Grenze der Gesundheitsrelevanz leben 270 Bürger am Tage und 400 in den Nächten, vor allem in Priort und Wustermark. „Umso wichtiger“, dass wir mit dem Lärmaktionsplan Schienenverkehr ein Druckmittel gegenüber der Bahn haben, dass wir etwas für unsere Bürger tun können“, sagt der Priorter Ortsvorsteher Reiner Kühn (CDU). Gleichwohl weiß auch er: Selbst wenn der Lärmaktionsplan verabschiedet ist – zwingen kann man die Bahn zu gar nichts.

Betroffene Bereiche

In Priort ist die Lärmbelästigung hoch in der Chaussee, An der Breiten Wiese, im Dyrotzer Winkel, An der Haarlake, An den Göhren, Am Moorbruch, An der Worthe, in der Goethestraße, in der Priorter Dorfstraße, in der Alten Dorfstraße und Am Upstall.

In Wustermark: Hamburger Straße, Birkenstraße, Friedensweg, An der Ziegelei, Zeestower Straße und Friedrich-Rumpf-Straße.

In Wernitz in der Dorfstraße, Ketziner Straße und Am Weiler.

In Dyrotz der gesamte Gemeindeteil.

Etwas Hoffnung können Priorter und Wustermarker aus dem gerade vom Bund verabschiedeten Schienenlärmschutzgesetz schöpfen. Demnach müssen ab dem 13. Dezember 2020 Güterwaggons über eine Scheibenbremse oder eine Verbundstoff-Bremssohle (Flüsterbremse) verfügen. „Mit diesem Gesetz haben wir der Forderung vieler Bürger und engagierter Kommunalpolitiker Rechnung getragen, die sich für den Gesundheitsschutz der Anlieger eingesetzt haben“, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Uwe Feiler. Die bisher sehr laute Geräusche verursachenden Grauguss-Klotzbremsen dürfen nur noch ausnahmsweise bei langsamer Fahrt und Einhaltung der Schallleistungspegel eingesetzt werden. Das werde den Geräuschpegel in Priort und Wustermark merklich senken, so Feiler.

Allerdings will die Gemeinde Wustermark außerdem eine finanzielle Förderung für Schallschutzfenster für Anwohner an den Bahnstrecken durchsetzen, genauso wie den Bau von Schutzwällen oder Schallschutzwänden, die es in Teilbereichen in Wustermark, Wernitz und Dyrotz schon gibt, aber in Priort bisher nicht. Als weitere Mittel zur Lärmminderung denke man darüber über Aufforstungen entlang von Bahnstrecken innerorts nach. „In Priort sei dafür Platz zwischen Gleisen und der Wohnbebauung An der Haarlake vorhanden“, so Kühn.

Obwohl der Entwurf des Lärmaktionsplanes Schienenverkehr der Gemeinde Wustermark (ein Lärmaktionsplan Straße ist bereits 2013 verabschiedet worden) jetzt kurz vor der Verabschiedung steht, ist er eigentlich schon wieder überholt. Denn die zugrunde liegenden Werte für Lärmkartierung basieren auf Werten, die vom Eisenbahnbundesamt 2015 zur Verfügung gestellt wurden. Die neueren Berechnungen aus 2016/17 seitens der Bahn liegen öffentlich noch nicht vor. Der Bundestagsabgeordneter Uwe Feiler hat der Gemeinde Wustermark zugesagt, sich um die Zahlen zu bemühen. Es ist aber in jedem Fall davon auszugehen, dass die Lärmbelästigungen zugenommen haben, weil der Zug- und vor allem der Güterverkehr auf den Strecken rings um Wustermark zugenommen hat.

Von Jens Wegener

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