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Dallgower Denkmal wird abgerissen

Gemeindevertreter lehnen Sicherung von Einzelteilen aus dem Offizierskasino ab Dallgower Denkmal wird abgerissen

In zwei, vielleicht drei Monaten dürfte das Dallgower Offizierskasino endgültig Geschichte sein. Kaiser Wilhelms Fachwerkbau, das letzte große Erinnerungsstück an die Dallgower Militärzeit und die letzten Spuren wilhelminischer, nazideutscher und sowjetischer Soldaten, werden dem Bagger anheimfallen.

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Glanz aus alten Tagen: Die Holzverzierungen an der Veranda kommen nach dem Kasino-Abriss auf den Sondermüll.

Quelle: Peter-Paul Weiler

Dallgow-Döberitz. Das historische Baudenkmal ganz aufgeben wollten die Grünen um Petra Budke dann aber doch noch nicht. In der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter beantragten sie deshalb, dass die Gemeinde doch zumindest geschichtlich Interessierten die Möglichkeit einräumen könnte, sich vor dem Abriss historische Bauelemente aus dem Kasino zu sichern: verzierte Holzteile etwa von der Veranda, oder die beiden Bilder, die im Kasinosaal an die Wand gemalt sind.

Aber auch das wird nicht passieren. Die Gemeindevertretung, die schon vor zwei Jahren den Abriss abgesegnet hat, lehnte auch diesen Antrag nahezu einmütig ab. Begründung: Zu aufwändig, zu langwierig, zu teuer. Denn nicht einmal die Resteverwertung ist laut Bauverwaltung so einfach, wie die Kasinoanhänger es sich vorstellen.

Zum einen ist das Offizierskasino akut einsturzgefährdet. Es wäre also nicht möglich, Interessierte offiziell ins Haus zu lassen, um Teile abzumontieren, auch nicht auf eigene Gefahr. "So etwas würde ich niemals zulassen", sagte Lothar Ladewig (FWG, Bauausschussvorsitzender). Die einzige Möglichkeit sei, das Gebäude vorsichtig zurückzubauen, anstatt es mit dem Bagger einzureißen. "Das müssten wir aber anders ausschreiben, es wäre viel teurer", sagt Bauamtsleiterin Sabine Kern.

Den Sinn darin konnte Heinrich Maidhof (SPD) nicht erkennen. Das gesamte Gebäude sei mit Schwamm befallen, diese Teile seien zu nichts zu gebrauchen, sagte er. Die Zusatzkosten, darüber war sich die Gemeindevertretung weitgehend einig, müssten außerdem mögliche Interessenten zahlen - etwa der Dallgower Geschichtsverein Guk Da, den Petra Budke ins Spiel brachte. Mögliche Verhandlungen darüber würden allerdings den Abriss weiter verzögern. Die Vorstellung passte der Gemeindevertretung nicht. Thomas Peters (FWG): "Wir sind in der Verantwortung, dass diese Unfallquelle beseitigt wird, und das sollte schnellstmöglich passieren."

Wann das Kasino abgerissen wird, ist noch unklar. Die Genehmigung vom Denkmalschutz liegt zwar inzwischen vor, eine Abrissfirma kann aber noch nicht beauftragt werden. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises hat sich ausbedungen, dass das Denkmal vorher noch dokumentiert wird. Entsprechende Gespräche sind laut Bürgermeister für den 19. Februar anvisiert. Das Kasino wird so zumindest nicht rückstandslos getilgt. Dass die Fotos und Dokumentationen allerdings reichen, um die Erinnerung an das Kasino und seine Bedeutung für den früheren Militärstandort Döberitz aufrechtzuerhalten, daran zweifelt Petra Budke. "Ich glaube, in zehn oder zwanzig Jahren wird es vielen Leuten leidtun, dass man so mit einem Denkmal umgegangen ist." Sie stimmte als Einzige für ihren Antrag.

Von Oliver Fischer

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