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Havelland Gericht attestiert Angeklagtem psychopathische Züge
Lokales Havelland Gericht attestiert Angeklagtem psychopathische Züge
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15:10 15.02.2018
Das Amtsgericht in der Rathenower Bahnhofstraße. Hier wurde Marvin A. verurteilt. Quelle: Bernd Geske
Rathenow

Freiheitsberaubung, körperliche Misshandlung und Stören eines Rettungseinsatzes – all diese Straftaten soll Marvin A. aus Rathenow innerhalb einer Woche im August 2017 begangen haben. Am Donnerstag musste er sich dafür vor dem Rathenower Amtsgericht verantworten. Der 32-Jährige bestätigte zwar, jeweils am Tatort gewesen zu sein, die Taten selbst stritt er aber ab.

„Ich hatte viele private Probleme mit dem Rettungssanitäter Christian B., der dafür gesorgt hat, dass ich überall schlecht dastehe“, so der Angeklagte. Als er am 16. August in der Fehrbelliner Straße auf B. traf, der gerade im Einsatz war, habe er ihm lediglich gesagt, er soll nicht schlecht über ihn reden und Probleme direkt mit ihm besprechen. Ganz anders klang das bei Christian B., der als Zeuge aussagte.

„Ich hatte Angst um mein körperliches Wohl und habe ihn gebeten mich in Ruhe zu lassen und nicht zu stören. Seit drei Jahren geht das jetzt schon so, er hat mich verfolgt, bedroht, beleidigt und angegriffen. Dieses Mal habe ich die Polizei verständigt“, so der 38-Jährige. Sein Kollege Christoph J. bestätigte vor Gericht, dass A. den Einsatz behinderte. B. habe vor Angst gezittert.

Nadine B- fühlte sich bedroht und wollte die Polizei rufen

Vor Gericht sagte auch Nadine B. aus, die Ex-Freundin des Angeklagten. Sie hatte Anzeige erstattet, weil Marvin A. sie geschlagen und gemeinsam mit ihrem vierjährigen Sohn in seiner Wohnung festgehalten hatte. Auch das stritt A. ab : „Ich habe sie nicht geschlagen und die Tür stand die ganze Nacht offen. Am nächsten Morgen hatte ich noch Frühstück gemacht und sie nach Hause gefahren.“

Weitere Fälle aus dem Rathenower Amtsgericht

Das Urteil des Amtsgerichtes Rathenow, in dem der freie Träger eines Hortes und einer Kita in Premnitz zur Rückerstattung von Elternbeiträgen verpflichtet worden ist, hatte im Januar 2018 noch einmal Aufmerksamkeit erregt.

Der 19-Jährige Intensivtäter Phillip M. stand Mitte Januar 2018 gemeinsam mit seinem Kumpel Julian F. vor dem Amtsgericht.

Im November 2017 wurde ein Friseur verurteilt. Er hatte sich mit einem Kunden um den Preis für einen Haarschnitt gestritten. Es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung, die mit einer Ohrfeige endete.

Die 29-Jährige erklärte, dass sie selbst nicht überprüft habe, ob die Tür tatsächlich abgeschlossen war. „Nachdem er mich geschlagen hatte und mir drohte, ich würde nicht aus der Wohnung kommen, bevor ich mit ihm rede, wollte ich nur noch mein Kind schützen“, so die Frau. Als sie ihm damit gedroht hatte, die Polizei anzurufen, habe ihr Marvin A. das Handy entrissen.

Anschließend verbrachte die Zeugin die Nacht mir ihrem Kind in einem Gästezimmer, am nächsten Morgen ging sie direkt zur Polizei und erstattete Anzeige.

Direkte Worte von der Staatsanwaltschaft

Nadine B. und der Angeklagte waren vor etwa drei Jahren ein Paar, zum Tatzeitpunkt aber nur noch befreundet. Marvin A. erklärte dem Gericht, die Anzeigen der beiden sei eine Verschwörung.

„Die wollen mir eine reindrücken. Die wissen beide, dass ich schon mal wegen Körperverletzung bestraft wurde. Könnte ich es mir leisten, hätte ich jetzt einen Anwalt neben mir sitzen“, wehrte sich der Angeklagte gegen die Vorwürfe.

Ein Verteidiger hätte ihm aber vermutlich nicht viel genutzt. „Ich mache diesen Job seit 27 Jahren und ich sehe deutlich, wenn jemand psychisch krank ist“, erklärte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer.

Richter rät zum Besuch eines Psychologen

Unaufmerksam und nervös, so zeigte sich A. vor Gericht. Immer wieder redete er während der Verhandlung unaufgefordert dazwischen, ignorierte Ermahnungen des Richters und grinste hämisch, insbesondere in Richtung der Zeugen.

„Bei einem Rettungseinsatz haben sie nichts, aber auch gar nichts zu suchen“, betonte der Staatsanwalt. Die Aussagen der drei Zeugen würdigte er als sehr glaubwürdig. Zudem würde das von den Zeugen geschilderte Verhalten des Angeklagten zu dem Eindruck passen, den er vor Gericht machte.

Dem stimmte auch Richter Axel Teckemeyer zu, der A. zu einer Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro verurteilte. „Ihr Auftreten hat psychopathische Züge, dagegen sollten sie dringend etwas unternehmen, sonst sehen wir uns noch öfter hier“, mahnte Teckemeyer Marvin A. nach der Urteilsverkündung.

Von Christin Schmidt

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