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Geschäft bleibt in Familienhand

Neue Inhaberin für Nauener Gardinen- und Bettenhaus Geschäft bleibt in Familienhand

Das Gardinen- und Bettenhaus in der Nauener Mittelstraße wird auch künftig für seine Kunden da sein. Hannemarie Sonnemann hat das Geschäft jetzt an ihre Tochter Melanie übergeben, die schon seit vielen Jahren dort mitarbeitet. Im August wird das Gardinen- und Bettenhaus 25 Jahre alt.

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Hannemarie Sonnemann (l.) mit ihrer Tochter und Nachfolgerin Melanie Sonnemann.

Quelle: Andreas Kaatz

Nauen. Wenn Hannemarie Sonnemann aus dem Fenster ihres Gardinen- und Bettenhauses in der Nauener Mittelstraße schaut, dann blickt sie auf den Hof, wo zu DDR-Zeiten unter anderem die Auslegware fürs benachbarte Kaufhaus angeliefert worden war. Dort hatte die heute 65-Jährige viele Jahre gearbeitet, leitete bis zur Wende die Abteilung Raumtextilien. Doch als es mit der DDR-Handelsorganisation HO zur Wende den Bach herunter ging, entschied sie sich für die Selbstständigkeit. Gleich nebenan, im Haus auf der anderen Seite der Hofeinfahrt. Doch nun – im 25. Jahr des Geschäftsbestehens – ist Schluss damit. Sie will etwas ruhiger treten. Die gelernte Textilverkäuferin hat deshalb die Geschäfte an ihre Tochter Melanie übergeben.

„Ich habe die Arbeit immer gern gemacht und werde meine Tochter auch künftig ein wenig unterstützen. Aber jetzt war es für mich Zeit, die Firma abzugeben“, sagt sie. Bei ihrer Tochter weiß sie sie auch in guten Händen. „Es ist schon ein tolles Gefühl“, meint Melanie Sonnemann. Vor der Zukunft ist ihr nicht bange, auch wenn das Gardinen- und Bettenhaus in Konkurrenz zu Fachmärkten steht. „Man muss den Beruf gerne machen, und die Qualität muss stimmen. Diesen Anspruch habe ich schon immer gehabt. Ich würde dem Kunden keinen Stoff verkaufen, hinter dem ich nicht stehe“, sagt die 43-Jährige, die ursprünglich Kauffrau gelernt hat.

Melanie Sonnemann ist nicht neu im Unternehmen. Nach Beendigung ihrer Lehre im Jahre 1992 stieg sie bei ihrer Mutter mit ein. Ab 1. September 1992 leitete sie die Filiale in Hennigsdorf, im Gebäude einer ehemaligen Drogerie. In der Zeit hat sie sich bei der Schneiderin alles übers Schneidern und Nähen abgeschaut, lernte schnell. „Ich habe es wohl in die Wiege gelegt bekommen“, meint Melanie Sonnemann. 2002 machte sie dann ihren Raumausstatter-Meister.

Bis 2012 konnten die Kunden in Hennigsdorf Gardinen und Sonnenschutzanlagen anfertigen lassen, dann musste das Geschäft schließen. „Ich habe keine Mitarbeiterin gefunden und deshalb selbst 60 Stunden und mehr pro Woche gearbeitet. Das war hart, es konnte nicht mehr so weitergehen“, sagt die Tochter – zumal auch absehbar war, dass die Mutter bald das Rentenalter erreicht. Fortan fuhr sie vor allem von Nauen aus zu den Kunden zwischen Friesack und Potsdam und beriet sie, ist aber auch weiterhin einmal in der Woche noch in Hennigsdorf – jeden Dienstag.

Hannemarie Sonnemann jedenfalls bereut es nicht, dass sie kurz nach der Wende den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt hat. Sonst hätte sie nur als Angestellte nach Berlin gehen können. Für sie keine echte Alternative. „Schon als Abteilungsleiterin hatte ich freie Hand, als wenn ich für mich selbst gearbeitet hätte. Und so sollte es auch bleiben“, meint sie. So kaufte sie das benachbarte Haus, in dem sich bis dato ein Schreibwarengeschäft befand, von der Treuhand. Neue Fenster kamen rein, es wurde renoviert. Am 1. August 1991 empfing Hannemarie Sonnemann dann die ersten Kunden und profitierte von ihren Erfahrungen im Bereich Raumtextilien.

Eine große Herausforderung wartete 1999 auf die Geschäftsinhaberin. Das bestehende Haus wurde komplett abgerissen, nur die Fachwerkfassade zur Mittelstraße blieb stehen. Anschließend entstand ein Neubau über drei Etagen, der bessere Arbeitsbedingungen bot.

„Das war immer meine Welt“, sagt sie über ihren Beruf. „Wir kommen zu den Kunden, nachdem die Handwerker in den Häusern fertig sind, und machen alles noch schöner.“ Die Frauen messen aus, fertigen Gardinen, Sonnenschutz oder Schals auf Maß und montieren alles auf Wunsch. „Und kein Auftrag ist wie der andere“, hebt Tochter Melanie hervor.

Von Andreas Kaatz

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