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Havelland Gleich dreimal gab es etwas zu feiern
Lokales Havelland Gleich dreimal gab es etwas zu feiern
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20:38 10.09.2017
Einen tollen Festumzug mit 22 Bildern stellte das kleine Dorf anlässlich seines 700-jährigen Bestehens auf die Beine. Zuvor gab es einen Gottesdienst in der Kirche. Quelle: Annett Lahn
Lietzow

Für die Lietzower gab es am Sonnabend gleich drei Anlässe zum Feiern: Mit einem großen Umzug, einem Gottesdienst, buntem Treiben auf der Festwiese, Tauziehen, Kartoffelschäl-Wettbewerb und abendlicher Sause bei Livemusik begingen sie den 700. Geburtstag ihres Dorfes, richteten das Ortsteilfest der Stadt Nauen aus sowie auch das Erntefest. Der kleine Nauener Ortsteil mit 260 Einwohnern bewies dabei, was mit vereinten Kräften auf die Beine gestellt werden kann. Ausgerichtet wurde das Fest vom Verein „Freunde für Lietzow“ und der Stadt Nauen.

Den Anfang machte Superintendent Thomas Tutzschke in der hübschen neogotischen Kirche. Beim Gottesdienst gelang es ihm, den Bogen von 700 Jahre Lietzow hin zu 500 Jahre Reformation zu spannen. Es erklang ein Geburtstagsständchen mit Orgelbegleitung. Der Kirchenmann erklärte, dass Lietzow nicht unbedeutend ist. „Fontane war da, er hat sich nicht verirrt.“ Das Dorf sei nicht unspektakulär, sondern ist einzigartig. Mit Kindern spielte Tutzschke einige Szenen aus Luthers Leben nach. Ins Jahr 1517 entführt, konnten sich die Gottesdienstbesucher mühelos vergegenwärtigen, wie die Lutherischen Thesen gegen den Ablasshandel an die Kirchentür gebracht wurden und Luther auf der Wartburg die Bibel übersetzte.

Nach der historischen Einstimmung zeigte sich beim Festumzug das Landleben von seiner schönsten Seite. Der traditionelle Zug mit 22 Elementen zog vom Milchhof über den Semmelweg, entlang der einseitig gesperrten B5 und über den Luchweg zum Festgelände hinter der Kirche. Fast das gesamte Dorf war mit bunten Wimpeln geschmückt. Der Schalmeienchor Optis Rathenow führte den Zug an.

Von der Mutter, die ihren Sohn im geschmückten Bollerwagen zog, bis hin zur großen, mit einer imposanten Ähren-Krone geschmückten Erntemaschine des Landwirtes Wensche gab es allerlei Sehenswertes. Bodo Drafehn hatte eine Gans in seinem Anhänger. Die Elektrofirma Vieregg zog mit ausgestopften Strohpuppen die Blicke der winkenden Zuschauer auf seinen Anhänger. Die Mitarbeiterinnen der Kita Luchwichtel trugen hübsche Dirndl-Kleider. Ein mit gebündelten Möhren dekoriertes Pony musste unentwegt seinem Appetit trotzen. Lars Schmidt, Betriebsleiter der Brandenburger Vermarktungs- und Dienstleistungsgesellschaft in Lietzow, hatte sein Lieblingsrind im Schlepptau.

Kurz nachdem der Umzug die Festwiese erreicht hatte, brachen die ersten zaghaften Sonnenstrahlen durch den regengrauen Himmel. Die Organisatoren konnten aufatmen. Ortsvorsteher Christian Herfurth sagte: „Wir hatten große Angst, dass uns der Regen das Fest vermiest. Ich habe mit dem Pfarrer gesprochen und er hat noch einmal ein Gebet gen Himmel geschickt. Es wurde erhört.“

Mit dem Ende des Regenwetters kamen immer mehr Besucher auf den Festplatz. Dort übergab Nauens Bürgermeister Detlef Fleischmann den Lietzowern einen 200-Euro-Scheck und würdigte die Arbeit des Vereins. Lars Schmidt thematisierte das schlechte Erntejahr und bezeichnete den Regen als „großen Fluch für Wald und Wiesen“. Er bat als Vertreter der Milchviehwirtschaft die Festbesucher: „Meckert nicht über die Butterpreise. Sie kommen uns zu Gute.“ Ortsvorsteher Herfurth sagte etwas zu den neuen schwarz-weißen Trachten, in denen die Freunde für Lietzow diesmal auftreten konnten: „Wir sind stolz, jetzt erstmalig diese Trachten präsentieren zu dürfen“, so Herfurth. Dank einer Förderung vom Landkreis und mit Spendengeldern konnten 16 Kostüme angeschafft werden.

Von der Eselzüchterin über den Handwagen bis hin zur großen Erntemaschine wurden danach alle Umzugsteilnehmer von der Havelländischen Erntekönigin prämiert.

Beim traditionellen Tauziehen gewannen diesmal die strammen Männer der „Brigade Naumann aus Nauen“ vor den Mannschaften aus Lietzow und Berge. Eine Frau, die gerade ein leckeres Stück Kuchen genoss und sich nicht vom Spiel der Muskeln beeindrucken ließ, sagte: „Es ist doch immer wieder erstaunlich, was so ein kleiner Verein mit 30 Leuten wie Freunde für Lietzow alles auf die Beine stellen kann.“

Von Annett Lahn

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