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Goldenes Buch und nackte Haut

Falkensee Goldenes Buch und nackte Haut

Soll es in Falkensee ein Goldenes Buch geben, in dem sich besondere Gäste oder verdiente Einwohner verewigen dürfen und in dem auch besondere Ereignisse wie in einer Stadtchronik dokumentiert werden? Die CDU-Fraktion hat einen entsprechenden Antrag gestellt, musste dann aber erleben, dass das Thema politisch sehr umstritten ist.

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Brandenburg/Havel hat schon eins: Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault trägt sich neben Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (2. v. r.) und Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann ins Goldene Buch ein.

Quelle: Stadtverwaltung

Falkensee. Am Ende konnte einem die Vorsitzende der CDU-Fraktion mit ihrem Antrag, in Falkensee solle ein städtisches „Goldenes Buch“ angelegt werden, leid tun. „Ich weiß gar nicht, warum das hier lächerlich gemacht wird“, sagte Daniela Zießnitz sichtlich irritiert, „wir sollten das ganze Thema nicht über Gebühr hoch hängen. Ich würde mich über eine sachliche Debatte freuen.“

Immerhin die bekommt sie nun. Nach der politischen Sommerpause im Rathaus wird der Falkenseer Bildungssausschuss jene Debatte über den Antrag der Christdemokraten fortsetzen, die in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung (SVV) aus dem Ruder zu laufen drohte.

Begonnnen hatte es alles noch ganz harmlos. Besondere Gäste der Stadt Falkensee und verdiente Persönlichkeiten mit Falkensee-Bezug sollten in einem Goldenen Buch geehrt werden. Dieses Prozedere wäre dem Status der größten kreisangehörigen Stadt in Brandenburg und der fünftgrößten Kommune im Land angemessen, argumentierte die CDU in der Begründung ihres Vorstoßes. Auch wichtige Ereignisse sollten vermerkt werden, das ganze Vorhaben könne sich zu einer Art „gebündelter Stadtchronik“ entwickeln. Und in die könnten als eine Art „Vorchronik“ auch Begebenheiten aus der Vergangenheit einfließen. So könne das Goldene Buch gleichsam als „repräsentativer Mittelpunkt“ in offizielle Anlässe in der Stadt einbezogen werden.

Doch groß war die Zustimmung bei den anderen Fraktionen und in der Verwaltung nicht für diese Idee. Geäußert wurden verschiedene technische, inhaltliche und gesellschaftliche Bedenken. „So etwas ist heute schon ein bisschen old school“, sagte Amid-Michel Jabbour, Chef der FDP-Fraktion. Altmodisch deshalb, weil derartige Meldungen über Persönlichkeiten oder Ereignisse in der modernen Welt Teil der Öffentlichkeits-Arbeit der Verwaltung seien und auf mehreren Wegen, nicht zuletzt mit Hilfe des Internets, dokumentiert und verbreitet werden.

Michael Simon (SPD) formulierte seine Bedenken so: „Ich bin von dieser Idee begrenzt begeistert, denn das Leben und die Entwicklung einer Stadt sind nicht mit einem Goldenen Buch darzustellen.“ Bürgermeister Heiko Müller (SPD) sagte: „Ein Goldenes Buch ist zwar möglich, aber es ist nicht erforderlich.“ Er wies zugleich auf ein „Problem“ hin, wie er es formulierte, das auch in Falkensee vorhanden sei: „Was ist, wenn jemand in Ungnade fällt oder gefallen ist, der Name dann aber im Goldenen Buch steht?“ Dies übrigens sei auch der Grund, warum das alte Falkenseer Ehrenbuch im Museum verwahrt wird. „Geschichte sollte man so lassen, wie sie ist.“

Norbert Kunz (Linke) indessen nahm kein Blatt vor den Mund. „Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich das alles ernst nehmen soll. Heutzutage gilt ja schon jeder, der einmal mit dem nackten Hintern durchs Fernsehen springt, als prominent.“ Solche Leute aber hätten in einem Goldenen Buch nichts verloren.

Von Stefan Kuschel

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