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Havelland Grabenbeauftragter schlägt Alarm
Lokales Havelland Grabenbeauftragter schlägt Alarm
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02:20 15.04.2018
Marcel Höhne an einer Brücke der L 202. Er fragt sich, warum dort irgendwann mit Zement eine Art Staustufe errichtet worden ist. Quelle: Andreas Kaatz
Brieselang

Brieselang gehört zu den Orten im Landkreis, die ganz besonders darauf angewiesen sind, dass das Niederschlagswasser ordentlich abgeführt und das Grundwasser auf einem vertretbaren Niveau gehalten wird. Dort, wo sich heute die Siedlung Brieselang befindet, war früher ein Feuchtgebiet, das Anfang des 20. Jahrhunderts trockengelegt wurde. Vor allem nasse Jahre merken viele Bewohner in ihren Kellern. Auch Marcel Höhne. Seit 2008 ist er der ehrenamtliche Grabenbeauftragte der Gemeinde und hat deshalb ein besonderes Auge auf die Entwässerungssituation im Ort. Er schlägt jetzt Alarm.

„Wir brauchen in Brieselang einen Gesamtentwässerungsplan und kein Stückwerk“, fordert er. Zu sehr seien Wohngebiete in der Vergangenheit durch Gemeinde und Genehmigungsbehörden nur separat betrachtet worden. Dabei hätten die Brieselanger bislang Glück gehabt. Die letzten Jahre waren eher trocken. Und trotzdem stand bei manchen das Wasser in den Kellern. „Wir brauchen Flächen und Böden, wo das Wasser versickern kann. Beides haben wir nicht“, sagt er. So wurden und werden vielerorts Flächen unnötig mit Pflaster und Bitumen versiegelt. Und in vielen Böden, die vorhanden sind, kommt schon in 50 bis 60 Zentimeter Tiefe Mergel, den das Wasser nicht durchdringt. Seiner Ansicht nach komme man möglicherweise nicht umhin, eine zentrale Entwässerung zu bauen.

Laut Höhne müsste endlich auch ein Sanierungsplan für Durchlässe und Gräben auf den Tisch. So hatte man unlängst versucht, ein Entwässerungsrohr in der Thälmannstraße zu befahren, um dessen Zustand zu erkunden. „Die Befahrung musste abgebrochen werden“, sagt er. Das Gerät steckte fest. Wie das Rohr dort aussieht: Fehlanzeige. An anderen Stellen haben die Rohre einen zu kleinen Querschnitt, das ankommende Wasser im Graben kann deshalb nicht richtig abgeleitet werden, steht dort lange Zeit. Gräben sind häufig zu schmal, Durchlässe liegen zu hoch oder sind verstopft. Hinzu kommen fehlerhafte Rohrverlegungen wie am Bahnhofsvorplatz Nord, wo das Gefälle von Durchlässen in die falsche Richtung geht. „Und manche Gräben hören einfach auf“, sagt Höhne.

Der Grabenbeauftragte

Brieselang konnte in den 20er-Jahren nur entstehen, weil die ersten Siedler sich um die Trockenlegung der sehr nassen Flächen kümmerten. Sie entwickelten ein Grabensystem.

Der Grabenbeauftragte kontrolliert regelmäßig das verzweigte System und arbeitet dabei mit dem Wasser- und Bodenverband und der Gemeindeverwaltung zusammen.

Seit 2008 ist Marcel Höhne der Grabenbeauftragte. Er fertigt jedes Jahr einen Grabenbericht an und weist auf Missstände hin.

Kontakt: info@gemeindebrieselang.de

Der Grabenbeauftragte war schon mal kurz davor hinzuschmeißen. „Ich fühlte mich von der Gemeinde zu wenig unterstützt“, sagt er. Eine Grund dafür: Die Gemeinde hatte vor Längerem ein zweiteiliges Gutachten zur Entwässerungssituation in Brieselang in Auftrag gegeben. Auf Teil II, der aufzeigen soll, welche Maßnahmen nötig sind, um Missstände abzustellen, wartet Höhne bislang vergebens.

Keinen direkten Einfluss besitzt die Gemeinde hingegen bei einem weiteren Problem. Es geht um den Wasserstand im Schlaggraben, in den das Regenwasser aus dem Ort abgeführt wird. Anschließend soll es eigentlich zum Großen Havelländischen Hauptkanal transportiert werden. Doch das Landesumweltamt setzt bei der Wasserregulierung offenbar andere Prioritäten. Ist der Wasserstand im Hauptkanal zu gering, werde laut Höhnes Beobachtungen Wasser aus dem Havelkanal dort eingeleitet statt aus dem Schlaggraben. „Warum das so ist, erklärt uns niemand“, sagt der Grabenbeauftragte, der auch gern wissen möchte, wonach sich der Wasserstand im Schlaggraben richtet. „Wir haben keinen Messwert.“

Im jüngsten Ausschuss für Gemeindeentwicklung bekam Höhne Unterstützung. Die Mitglieder waren der Ansicht, dass das Thema Grabengutachten zu forcieren ist. Zudem gab es den Hinweis, dass viele Eigentümer das Regenwasser nicht wie vorgeschrieben auf ihren Grundstücken versickern lassen, sondern in den öffentlichen Raum ableiten. Die Volksvertreter wollen jetzt darauf dringen, dass bald der zweite Teil des Grabengutachtens vorliegt.

Von Andreas Kaatz

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