Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Große Fortschritte an der Havel

Rathenow Große Fortschritte an der Havel

Das vergangene Jahr war ein gutes für die Untere Havel. Das konstatiert der Vorsitzende des Bundes Naturschutz (Bund) in Deutschland, Olaf Tschimpke. Im Zuge der Renaturierung wurden mehrere Altarme und Auenwälder angelegt.

Voriger Artikel
Erste Anfragen zur Ehe für alle
Nächster Artikel
Stickoxide kommen meist von alten Dieseln

Der Durchbruch: Seit Februar 2016 ist die Schliepenlanke wieder an die Havel angeschlossen.

Quelle: Kniebeler, Markus

Rathenow. Bedeutsamstes Feuchtgebiet in Europa, einmalige Tier- und Pflanzenwelt, größtes Renaturierungsprojekt in Deutschland – für die Untere Havel gibt es mittlerweile viele Superlative. Was offiziell „Gewässerrandstreifenprojekt“ heißt ist nichts anderes, als die Rückverwandlung von 90 Kilometer Fluss in seine einst natürlich gewachsene Form.

Begradigt, eingedeicht, befestigt

Denn über Jahrzehnte hat man sie begradigt, eingedeicht und ihre Feuchtwiesen trockengelegt. Seitenarme wurden abgetrennt und ihre Ufer mit Steinen befestigt. Nach und nach ging so der Lebensraum für unzählige Arten verloren. Und doch gibt es nach wie vor eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Hier findet man etwa 1000 bedrohte und geschützte Arten.

Die Schliepenlanke vor dem Umbau

Die Schliepenlanke vor dem Umbau.

Quelle: Klemens KarkowKlemens

Gemessen an dem Aufstand, der durch die Region waberte, als in den späten 1990er Jahren die Pläne für die Renaturierung bekannt wurden, geht es jetzt – der Rück- und Umbau des Flusses ist ein gutes Stück vorangekommen – ruhig zu. Die Havel-Renaturierung war ein Bestandteil der Erlebnisräume zur Bundesgartenschau und Touristen aus ganz Deutschland ließen sich erklären, was der Bund hier macht.

20,4 Millionen Euro

In seinem Jahresbericht betont Nabu-Präsident Olaf Tschimpke, mit welch hohem Aufwand die Renaturierung umgesetzt wird. „Bis 2012 werden insgesamt 20,4 Millionen Euro verbaut.“ Der Bund gibt 15 Millionen, der Länderanteil liegt bei 3,7 Millionen Euro. Dazu kommt ein Eigenanteil des Bund in Höhe von 1,6 Millionen Euro.

Die Ergebnisse sind zu sehen

Sucht man entlang der Unteren Havel nach Ergebnissen dieses Prozesses, muss man nach Sachsen-Anhalt schauen. Rocco Buchta, Leiter des Havel-Projektes hat in dem Jahresbericht beschrieben, wo 2016 die Schwerpunkte lagen. „Für die Revitalisierung historischer Havelarme und für die Wiederherstellung naturnaher Uferflächen bei Kuhlhausen wurden auf einer Länge von 1,8 Kilometern rund 4233 Tonnen Deckwerk beseitigt.“ An drei Stellen wurden Uferwallungen zurückgebaut und Wegedämme gesenkt. „Außerdem haben wir sieben Durchlassbauwerke angepasst.“ Für Buchta, der seit Anbeginn mit dem Havel-Projekt eng vernetzt ist, ist die Renaturierung eine große Chance: „Unser Havelprojekt wird die schlimmsten Wunden an Fluss und Landschaft heilen. Damit dieser kostbare Lebensraum auch für kommende Generationen erhalten bleibt.“

Offizielle Übergabe der neuen Insel an der Schliepenlanke

Offizielle Übergabe der neuen Insel an der Schliepenlanke.

Quelle: Bernd Geske

Auch in Rathenow sind die ersten Ergebnisse der Havel-Renaturierung zu sehen. Im April vergangenen Jahres wurde in Rathenow die Schliepenlanke, mit dem Hauptstrom verbunden. Buchta: „Dadurch wurde aus einer Landzunge eine zwei Hektar große Insel.“ Auf der wächst Auenwald, Viele Tiere und Pflanzen finden hier eine neue Heimat.

Noch ein Altarm

Zurück nach Sachsen-Anhalt: Mit der Vehlgaster Dorfhavel wurde im Oktober vergangenen Jahres ein weiterer Altarm angeschlossen, hier entstand ebenfalls eine neue Insel. Benannt ist sie nach Herbert Drossel, der das Projekt privat engagiert unterstützte. Vehlgast hat nun seine „Drosselinsel“. Sie ist Rückzugsraum für Seeadler und Schwarzspechte.

Gut vorangekommen

In elf Jahren sind die Arbeiten gut vorangekommen. Sechs Altarme sind angeschlossen, 6 900 Meter Deckwerk sind zurückgebaut, zehn Durchlässe sind neu errichtet und 15 Verwallungen wurden abgetragen. Dazu wurden drei Dämme abgesenkt, ein Wehr zurückgebaut und 23,5 Hektar Auenwald gepflanzt.

Zuversichtlich

Zuversichtlich: Projektleiter Rocco Buchta.

Quelle: Kniebeler, Markus

Wie gesagt: ein gutes Jahr für die Havel. Am Ende sind die Fluss-Verwandler aber noch lange nicht. Und die Nabu-Verantwortlichen hoffen auf weitere Spenden. Als „Havel-Pate“ kann man monatlich einen bestimmten Geldbetrag geben, der für das Projekt aufgewendet wird. Ein Havel-Pate bekommt mit der Postille „Fluss-Post“ einen unmittelbaren Einblick in die Arbeit.

Von Joachim Wilisch

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg