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„Großstadttrubel ist nicht meins“

Felix Burghardt im MAZ-Interview „Großstadttrubel ist nicht meins“

Der jüngste Premnitzer Bürgermeisterkandidat Felix Burghardt spricht im MAZ-Interview über Romantik im Standesamt, den Parallelen zwischen Bürgermeisteramt und Schiedsrichtertätigkeit und den Vorteil parteilos zu sein.

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Felix Burghardt im Café am See in Premnitz. Hier, am Wasser, verbringt er auch mit seinen Kindern viel Zeit.

Quelle: Ch. Schmidt

Premnitz. Er ist der jüngste der vier Bürgermeisterkandidaten die sich in Premnitz zur Wahl stellen. Statt einer Partei steht hinter dem 30-jährigen Felix Burghardt seine Familie, wie er im MAZ-Interview verrät.

Herr Burghardt, Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder und wollen nun Bürgermeister werden. Sind Sie ein Familienmensch oder Karrierehengst?

Burghardt: Ich bin beides, Familienmensch und Vater mit Leib und Seele, aber auch jemand, der sich beruflich weiterentwickeln will und versucht, mit diesem Amt die Geschicke in der Stadt zu lenken.

Wie ihr Mitbewerber Ralf Tebling kommen Sie aus dem Verwaltungsbereich. Seit wann arbeiten sie im Premnitzer Rathaus?

Burghardt: Ich bin 2006 als Lehrling eingestiegen und habe mich zum Verwaltungsfachangestellten ausbilden lassen. 2013 habe ich mich zum Standesbeamten fortgebildet und führe seither Trauungen durch, beurkunde Sterbefälle und was sonst dazu gehört.

Wie sind Sie darauf gekommen Standesbeamter zu werden?

Burghardt: Die Stelle wurde frei als die Kollegin in Rente ging. Es gab eine Ausschreibung und es stand die Frage im Raum, wer sich vorstellen kann, den Job zu bekleiden. Da ich kein Problem habe, vor Menschen zu reden, dachte ich, es könnte was für mich sein. Es macht mir tatsächlich viel Spaß. Für viele ist es ja der schönste Tag im Leben.

Hat denn eine Hochzeit im Standesamt noch etwas Romantisches?

Burghardt: Man kann es romantisch machen.

Wie?

Burghardt: In dem man sich auf die Paare einlässt. Man kann in seinen Traureden Verschiedenes einfließen lassen, persönliche Geschichten. Wenn man die Reden personalisiert und nicht die Standardrede aus der Schublade zieht, wird es für die Paare etwas Besonderes.

Wie haben Ihre Familie und Freunde auf die Kandidatur reagiert?

Burghardt: Bisher nur positiv. Ich habe von vielen nur Zuspruch gehört. Freunde und Bekannte sagten, ergreif die Chance, sie ist jetzt da. Die Karten werden vollkommen neu gemischt. Es gibt keinen Amtsinhaber der zur Wahl steht.

Sie wollen also in die Fußstapfen ihres jetzigen Chefs Roy Wallenta treten, der wie Sie parteilos ist. Gibt es noch andere Parallelen?

Burghardt: Wir vertreten ähnliche Ansichten. Zum Beispiel haben wir als Verwaltung versucht, uns als Dienstleister aufzustellen. Ich denke aber, dass man in diesem Bereich noch mehr tun kann. Ansonsten hinterlässt mein Vorgänger ein sehr gut bestelltes Feld. Ich denke wir haben in Premnitz einen hohen Standard. Das eine oder andere kann man sicher noch verändern. Zum Beispiel möchte ich wieder stärker den Fokus auf den Bereich um den See und das Gebiet am Dachsberg lenken.

Haben Sie deshalb das Café am See für das Interview gewählt?

Burghardt: Genau. Aber ich bin auch einfach gerne hier. Mittlerweile ist der Weg um den See zwar in die Jahre gekommen und muss wieder eine neue Form bekommen, aber dennoch bin ich hier sehr gerne, auch mit den Kindern. Im Sommer füttern wir hier Enten. Es ist für mich ein Rückzugsort.

Nach etwa eineinhalb Jahren in der CDU sind sie vor gut einem halben Jahr aus der Partei ausgetreten. Welchen Vorteil sehen Sie in der Parteilosigkeit?

Burghardt: Man ist einfach unabhängig und wird nicht zwingend mit der großen Politik verglichen. Oft heißt es: Er ist CDU-Kandidat, mir gefällt aber die große Politik der CDU nicht. Wir sind hier im kleinen kommunalen Bereich, parteilos zu sein wird hier nicht zum Nachteil ausgelegt.

Sie pfeifen in Ihrer Freizeit für den Norddeutschen Fußballverband. Haben Sie selbst aktiv gespielt?

Burghardt: Ja, ich habe früher für den TSV Chemie Premnitz gespielt, alle Jugendmannschaften durchlaufen und später auch im Männerbereich Fuß gefasst. Dann habe ich mich aber doch entschieden, den anderen Karriereweg einzuschlagen, weil in meinen Augen dort die Chance überregional aktiv zu sein größer war. Als Spieler wäre ich nie über Premnitz hinaus gekommen. Mit einer gewissen Selbstkritik habe ich schließlich versucht, über die Schiedsrichterei einen Schritt weiterzukommen.

Sie ziehen es jetzt vor, das Spiel zu begleiten, statt selbst zu spielen. Übertragen auf die Politik, ist das Amt des Bürgermeisters mit der eines Schiedsrichters zu vergleichen?

Ja, weil der Dialog mit den Bürgern bei mir im Vordergrund stehen soll. Dazu die offene und klare Arbeit mit der Stadtverordnetenversammlung als Entscheidungsgremium. Der Bürgermeister repräsentiert die Stadt und begleitet die Stadt in ihrer Entwicklung. Insofern kann man auch eine Parallele zum Fußball ziehen. Dabei begleitet man mit den Trainern 26 verschiedene Charaktere im Rahmen der Spielregeln.

In welchem Dress fühlen Sie sich wohler, im Bürooutfit mit Schlips und Kragen oder in der Schiedsrichterkluft?

Burghardt: In beiden. In der Schiedsrichterkluft fühle ich mich sehr, sehr wohl – klar. Schlips und Kragen sind – wenn angebracht – auch ok. Ansonsten bin ich eher der Typ, der sportlich, leger unterwegs ist, also nicht zwingend mit Schlips. (Er lüftet das Jackett unter dem ein lockeres Hemd mit Aufdruck zum Vorschein kommt – ganz so bieder mag es Felix Burghardt dann doch nicht). Ich denke mit einer Jeans, Hemd und Sakko ist man immer gut angezogen.

Ihr Slogan lautet „Mit mir bleiben Sie jung“. Beim Thema jung fällt vielen das Internet ein. Wie wichtig ist Ihnen die Präsenz in sozialen Netzwerken und wird diese im Wahlkampf eine Rolle spielen?

Burghardt: Das wird eine Rolle spielen. Ich bin bei Facebook aktiv, dort gibt es auch meine öffentliche Seite, die jeder besuchen kann. Ich würde auch die Stadt Premnitz mit einem Profil einbinden, denn bisher sind wir dort nicht zu finden. Wir haben zwar einen eigenen Internetauftritt, aber mehr auch nicht. Ich möchte versuchen den jungen Menschen, die in diesem Bereich ja besonders aktiv sind, die Chance zu geben, auch über das Internet mit der Stadt in Kontakt zu treten.

Zu Ihrem Slogan gehört auch der Beisatz: „Lassen Sie uns gemeinsam den Charme unserer Stadt erhalten.“ Worin liegt denn der Charme von Premnitz?

Burghardt: Premnitz ist eine kleine Stadt, die alle Dinge bietet, die man zum täglichen Leben braucht. Wir haben verschiedene Lebensmittelgeschäfte, die Infrastruktur, es ist alles da, es ist alles im Ort. Mit dem neuen Gesundheitszentrum haben wir etwas, das für Nachhaltigkeit sorgt und uns hoffen lässt, dass die Gesundheitsversorgung in den nächsten Jahren in Premnitz erhalten bleibt. Selbst für Bürger, die nicht so mobil sind, sind wir so aufgestellt, dass er alles gut erreichen kann.

Sie sind in Rathenow geboren, in Premnitz aufgewachsen, haben hier auch ihre Ausbildung absolviert. Hat es Sie nie in die weite Welt hinaus gezogen?

Burghardt: Ich war neun Monate für den Grundwehrdienst in Koblenz im Drei-Länder-Eck. Das war auch wirklich eine schöne Zeit, aber für mich war immer klar, das Großstadtleben mit diesem ständigen Trubel ist überhaupt nicht meins. Ich habe immer den Weg zurück ins Beschauliche favorisiert.

Gibt es etwas in Premnitz, auf das Sie besonders stolz sind?

Burghardt: Ein Aushängeschild für Premnitz sind für mich in jedem Fall unsere Bowler. Sie spielen seit Jahren in der Bundesliga und feiern dort immer wieder Erfolge. Erst kürzlich haben sie eine Bronzemedaille von den Deutschen Meisterschaften mitgebracht. Wenn man sieht, wie oft sie in den letzten Jahren auf den Treppchen standen, ist Premnitz im Bowling definitiv eine Hausnummer.

Schieben Sie selbst auch ab und zu eine Kugel?

Burghardt: Ja, hobbymäßig.

Und, wie viel?

Burghardt: (Lacht) Das schwankt, da bin ich leider nicht so konstant.

Von Christin Schmidt

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