Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Grünefeld ist einmalig schön

MAZ-Serie „Zuhause in...“ Grünefeld ist einmalig schön

Klein, beschaulich, harmonisch – so beschreibt Petra Riedel, die Vorsitzende des Grünefelder Heimatvereins, ihren Ort. Man könnte noch hinzufügen: einmalig. In ganz Deutschland gibt es keinen anderen Ort mehr, der diesen Namen trägt, wie man zur 625-Jahr-Feier herausfand. Doch es gibt noch mehr Gründe, warum die Bewohner auf ihr Dorf stolz sein können.

Grünefeld 52.674865217796 12.965682700928
Google Map of 52.674865217796,12.965682700928
Grünefeld Mehr Infos
Nächster Artikel
Schönwalde wird zum Kunstmarktplatz

Gemütliches Beisammensein am Grünefelder Dorfteich.

Quelle: Tanja M. Marotzke

Grünefeld. Klein, beschaulich, harmonisch – so beschreibt Petra Riedel, die Vorsitzende des Grünefelder Heimatvereins, ihren Ort. Man könnte noch hinzufügen: einmalig. In ganz Deutschland gibt es keinen anderen Ort mehr, der diesen Namen trägt, wie man zur 625-Jahr-Feier herausfand. „Das macht uns schon ein bisschen stolz“, sagt Ortsvorsteher Olaf Radzik (SPD).

Mit 460 Einwohnern ist Grünefeld der kleinste der sieben Schönwalder Ortsteile. 2003 war das Dorf aus dem Amt Nauen-Land hinüber in die Gemeinde Schönwalde-Glien gewechselt, bis heute sind darüber nicht alle Grünefelder glücklich. „Meine Wahrnehmung ist, dass wir ein bisschen das Anhängsel von Schönwalde sind“, meint der Kreistagsabgeordnete Jörg Schönberg (Linke), der im Ort wohnt. Traditionell sieht man sich im Dorf eher mit Börnicke, Tietzow und Kienberg verbunden. „In der Schönwalder Siedlung bin ich dagegen vielleicht drei Mal im Jahr“, sagt Heidi Neumann-Rappsch, Ortschronistin und Chefin der Gaststätte „Havelland“.

Warum auch? Wer einmal in Grünefeld gewesen ist, der will nie mehr weg. Schön ist dort, das sieht man auf den ersten Blick. „Wir haben ein geschlossenes Ortsbild mit einem schönen Anger, es gibt keine Bausünden“, sagt Holger Mauerhoff, Vorsitzender des Gemeindekirchenrats. Er zog 2013 nach Grünefeld und fühlte sich sofort heimisch. Plattenbauten gibt es im Ort keine, dadurch habe das Dorf sich bis heute seinen ländlichen Charakter bewahrt, sagt Olaf Radzik, auch wenn mittlerweile mit Ausnahme einiger Pferdehöfe längst keine Landwirtschaft mehr betrieben wird. Das Dorfensemble lockt derzeit auch ein Fernsehteam des ZDF nach Grünefeld, das dort in diesen Tagen einige Szenen für die Fortsetzung von Ferdinand von Schirachs „Schuld“ abdreht.

9e9c5d08-2c8c-11e6-8199-f5b733d5f625

Einmal im Jahr wird es richtig laut in Grünefeld. An einem Wochenende im Juli findet am Kiessee das Technofestival „Nation of Gondwana“ statt. Ansonsten punktet der 1379 erstmals erwähnte Ort mit ländlicher Idylle, wovon sich 2007 auch die Besucher des Landeserntefests überzeugen konnten. 460 Menschen leben in Grünefeld, damit ist das Dorf der kleinste Ortsteil von Schönwalde-Glien. Und der einzige Ort in ganz Deutschland mit diesem Namen.

Zur Bildergalerie

Am Anger befinden sich auch das Atelier von Künstlerin Heidi Lasch, die sich in der ehemaligen Schule eingerichtet hat, und direkt daneben die Dorfkirche mit ihrem neobarockem Turm und der Gsell-Orgel aus dem 18. Jahrhundert. Ein beliebter Veranstaltungsort für Lesungen und Konzerte. „Wenn der Chor auftritt, ist die Kirche immer rappelvoll“, berichtet Holger Mauerhoff vom Gemeindekirchenrat. Für musikalische Vielfalt sorgt im Ort außerdem die Band „The Sugar Beats“, die seit über 50 Jahren rockt und ihrem Heimatdorf dabei immer treu geblieben ist. Sogar die Ausstellung im Haus der Deutschen Geschichte in der ehemaligen Bundeshauptstadt Bonn berichtet in der Rubrik „Amateur-Tanzmusik in der DDR“ über die Gruppe.

Die „Sugar Beats“ sind gern gesehener Gast bei den Dorffesten, von denen es in Grünefeld einige gibt. Viele davon organisieren die freiwillige Feuerwehr und deren Förderverein, zusammen mit dem Heimatverein „ein Motor des Dorfes“, wie Ortsvorsteher Olaf Radzik es ausdrückt. Mit 21 aktiven Feuerwehrleuten, zehn Jugendlichen und 13 Mitgliedern der Altersabteilung ist die Feuerwehr mit Blick auf die geringe Einwohnerzahl stark aufgestellt. Das gilt auch für den Heimatverein und all die anderen Vereinigungen im Ort: die Angler, die Volkssolidarität, die Line Dancer. Als Olaf Radzik vor einigen Jahren einem Mitglied der Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ die aktuellen Mitgliederzahlen der örtlichen Vereine auflistete, da konnte dieser bloß staunen: „Aber es gibt hier doch bloß 450 Einwohner?!“ Die Vereine sorgen dafür, dass Zugezogene schnell ins Dorfleben integriert werden, etwa die Bewohner des Neubaugebiets, für das bald mit dem zweiten Bauabschnitt begonnen werden soll.

Einen Supermarkt gibt es in Grünefeld nicht, doch fahrende Händler versorgen die Älteren mit frischen Brötchen, Milch und Fleischwaren. „Das hat auch eine soziale Komponente. Man kauft vielleicht nicht viel ein, aber man kann sich unterhalten“, sagt Holger Mauerhoff. Ansonsten haben es die Senioren nicht immer leicht, denn ins benachbarte Paaren im Glien, wo sich unter anderem ein Frisör und die Sparkasse befinden, führt kein direkter Fuß- oder Radweg. „Unsere Rentner müssen mit dem Rollator die Straße entlang oder lange Umwege durch den Wald in Kauf nehmen“, sagt Olaf Radzik.

Für Kinder ist Grünefeld dagegen der ideale Ort zum Aufwachsen. Die Kita „Waldwichtel“ ist ausgebucht, es gibt einen Bolzplatz und im Sommer lockt die Badestelle am Kiessee. „Im Sommer schwingt man sich einfach aufs Fahrrad und fährt zum See, um sich abzukühlen“, sagt Holger Mauerhoff.

Der Kiessee war 1902 angelegt worden. Bis 1904 wurde in der Grube Kies für den Bau der Osthavelländischen Eisenbahn gewonnen, der unter anderem mit Loren von Grünefeld nach Paaren gebracht wurde. Auf der Südostseite gab es bis 1994 auch einen Campingplatz, der mittlerweile allerdings geschlossen ist.

Auch der See selbst ist in Gefahr: Der Wasserspiegel sinkt stetig, an manchen Stellen beträgt die Wassertiefe nur noch 50 Zentimeter – es droht die vollständige Verlandung. Zudem gebe es immer wieder Ärger mit Besuchern, die mit dem Auto bis zum See fahren und ihren Müll nicht wieder mit nach Hause nehmen, berichtet der stellvertretende Ortsvorsteher Fred Scholz. Auch Olaf Radzik meint, die Gemeinde könnte sich ruhig mal ein bisschen mehr um das Gewässer kümmern. „Da ist leider wenig Interesse zu spüren“, klagt er.

Einmal im Jahr, dieses Mal am 23. und 24. Juli, findet am Kiessee das Musikfestival Nation of Gondwana statt. Dann pilgern 8000 Techno-Jünger nach Grünefeld, um im Dorf eine große Party zu feiern. „Das Festival ist eine Bereicherung für den Ort“, findet Heidi Neumann-Rappsch. Die Besucher seien alle freundlich, Randale gäbe es keine. „Und wer die Musik nicht mag, der fährt eben übers Wochenende weg.“ Aber nur, um ganz bestimmt wiederzukommen.

Von Philip Häfner

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Havelland
57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg