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Gülper Fleisch in Rhinower Brötchen

Rathenow Gülper Fleisch in Rhinower Brötchen

Die Karriere von Torsten Wagenführ schien vorgezeichnet. Lehre, BWL-Studium, Anstellung in einem Steuerbüro. Doch dann ließ der 32-Jährige alles sausen und reiste ein Jahr um die Welt. Heute verkauft er aus einem Imbisswagen Burger, die er aus regionalen Zutaten herstellt, und ist glücklich damit.

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Torsten Wagenführ und Jessica Menz vor der „Frischebox regional“ am Rathenower Dunckerplatz.

Quelle: Markus Kniebeler

Rathenow. Regelmäßige Bahnfahrer, die Tag für Tag auf dem gleichen Weg vom Auto zu den Zügen trotten, mussten in der vergangenen Woche in ihrer Arbeitsweg-Routine eine Veränderung registrieren. Auf der rechten Seite des Gehwegs am Dunckerplatz, der von den Pkw-Stellflächen zum Bahnhof führt, stand da plötzlich ein Imbisswagen. Und zwar keine der hinlänglich bekannten Fressbuden, sondern ein Gefährt, das sich nicht nur in puncto Aussehen, sondern vor allem auch in Bezug auf das Angebot von der Döner-Pommes-Bockwurst-Schiene abhebt.

Kaffee gibt es, süße Waffeln und vor allem Burger. Nun gehen Letztere, 100 Jahre nach ihrer Erfindung, nicht mehr als kulinarische Neuigkeit durch. Dennoch kann man behaupten, dass es die warmen Fleischbrötchen, die man in der „Frischebox regional“ erwerben kann, so noch nicht gegeben hat. Was an den Zutaten liegt. Denn die werden nicht in irgendwelchen Großbetrieben hergestellt, eingefroren und durch die Welt geliefert. Sondern sie stammen aus dem Havelland. Das Hackfleisch, der Speck und der Schweinnacken werden bezogen von der Agrargenossenschaft Gülpe. Die Brötchen backt Bäcker Peter Schulze aus Rhinow. Kürzer könnte die Lieferkette kaum sein.

Das Konzept ersonnen und umgesetzt hat Torsten Wagenführ. Seit Mai gibt es die Frischebox. Zuerst stand sie am Netto-Markt in der Bammer Landstraße, jetzt ist sie zum Dunckerplatz umgezogen. Und hat, wenn man die Facebook-Einträge verfolgt, in kürzester Zeit schon jede Menge Fans gewonnen.

Dass seine berufliche Karriere ihn zu Hackfleischklopsen in Weizenbrötchen führen würde, hätte Torsten Wagenführ sich nicht träumen lassen. Die Weichen waren in eine ganz andere Richtung gestellt. Nach dem Abitur am Jahngymnasium machte der Rathenower eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn zum Elektroniker, studierte dann an der Uni Rostock BWL und stieg nach dem Master-Abschluss in ein Steuerberatungs/Wirtschaftprüfungsbüro ein. Hätte eine feine Finanzerkarriere werden können – mein Haus, mein Boot, mein Auto. Wurde es aber nicht. Weil er sich in seiner Haut nicht wohl fühlte, schmiss Wagenführ nach zwei Jahren alles hin. Kündigte, räumte das Sparkonto und erkundete die Welt. 13 Monate war er unterwegs. Asien, Australien, Hawaii und Mexiko. Nach der Rückkehr in die Heimat waren ihm zwei Dinge klar: Dass der Ausstieg aus dem Bürojob die richtige Entscheidung gewesen war. Und dass er sein eigenes Ding machen wollte.

Von seiner Reise waren ihm die Streetfood-Erfahrungen noch in bester Erinnerung. Die kleinen Garküchen in Asien, in denen mit wenig Aufwand Speisen ganz frisch zubereitet werden. Oder die Burger-Stände in Australien, in denen ebendies geschieht. Das wollte Wagenführ auch im Havelland versuchen. Und dabei vor allem darauf achten, dass die Zutaten aus der Region kommen.

So ist es passiert. Jeden Tag vor Dienstbeginn deckt sich der Jungunternehmer, der in Rhinow lebt, in den Hofläden der Agrargenossenschaft Gülpe mit frischem Fleisch ein. Vom Rhinower Bäcker nimmt er die Brötchen mit. Und im Imbisswagen baut er dann aus den auf dem Gasgrill gebratenen Buletten und den übrigen Zutaten seine Burger zusammen. Weil es montags kein frisches Hackfleisch gibt, werden an diesem Tag die Brötchen mit Pulled Pork belegt, jenen zarten Schweinenackenfasern, die der 32-Jährige am Abend zuvor zubereitet hat. Außerdem im Angebot: Bacon & Egg-Rolls, also Brötchen mit Eiern und Speck – eine Reminiszenz an die Zeit in Australien. Ebenso wie der Kaffee, der aus frisch gemahlenen Bohnen in einer Siebträgermaschine hergestellt wird. Echte Kaffeefans wissen, wovon die Rede ist.

Montags bis freitags (außer mittwochs) ist der Stand, in dem Wagenführ von Jessica Menz unterstützt wird, besetzt (11 – 15.15 Uhr und 16 – 18.30 Uhr). An den Wochenenden baut er ihn, wenn er gebucht wird, bei Veranstaltungen auf. Beim Stadtfest am Wochenende etwa war die Frischebox auf dem Bebelplatz zu finden.

Mit den ersten Monaten als Selbstständiger ist Wagenführ ganz zufrieden. Aber um dauerhaft über die Runden zu kommen, muss sich der Umsatz noch steigern. Was, wenn man die Einträge auf Facebook (facebook/frischeboxregional) liest, kein Problem sein dürfte.

Von Markus Kniebeler

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