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Gut integrierter Kameruner wird abgeschoben

Havelland: Ausländer muss zurück nach Spanien Gut integrierter Kameruner wird abgeschoben

In Kleßen gehört Hervé Kommogne zur Dorfgemeinschaft. Der Kameruner wohnt im Asylübergangsheim Friesack und engagiert sich tatkräftig im Kirchenchor und bei den Kleßener Schmitt-Singers. Nun sieht es aber so aus, als würden die Schmitt-Singers demnächst Hervé Kommogne verlieren. Er wird nach Spanien abgeschoben, hat ein Richter entschieden.

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Hervé Kommogne (hinten 2. von links) im Kreise der Schmitt-Singers.

Quelle: Norbert Stein

Kleßen/Friesack. Hervé Kommogne ist in Kleßen und Friesack ein angesehenes Mitglied der Gemeinschaft – der Kameruner ist ein gutes Beispiel dafür, wie man Asylbewerber integrieren kann, ihnen eine Perspektive bietet. Willibald Schmitt, der Kommogne in seinen Chor holte, trug dazu bei. Die Kirchengemeinde auch. Zwei Jahre lebt Kommogne nun hier, nun soll er Kleßen und Friesack verlassen. Sein Asylverfahren muss in Spanien abgewickelt werden.

„Dublin II“ trifft ganz klare Festlegungen

Das hat das Verwaltungsgericht Potsdam im vergangenen Herbst so entschieden. „Dublin II“ heißt der Grund, weshalb der Kameruner nun nach Spanien soll. Denn dort hat er den Boden der Europäischen Union betreten und dort muss gemäß der EU-Richtlinie „Dublin II“ das Asylverfahren stattfinden. Als Kommogne einreiste, führte ihn sein Weg zunächst nach Ceuta in Spanien, wo er eigenen Angaben zufolge, keine Chance auf ein ordentliches Asylverfahren sah. So reiste er bis zur Grenze nach Holland, von wo er nach Eisenhüttenstadt ins Erstaufnahmelagerund später nach Friesack geschickt wurde. Was folgte, war das bekannte Aufnahmeprozedere. Das Bundesamt für Immigration und Flüchtlinge lehnte den Asylantrag ab – aus formalen Gründen mit dem Hinweis, das Verfahren müsse in Spanien stattfinden. Dagegen klagte Kommogne. In einer Eilentscheidung stellte das Verwaltungsgericht Potsdam fest, es könnte Gründe geben, die ein Asylverfahren in der Bundesrepublik erlauben. Hervé Kommogne könne in Deutschland bleiben, bis seine Klage gegen die BAMF-Entscheidung verhandelt ist.

Zunächst hatte Kommogne Zuversicht

Aus diesen Schlüssen des Gerichtes zog Kommogne die Zuversicht, er werde wohl vorerst bleiben können – obwohl bis dahin noch immer nicht die sachlichen Gründe, die er für seine Flucht angegeben hatte, geprüft wurden. Kommogne lebte sich in Friesack und Kleßen ein. Er lernte Deutsch, fand Anschluss. Er bekam eine Praktikumsstelle bei der Arbeiterwohlfahrt und engagierte sich im Wohnheim.

Doch dann kam im vergangenen Jahr die Hauptsacheverhandlung. Inzwischen lag der Fall bei einem anderen Richter auf dem Tisch. Der wies die Klage ab. Kommogne könne sein Asylverfahren in Spanien durchlaufen. Es werde wohl kein Problem sein, Hilfe zu finden – das sei ihm in Deutschland ja auch gelungen.

Ausreisebescheid ist schon da

Inzwischen hat Kommogne den Bescheid zur Ausreise in der Hand. Und in Friesack sind seine Begleiter enttäuscht. „Es kann doch nicht sein, dass ein Einzelrichter allein über Wohl und Wehe eines Asylbewerbers entscheidet“, sagt Anke Goersz aus Jahnberge. Und Willibald Schmitt kann es nicht fassen: „ Diejenigen, die sich gut integrieren, werden weggeschickt.“ Andere bleiben. In einem Brief bitten sie nun die Ausländerbehörde des Kreises, Gnade vor Recht ergehen zu lassen. Willibald Schmitt: „Ich und viele andere haben sich um die Integration bemüht. Soll das alles umsonst gewesen sein?“

Kommogne zurück – vorerst

Die Aussicht auf Erfolg ist gering. Kommogne wird wohl nach Spanien zurück müssen – Ausgang seines Asylverfahrens dort: Ungewiss.

Von Joachim Wilisch

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