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Hackerangriff: Erpresser legen Verwaltung lahm

Milower Land (Havelland) Hackerangriff: Erpresser legen Verwaltung lahm

Ein Computervirus hat die Verwaltung der Gemeinde Milower Land (Havelland) lahm gelegt. Am Donnerstag hatte die Sekretärin des Bürgermeisters den Angriff entdeckt. EDV-Experten untersuchen derzeit Server, Computer und Festplatten. Ziel war aber offenbar nicht der Diebstahl von Daten – sondern „Lösegeld“.

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Ein Virus hat die Milower Verwaltung lahm gelegt.

Quelle: Silas Stein

Milow. Ein Computervirus hat die Verwaltung der Gemeinde Milower Land lahm gelegt. Am Donnerstag bei Dienstbeginn hatte die Sekretärin des Bürgermeisters den Angriff entdeckt. Sofort wurden alle Server abgeschaltet. EDV-Experten untersuchen derzeit Server, Computer und Festplatten. Der Dienstbetrieb der Verwaltung ist deshalb sehr eingeschränkt.

Ziel war offenbar nicht der Datendiebstahl, sondern Lösegeld

Felix Menzel, Bürgermeister der Gemeinde berichtete, es gebe derzeit keine Hinweise darauf, dass Daten von den Computern abgezogen worden sind. Offenbar sei nicht Datendiebstahl, sondern Erpressung Ziel des Angriffs. Darauf deutet eine Nachricht hin, die nach Hochfahren des Computers auf dem Bildschirm aufgetaucht war. Gegen die Überweisung eines Betrages könnten Dateien, die über Nacht verschlüsselt worden waren, wieder entschlüsselt werden, so lautete sinngemäß die Botschaft des unbekannten Absenders.

Bürgermeister Felix Menzel

Bürgermeister Felix Menzel.

Quelle: Bernd Geske

Tatsächlich ist diese Art der Erpressung auf dem Vormarsch. Locky lautet die Bezeichnung für die im Februar dieses Jahres in Umlauf gebrachte Schadsoftware. Dabei kommt ein so genannter Trojaner zum Einsatz, der Dateien auf dem infizierten Rechner verschlüsselt, so dass sie vom Nutzer nicht mehr geöffnet werden können. Die Urheber des Angriffs fordern dann von den Nutzern der befallenen PCs ein Lösegeld für die Entschlüsselung der Dateien.

Internetzugang der Verwaltung abgeschaltet

„Natürlich haben wir auf diese Forderung nicht reagiert“, sagt Menzel. Vielmehr seien nach Entdeckung des Virus alle Server heruntergefahren worden. Sogleich hätten die EDV-Fachleute der Verwaltung begonnen, jeden einzelnen Rechner zu untersuchen, um zu herauszufinden, welches Ausmaß der Virenbefall erreicht habe. „Diese Untersuchung ist sehr zeitaufwändig“, sagt Menzel. „Die Arbeit der Verwaltung kann deshalb vorerst nur mit großen Einschränkungen vonstatten gehen.“ Möglicherweise werde man Bürger unverrichteter Dinge nach Hause schicken müssen. Denn für die meisten Anliegen sei ein Internetzugang erforderlich. Und den habe man zum Wohle der Sicherheit für die Zeit der Schadensanalyse und -behebung abgeschaltet.

Bis zum 6. Dezember wollen die EDV-Spezialisten ihre Untersuchungen abgeschlossen haben. So lange kann es nach Auskunft Menzels zu erheblichen Einschränkungen im Verwaltungsbetrieb kommen. Sollte das Problem schneller behoben sein, werde man die Öffentlichkeit informieren.

Rathaus in Rathenow ebenfalls Ziel von Hackerangriff

Unmittelbar nach dem Vorfall hat die Milower Verwaltung Anzeige erstattet. Wenn man die Erfahrungsberichte Betroffener im Internet verfolgt, sollte man sich allerdings keine allzu großen Hoffnungen machen, die Erpresser zu finden und zur Verantwortung zu ziehen.

Dass die Milower Verwaltung nicht die erste im Havelland ist, die Opfer eines so genannten Krypto-Angriffs wurde, bestätigt Rathenows Hauptamtsleiter Jörg Zietemann. Im Mai sei die Rathenower Stadtverwaltung auf die beschriebene Weise attackiert worden. Weil der Vorfall sehr schnell bemerkt wurde, habe sich der Schaden in Grenzen gehalten. Nur wenige Dateien seien verschlüsselt worden. Die IT-Spezialisten im Rathaus hätten es geschafft, die Daten wiederherzustellen. Gleichwohl sei die Verwaltung gut zwei Tage nicht arbeitsfähig gewesen. „Das war schon ein beträchtlicher Schaden“, so Zietemann. Nach dem Vorfall wurden im Rathenower Rathaus Maßnahmen ergriffen, um die Internet-Nutzung noch sicherer zu machen. Seitdem ist nichts mehr passiert. „Aber eine absolute Sicherheit gibt es nicht“, sagt Zietemann.

Von Markus Kniebeler

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