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Handwerk mit Nachwuchssorgen

Havelland Handwerk mit Nachwuchssorgen

In einem halben Jahrhundert hat Ofenbaumeister Klaus-Joachim Schulze aus Falkensee schon viele junge Menschen in seinem Handwerk ausgebildet. Im kommenden Jahr feiert der Falkenseer nun das 50. Jubiläum seines Betriebs. Heute noch geeignete Lehrlinge zu finden, wird jedoch immer schwieriger – das weiß der Altmeister.

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Ofenbaumeister Klaus-Joachim Schulze (M.) bekam von Geschäftsführerin Claudia Seeligman und Handwerksmeister Michael Ziesecke die Ehrennadel überreicht.

Quelle: Laura Sander

Nauen. In einem halben Jahrhundert hat Ofenbaumeister Klaus-Joachim Schulze schon viele junge Menschen in seinem Handwerk ausgebildet. Im kommenden Jahr feiert der Falkenseer nun das 50. Jubiläum seines Betriebs, den er vor über zehn Jahren an seinen Sohn übergeben hat.„Ich habe alles in meinem Leben richtig gemacht und bin recht stolz auf das, was ich geschafft habe.“ Für seine Verdienste in der Innung wurde Schulze beim diesjährigen Sommerfest der Kreishandwerkerschaft Havelland mit der Ehrennadel ausgezeichnet. „An der Arbeit als Ofenbauer hat sich mit den Jahren nicht viel geändert, sie ist noch genauso schwer“, so der Falkenseer. Einen Lehrling zu finden, sei daher immer schwieriger.

Auftragsbücher sind voll

Und mit dieser Meinung steht Klaus-Joachim Schulze nicht alleine da. „Wer in diesem Jahr noch einen Handwerker sucht, hat schlechte Karten – so gut ist die Auftragslage im Havelland derzeit“, weiß Claudia Seeligmann, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. „Der hohe Mangel an Fachkräften ist ein großes Problem. Ansonsten gibt es eigentlich wenig zu klagen“, so Seeligmann weiter. „Die Auftragsbücher sind voll – sei es nun aufgrund der niedrigen Zinsen in der Baubranche oder der hohen Nachfrage an regionalen Produkten im Lebensmittelhandwerk. Und trotzdem fehlt es an qualifiziertem Personal“, so Handwerksmeister Michael Ziesecke. „In diesem Jahr haben sich 115 Betriebe neu angemeldet. Mit mittlerweile 2230 Betrieben ist das eine stabile Größe“, so der Handwerksmeister weiter. Und auch Lehrstellen gäbe es im Havelland genug. „Von 500 gemeldeten Stellen in 200 Ausbildungsbetrieben sind bislang gerade einmal 82 besetzt. Leistungsstarke Schulabgänger fangen an zu studieren, Leistungsschwächere erfüllen die Anforderungen des Handwerks nicht“, sagt Ziesecke. „Anpassen sollten wir uns jedoch nicht, das würde nur bedeuten, dass die Qualität darunter leidet.“

Dem Problem aktiv stellen

Auch der Zuwandererstrom habe sich bislang nicht bemerkbar gemacht, weiß der stellvertretende Landrat Henning Kellner. „Man muss sich dem Problem aktiv stellen und das Handwerk für die Jugend wieder attraktiv machen. Gute Kontakte zu Schulen und die Teilnahme an Ausbildungsbörsen gehören dazu“, so Kellner. Rund 1300 Schüler informierten sich in diesem Jahr alleine auf der Praktikums- und Ausbildungsmesse im MAFZ-Erlebnispark Paaren. „Leider hat nur ein Bruchteil der Ausbildungsbetriebe aus dem Havelland das Angebot wahrgenommen.“

Berufswahlpass hilft bei der Nachwuchsgewinnung

Wenige Jugendliche wissen, was sie einmal werden möchten. Viele entwickeln eigene Interessen und Fähigkeiten in einem längeren Prozess, der auch mit Umwegen verbunden ist.

Der Berufswahlpass , der mittlerweile an einen Großteil der Schulen im Havelland übergeben wurde, soll die Berufsorientierung anregen, begleiten und dokumentieren.

Der Pass ist ein Ordner, in dem die Schüler all das sammeln, was sie auf ihrem Weg bis zur Bewerbung erhalten. Sie führen den Ordner von der siebten bis zur zehnten Klasse mit dem Ziel einen passenden Ausbildungsplatz zu finden.

Die gesammelten Materialien dienen den Jugendlichen bei der Findung des geeigneten Berufs, sie bieten aber auch den Ausbildungseinrichtungen gute Orientierung bei der Auswahl der Bewerber.

Zwei Erfolgsgeschichten

Und doch sind nicht alle Schulabgänger dem Handwerk abgeneigt. Gleich zwei erfolgreiche Absolventen wurden beim Sommerfest der Kreishandwerkerschaft freigesprochen. Muster-Azubi John Kelm verkürzte seine Lehre in der Groß Behnitzer Firma G&P Metallbau sogar um ein halbes Jahr und schloss sie mit einer sehr guten Leistung ab. Für eine Ausbildung in dem Handwerksbetrieb hatte sich der 21-Jährige, der im Juni zum Azubi des Monats gekürt wurde, ganz bewusst entschieden. Kein Wunder, dass Chef Burkhard Günnel ihn nach seiner Ausbildung gleich übernimmt. „So jemanden findet man halt nicht alle Tage“, so Günnel. Über eine Festanstellung kann sich auch Tim Kuche aus Rathenow freuen. Und dabei wurde ihm nach seinem Schulabschluss von der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker abgeraten. „Meine schulischen Leistungen haben nicht gestimmt, aber es war von Anfang an mein Traumberuf. Ich bin sehr froh, dass ich es trotzdem durchgezogen habe“, so der 20-Jährige, der künftig in seinem Ausbildungsbetrieb, dem Autohaus Schulz in Rathenow, an Fahrzeugen aller Art herumschrauben wird.

Von Laura Sander

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