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Hans Röckle im Kinosommer

Defa-Filmklassiker in Falkensee Hans Röckle im Kinosommer

Der Kinderfilm „Hans Röckle und der Teufel“ von 1974 wird beim diesjährigen Falkenseer Kinosommer gezeigt. Am 29. August läuft er open air im Gutspark. Sein Regisseur Hans Kratzert wohnt in Falkensee.

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Hans Kratzert seiner Falkenseer Wohnung.

Quelle: Marlies Schnaibel

Falkensee. Hans Kratzert denkt gern an Hans Röckle zurück. „Ich hatte viel Glück“, sagt der 75-jährige Regisseur, der in Falkensee lebt. Der Film gelang ihm gut und zeigte, was ihm offensichtlich lag: Filme für Kinder drehen.

34 Jahre war Hans Kratzert alt, als er den Defa-Film „Hans Röckle und der Teufel“ schuf. Er hatte Glück mit der Wahl seiner Schauspieler und hat denen Glück gebracht. Rolf Hoppe spielte in den Puppenspieler und Erfinder Hans Röckle. Kratzert wollte genau Hoppe für diese Rolle, obwohl der damals jahrelang nur Schurkenrollen gespielt hatte und als „Indianerbösewicht vom Dienst“ galt. Aber Kratzert kannte den anderen Hoppe: „Ich hatte ihn mal in Magdeburg getroffen, wir haben über Gott und die Welt geredet und ich habe einen warmherzigen, offenen, freundlichen Menschen kennengelernt.“ Ein Glücksumstand für den Schauspieler, denn der kam durch diesen Kinderfilm aus der bösen Ecke raus, in der er festgelegt schien. „Mich zu besetzen war von ihm eine große Tat, für die ich ihm ewig dankbar bin“, hat Hoppe später mal gesagt, da war er schon weltberühmt.

Weltberühmt ist Hans Kratzert nicht geworden, ein erfolgreicher und mehrfach ausgezeichneter Regisseur wurde er schon. Dabei war ihm schon früh klar, dass er zum Film wollte. Geboren im schlesischen Heerwegen kam er als Flüchtling in die Altmark, die Theaterspielgruppe seiner Schule zog ihn besonders an. Er wirkte in Aufführungen von Shakespeare, Brecht und Majakowski mit, stand bei „Hans im Glück“ auf der Bühne. Mit dem Abitur in er Tasche bewarb er sich an der Filmhochschule und wurde abgelehnt: zu jung. Zwei Jahr später versuchte er es erneut, diesmal erfolgreich. 1964 erhielt er sein Diplom in Fachbereich Regie. Während des Studiums war er auf den großen Konrad Wolf zugegangen und hatte ihn direkt gefragt, ob er bei ihm ein Praktikum machen könne. Ein ganzes Semester Regieassistenz wurde daraus, Wolf gab dem jungen Man viel zu tun. So wurde in Halle der Film „Geteilter Himmel“ gedreht.

„Der Film hat mir auch Glück gebracht“, erzählt Hans Kratzert, denn in Halle traf er seine Frau – wieder. Sie kannten sich von der Schulzeit, hatten sich dann aus den Augen verloren und in Halle wieder gefunden.

Nach dem Studium war Kratzert als Regieassistenz bei Kurt Maetzig tätig, ehe er 1968 seinen ersten eigenen Film machte. „Mord am Montag“. 1970 folgte „Morgen ist schon heute“ und der Kinderfilm „Wir kaufen eine Feuerwehr“.

Kino-Sommer

„Hans Röckle und der Teufel“ läuft am 29. August ab 21 Uhr im Open-Air-Kino von Falkensee, gezeigt wird er auf der Festwiese am Gutspark. Der Eintritt ist frei.

Der Kino-Sommer in Falkensee begann 2001. Damals lief der Film „Durchbruch Lok 234“, der auf wahren Ereignissen des Jahres 1961 am Bahnhof Albrechtshof basiert.

Die Defa-Filme „Beschreibung eines Sommers“ (2012), „Die Söhne der großen Bärin“ (2013) und „Ein Lord vom Alexanderplatz“ (2014) folgten.

Mit „Tecumseh!“ drehte Kratzer dann noch einen Streifen, der die Reihe der Indianerfilme der Defa fortsetzte. Hier hat sich der Regisseur auch selbst auf die Leinwand getraut: In einer Mini-Nebenrolle gibt er einen englischen Offizier, der „Salve Feuer“ ruft.

Aber die Richtung zu den Kinderfilmen war eingeschlagen. „Ich hatte keine Schwierigkeiten mit der Besetzung“, erinnert sich Hans Kratzert, bis in die Nebenrollen hatte er gute Schauspieler. Seine Filme fanden ihr Publikum, drei liefen auf der Berlinale.

Auch bei der Filmmusik zeigte sich Kratzert auf der Höhe der Zeit. „Es gab damals die Vorstellung, Filmmusik in Kinderfilmen müsse volksliedhaft sein“, erzählt er, „ich aber wollte zeitgemäße, moderne Musik.“ Mit Reinhard Lakomy und Klaus Lenz spielte er die ein, später komponierten Günter Fischer und Christian Steyer.

Reinhard Lakomy war es auch, der die Musik für Kratzerts letzten Film schuf: „Der Drache Daniel“ wurde 1989 gedreht, am Abend des 9. Novembers saß Hans Kratzert im Tonstudio. Mit der Wende kam das berufliche Aus. „Wie 2000 andere Beschäftigte der Defa wurde auch ich entlassen“, sagt er tonlos. Große Filme gab es dann für ihn nicht mehr zu machen.

Vor 15 Jahren zogen er und seine Frau der Kinder wegen von Potsdam nach Falkensee. Und: Er freut sich, dass mit dem Open-Air-Kino an seinen Hans Röckle erinnert wird. Der Film hatte einige internationale Auszeichnungen erhalten. Nun kann er in Falkensee wiederentdeckt werden.

Von Marlies Schnaibel

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