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Hans Pleschinski liest am Sonntag im Schloss

Nennhausen Hans Pleschinski liest am Sonntag im Schloss

Der Herzog Emanuel von Croÿ (1718 – 1784) war ein Landbesitzer mit einem Faible für die schönen Künste. Vor allem aber war er ein Chronist seiner Zeit. Alles, was er in seiner französischen Heimat und auf seinen Reisen durch Europa erlebte, hielt er fest. Der Münchner Autor Hans Pleschinski wird das Buch am Sonntag in Nennhausen vorstellen.

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Der Schriftsteller Hans Pleschinski hat Auszüge des Tagebuchs des Herzogs von Croÿ übersetzt und herausgegeben

Quelle: C.H. Beck

Rathenow. Da behaupte noch jemand, das Studentenleben sei nicht produktiv. Hans Pleschinski, namhafter Schriftsteller und Herausgeber von Bedeutung, straft dieses Vorurteil Lügen. Nach einer durchzechten Nacht in Paris stöberte der Student vor fast 40 Jahren in einem Antiquariat herum und stieß auf ein Büchlein, das ihn elektrisierte.

Es handelte sich um einen Tagebuchauszug des Herzogs Emanuel von Croÿ (1718 – 1784) – ein Adeliger reinsten Wassers. Croÿ war Landbesitzer mit einem Faible für die schönen Künste. Vor allem aber war er ein Chronist seiner Zeit. Alles, was er in seiner französischen Heimat und auf seinen Reisen durch Europa erlebte, hielt er fest. Sein Tagebuch umfasst tausende Seiten. Hans Pleschinski hat eine Auswahl der Einträge für das deutsche Publikum übersetzt und herausgegeben. Das Buch mit dem Titel „Nie war es herrlicher zu leben. Das geheime Tagebuch des Herzogs von Croÿ“ erschien 2011 im C.H. Beck-Verlag und hat sich seitdem zu einem Bestseller entwickelt. Am kommenden Sonntag wird Pleschinski das Werk im Schloss Nennhausen vorstellen.

Wenn man Pleschinski danach fragt, was ihn an den Beschreibungen dieses Adeligen so fasziniert, dann ist der Enthusiasmus, der den Studenten damals in Paris erfasste, sofort wieder da. Der Herzog sei keiner jener Schreiber, denen es darum geht, durch gloriose Selbstdarstellung den eigenen Ruhm zu mehren. Vielmehr sei es ihm um eine möglichst präzise Darstellung des Erlebten gegangen. Wie ein Reporter habe er Bericht erstattet über seine Reisen, seine Begegnungen, seine Gespräche.

Unbestechlich, aber voller Engagement. Aus jedem Eintrag spreche die Neugier auf das Leben, die Lust, ungewohntes Terrain zu betreten. Und wie bei jeder großen Literatur erfahre der Leser etwas über sich selbst – über Träume, Sehnsüchte, das Empfinden von Glück, Trauer und Schmerz. Die Passage etwa, in der Croÿ das Sterben Ludwig XV. schildere, sei eines der anrührendsten und zugleich erschreckendsten Dokumente der Vergänglichkeit.

Weil der Herzog ein angesehener Mann war und Kontakt hatte zu den Geistesgrößen seiner Zeit, sind seine Aufzeichnungen auch für Historiker von unschätzbarem Wert. „Croÿs Schilderungen sind eine einzigartige Fundgrube, was das politische und gesellschaftliche, private und höfische Leben im 18. Jahrhundert in Frankreich und Deutschland bis zur Französischen Revolution anbelangt“, sagt sein Herausgeber. Seine Begegnungen mit Voltaire und Benjamin Franklin, den Brüdern Montgolfier, die Porträts von Madame de Pompadour bis zu Marie Antoinette oder die Hinrichtung eines Attentäters – all diese Miniaturen des Herzogs bildeten ein unschätzbares und präzises Dokument einer untergegangenen Welt.

Der präzise, unbestechliche Blick des Autors enthüllt freilich auch die ein oder andere bittere Wahrheit. Die Stadt Köln wird an einer Stelle als „tristes, großes Kaff“, beschrieben. Da zuckt jeder Rheinländer zusammen. Über die Mark finden sich solch harte Urteile indes nicht. Zur Lesung in Nennhausen kann man also ganz entspannt gehen.

Die Lesung von Hans Pleschinski im Schloss Nennhausen am Sonntag, den 14. Mai, beginnt um 16 Uhr. Sie wird veranstaltet vom Brandenburgischen Literaturbüro. Karten können telefonisch bestellt werden unter: 0331-2804103 oder per Mail: info@schloss-nennhausen.de.

Von Markus Kniebeler

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